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Drei große Namen der portugiesischen Leichtathletik verabschieden sich von der internationalen Lauf-Szene und beenden ihre Karrieren. Sara Moreira, Dulce Felix und Jessica Augusto kommen gemeinsam auf zahlreiche internationale Medaillen auf der Bahn, der Straße und im Crosslauf. Einen ihrer größten sportlichen Erfolge feierten sie aber gemeinsam. Bei den Europameisterschaften in Amsterdam 2016 fiel sich das Trio hinter der Ziellinie strahlend um den Hals, als sie in der Teamwertung eine historische Goldmedaille gewannen. Nun nehmen die drei Frauen Abschied von der professionellen Laufbühne und hängen ihre Schuhe an den Nagel.
2016 war für die Portugiesen ein durchaus erfolgreiches Sportjahr. Gerade mal ein paar Stunden bevor die Fußballnationalmannschaft den Europameister-Pokal in Paris in die Höhe stemmte, sicherten sich drei portugiesische Läuferinnen in Amsterdam eine historische Goldmedaille in der Teamwertung (3:33:53 Stunden) auf der Halbmarathon-Distanz. Felix (Rang 12), Augusto (Rang 3) und allen voran Moreira, die sich auch in der Einzelwertung zur Europameisterin krönte, lieferten ein beachtliches Rennen und standen am Ende vor Italien (3:36:38 Stunden) und der Türkei (3:39:59 Stunden) ganz oben auf dem Treppchen.
Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene machten sich die drei Athletinnen einen Namen in der Laufszene. Die Athletinnen räumten über die 3.000m Hindernislauf, 5.000m und 10.000m bei Europameisterschaften ordentlich ab und liefen auch im Crosslauf jeweils regelmäßig bei internationalen Wettkämpfen aufs Treppchen. Auch ist allen dreien der Traum einer jeden erfolgreichen Leichtathletin geglückt und sie durften ihr Heimatland Portugal bei den Olympischen Spielen repräsentieren.
Vergleicht man die drei Läuferinnen hinsichtlich ihrer Olympiateilnahmen, hat Sara Moreira die Nase vorn. Nach 2008 in Peking, 2012 in London und 2016 in Rio, reiste die 39-jährige 2021 zu ihren vierten Olympischen Spielen. Dort musste sie ihre Teilnahme am Olympischen Marathon aber wie auch in Rio fünf Jahre zuvor frühzeitig abbrechen. In Peking und London nahm sie am 3.000m Hindernislauf, bzw. den 10.000m teil.
Den größten Erfolg bei Olympischen Spielen feierte aber definitiv die älteste im Bunde, Jessica Augusto. Als zweitschnellste Europäerin (hinter der Russin Tatjana Petrowa) überquerte die mittlerweile fast 43-jährige als 6. Läuferin in London mit Tränen in den Augen die Marathon-Ziellinie.
Dulce Felix ging zweimal beim Olympischen Marathon an den Start (16. in Rio 2016, 20. in London 2012).
Die zahlreichen gewonnen Medaillen, die das Trio bei nationalen und internationalen Leichtathletikwettbewerben und Crossläufen für Portugal gesammelt haben, würden fast eine eigene Hall of Fame füllen. Nun fokussieren sich die drei Frauen aber auf andere Dinge im Leben.
Sara Moreira ist bereits 2013 zum ersten Mal Mutter geworden und hat mit der Bekanntgabe ihrer zweiten Schwangerschaft auch ihr Karriereende offiziell gemacht. Damit sei ein guter Zeitpunkt erreicht, ihre Laufkarriere zu beenden und sie bereite sich nun auf den „zweitwichtigsten Marathon ihres Lebens vor“, gab sie auf Instagram bekannt.
Moreira, die einst als Hoffnungsträgerin des portugiesischen Marathons galt, startete ihre Karriere über die kürzeren Distanzen. Über die 5.000m gewann sie 2010 und 2012 die Silbermedaille bei den Europameisterschaften und weitere internationale Medaillen über die 10.000m und die 3.000m Hindernis.
2014 gab sie als frisch gebackene Mutter ihr Marathon-Debüt in New York und sicherte sich mit einer überzeugenden Leistung den dritten Platz (2:26:00 Stunden). Im Jahr darauf konnte sie in Prag auf dem Treppchen sogar eine Stufe höher steigen und sich bei ihrem zweiten Marathon über eine neue persönliche Bestzeit (2:24:49 Stunden) und den zweiten Rang freuen. Die Hoffnungen der Marathonexperten, sie könne in die großen Fußstapfen der Lauf-Legende Rosa Mota steigen, erfüllte sie jedoch nicht. Moreira konzentrierte sich wieder auf die kürzeren Distanzen und das offensichtlich mit Erfolg. Die goldene Medaille von den Europameisterschaften 2016 ließ sie sich bereits ein knappes Jahr später um den Hals hängen.
Ihre Mitstreiterinnen bei diesem grandiosen Erfolg blicken auf ebenso erfolgreiche Karrieren zurück.
Dulce Felix, die morgen ihren 42. Geburtstag feiert, lief bei den Europameisterschaften 2012 zu Gold und 2016 zu Silber über die 10.000m. Vor heimischer Kulisse lief sie, getragen von zahlreichen jubelnden portugiesischen Fans, 2011 beim Lissabon Halbmarathon zum nationalen Rekord (1:08:33 Stunden), der bis heute noch Bestand hat. Neben ihren beachtlichen Leistungen bei den Olympischen Marathons und dem Teamerfolg 2016, zählt der Europameistertitel über die 10.000m zu ihren größten Erfolgen.
Jessica Augusto gab ihr Karriereende bereits vor einem Monat bekannt. Sie trete mit der Gewissheit zurück, bei jedem Wettbewerb alles gegeben zu haben, um sich selbst zu übertreffen und Geschichte für ihr Land zu schreiben. „Ich bin stolz euch sagen zu können, dass ich meine Ziele schon mehrfach erreicht habe und täglich dankbar bin für das, was mir der Sport gegeben hat. Die Leichtathletik hat nicht nur mein Leben verändert, sondern hat mir auch wertvolle Lektionen gelehrt, die ich immer mitnehmen und versuchen werde, an die Jüngeren weiterzugeben“ schrieb sie in ihrem Abschiedspost. Neben ihrem beeindruckenden 6. Platz in London 2012, steht bei ihr der Titel beim Hamburg Marathon 2017 und die Bronzemedaille im Marathon bei der Europameisterschaft 2014 in Zürich und im Halbmarathon 2016 in Amsterdam ganz oben auf der Liste ihrer Erfolge.
Alle drei seien dem Laufsport weiterhin verbunden und betonten, sie werden auch in Zukunft ihre Laufschuhe schnüren und der Laufwelt erhalten bleiben. Nur eben nicht mehr auf internationaler Ebene. Moreira wird wohl rund um die Laufwettbewerben ihres Sohnes an der Strecke stehen, Augusto bei Veranstaltungen der portugiesischen Leichtahletikjugend und Felix bei Teilnahmen an verschiedenen Hobbyläufen zu sehen sein.
Autorin: Eva Bernhard
Bild: © SIP / René van Zee