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Nur noch wenige Tage trennt die österreichische Laufszene von einem neuen Big Player, einem kräftigen Akzent für die sich verjüngende Community in Österreich, einem zweiten großen Marathon im Süden neben jenem in Graz. Mit dem Wörthersee Marathon geht am kommenden Wochenende die erste Ausgabe des bereits auf Anhieb zweitgrößten Marathons in Österreich über die Bühne. Bei prognostiziertem Kaiserwetter erwartet rund 8.500 Läufer:innen in der Königsdiziplin, im Halbmarathon und in der Staffel voraussichtlich ein herrliches Lauferlebnis. Auch bekannte Kärntner Athleten lassen sich die Premiere nicht entgehen: Während Eva Wutti erstmals nach dem EM-Marathon in Birmingham im Halbmarathon wieder Wettkampfluft schnuppert, nutzt Thomas Messner ebenfalls den Halbmarathon dafür, wieder in Schwung zu kommen.
Es war die Krönung ihrer Marathon-Karriere, ein Höhepunkt und eine harte Schule zugleich für Eva Wutti (Club RunAustria) – der EM-Marathon auf der hügeligen Strecke in Birmingham, den sie auf Platz 45 in einer Zeit von 2:47:29 Stunden beendete. „Ehrlich gesagt, der EM-Marathon hängt mir schon noch ein bisschen nach“, sagte die 37-Jährige. „Es ist doch schon eine lange Saison.“ Diese begann für die Kärntnerin mit der Vorbereitung auf den Vienna City Marathon und ist bei ihr immer im Kontext ihrer kräftezährenden Alltagsherausforderungen mit Beruf und Familie zu sehen.
Daher begleitete sie zuletzt auch der Schulstart ihrer Tochter durch die Planungen, ihre Trainingseinheiten unterzubringen. Was zufriedenstellend gelang, Wutti fühlt sich in einem guten Trainingsrhythmus. Folgerichtig nimmt sie den Halbmarathon am Sonntag ernst: „Ich möchte einen stabilen Halbmarathon laufen. Aufgrund des Streckenprofils ist schwer vorherzusehen, was genau passiert. Aber ich hoffe, dass ich mich in eine schöne Gruppe eingliedern und vom Start bis ins Ziel gut durchlaufen kann.“

Wutti bleibt also im Gelände – vom selektiven EM-Marathon über den Halbmarathon entlang des Südufers von Klagenfurt nach Velden bis hin zum Marathon Anfang November in New York mit den berüchtigten Rampen im Central Park. Sie freue sich jetzt schon auf das Erlebnis beim ewig jungen Klassiker in der pulsierenden Metropole an der Ostküste der USA.
Am Sonntag dagegen kommt sie in den Genuss einer seltenen Gelegenheit eines Heimrennens. „Ich hoffe, viele bekannte Gesichter an der Strecke zu sehen, werde die wunderschöne Kulisse genießen und freue mich auf die vielen privaten Erinnerungen, die ich mit dem Wörthersee verbinde.“ Die Strecke kennt sie, sowohl mit Laufschuhen als auch auf dem Fahrrad, und weiß daher von ihren Tücken. „Ich rate allen, die am Sonntag dabei sind, die Anstiege zurückhaltend zu laufen und Energie dafür zu sparen, die abschüssigen Passagen gut zu belaufen.“
Mit einer raschen und guten Entwicklung schaffte es Thomas Messner (KLC) vor einigen Jahren zum Kärntner Halbmarathonrekord und zum Staatsmeistertitel über diese Distanz. Dann rutschte der Kärntner aber in eine längere Verletzungspause, von der er sich langsam erholt. „Ich habe die Zeit genutzt, intensiv zu reflektieren und auch Veränderungen einzuleiten. Seit Juni bin ich wieder in einem regelmäßigen Lauftraining und spüre, dass sich eine gute Form entwickelt“, erzählt der Lokalmatador im Gespräch mit RunUp.eu. Seit wenigen Monaten trainiert er mit dem jungen deutschen Trainer Marius Trompetter, der selbst im April den Boston Marathon in unter 2:30 Stunden gelaufen ist. Dazwischen kam ihm nur eine Pause aufgrund einer angebrochenen Rippe im August, die einen Start bei den Staatsmeisterschaften im Rahmen von Kärnten Läuft verhinderte.

Sein erster Wettkampf seit über einem halben Jahr ist für Messner gleichzeitig die Generalprobe für sein Marathon-Debüt vier Wochen später in Frankfurt, wo er erste Erfahrungen für eine langfristige Entwicklung sammeln möchte. „Daher werde ich den Halbmarathon am Sonntag voll aus dem Training herauslaufen. Mit einer gezielten Belastung bereits beim Aufwärmen, um einen Trainingseffekt zu erzielen. Der Termin vier Wochen vor dem Marathon passt super – und mit Start und Ziel praktisch vor meiner Haustür ist der Wörthersee Marathon optimal für mich. Ich möchte gut ins Ziel kommen, aber laufe nicht auf ,Teufel komm raus’.“
Messner lebt in Klagenfurt, wo er in der sozialpädagogischen Familienbetreuung der Diakonie arbeitet und das Mastersstudium der Sozialpädagogik und Soziale Inklusion absolviert, und kennt die Region daher bestens. „Es wird ein richtig cooler Bewerb. Die Strecke ist schon sehr anspruchsvoll. Man muss gut in seinen Körper hineinhören und in den Anstiegen mit dem Oberkörper spielen, um den Laufschritt und die Technik stabil zu halten. Man darf sich keinesfalls von der Uhr verleiten lassen – und auch nicht vom Adrenalin, das zum Beispiel bei den Cheering Zones in den Anstiegen angefacht wird.“
Rund 8.500 Anmeldungen in den drei Bewerben
4.166 Anmeldungen im Marathon, 3.066 im Halbmarathon
Bei keiner anderen heimischen Laufveranstaltung ist der Marathon der größte Bewerb
25% der Läufer:innen aus Kärnten
24% der Läufer:innen aus Wien
1.000 Läufer:innen, die aus dem Ausland anreisen
Die Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen sind die größte Altersgruppe
Favorit auf den Sieg beim „The Wild Beauty – 21K“ ist der Kärntner nicht. Wie Eva Wutti bestreitet auch Andreas Vojta (team2012.at) seinen ersten Wettkampf seit dem EM-Marathon in Birmingham (Vienna Night Run ausgenommen) und wie Messner hat auch der Niederösterreicher den Frankfurt Marathon als großes Ziel vor Augen. „Es ist ein toller Anreiz bei einem neuen Event zu starten. Da ist ein bisschen was Pionierhaftes dabei. Der Termin ist ideal, die Anreise mit dem Zug aus Wien einfach und die österreichischen Läufer bekommen hier eine besondere Bühne“, erklärt der 37-Jährige die Vorteile aus seiner Sicht.

Nach dem gelungenen Auftritt auf der schwierigen Strecke des EM-Marathons in Birmingham, Platz 26 in 2:15:37 Stunden, schrecke ihn das Höhenprofil jedenfalls nicht, so Vojta. „Ob ich hier ein paar Sekunden schneller oder langsamer als auf einer flachen Strecke laufe, ist mir nicht so wichtig. Ich fühle mich nach dem EM-Marathon gut erholt und habe den vollen Fokus auf die Herbstsaison. Der Halbmarathon am Wörthersee ist der Auftakt dafür und gleichzeitig die Generalprobe für Frankfurt.“
Gemäß dem Motto „Ein See. Eine Runde. Ein Marathon.“ geht am kommenden Wochenende eine faszinierende Premiere in der österreichischen Laufszene über die Bühne: der Wörthersee Marathon. Mit Start und Ziel im Strandbad Klagenfurt führt die Marathonstrecke um den See, die Halbmarathonstrecke bis zum Ziel nach Velden.
„Mit dem Wörthersee Marathon präsentieren wir heute ein brandneues, sportliches Highlight, das Kärntens Ruf als aktives, dynamisches und international gefragtes Sportland eindrucksvoll unterstreicht. Kärnten bewegt und begeistert – weit über die Landesgrenzen hinaus!“, sagte Kärntens Landessportreferent Daniel Fellner bei einem Pressetermin vergangene Woche.

Seit der Ankündigung der Premiere schwappte dem Veranstalter eine Welle der Laufbegeisterung entgegen. Schnell entwickelte sich der Marathon-Bewerb von der Teilnehmer:innenstärke zum zweitgrößten Marathon in Österreich hinter dem Vienna City Marathon, 4.166 Laufbegeisterte wollen die Königsdistanz in Angriff nehmen. 8.500 Läufer:innen mit 36 unterschiedlichen Nationalitäten haben sich insgesamt angemeldet, Marathon und Halbmarathon waren bereits mehr als zwei Monate vor dem Event restlos ausverkauft. Sie alle freuen sich auf ein großartiges Lauferlebnis am Sonntag rund um den Wörthersee – ganz nach dem Motto „Run the Lake!“
„Spitzenzeiten stehen bei uns nicht im Fokus, sondern das Lauferlebnis entlang des Wörthersees“, bekräftigt Mario Theissl, Geschäftsführer der WS Marathon GmbH, für den mit der Durchführung des Marathons am Wörthersee ein Traum in Erfüllung geht.
Von Beginn an präsentierte sich der Wörthersee Marathon als etwas anderer Marathon im Vergleich zu den Klassikern in den Städten. Bewusst und gezielt orientierte sich die neue Veranstaltung in ihrer Kommunikation an junge Läufer:innen. Einzigartig ist die Größe des Wörthersees, die eine Seeumrundung mit der Marathon-Distanz vereint – ein perfektes Storytelling.
Im Umfeld von Messner ist der Wörthersee Marathon ein großes Thema: „Ich merke bei vielen Kollegen eine besondere Vorfreude auf diesen Wettkampf.“ Für ihn ist die hohe Teilnehmer:innenzahl keine Überraschung: „Jeder weiß, wie idyllisch es am Wörthersee ist. Der Event ist eine spannende Herausforderung, weil hier nicht die Zeit im Vordergrund steht, sondern eine kluge Herangehensweise entscheidend ist. Das macht den Reiz aus – und natürlich, dass eine vermessene Strecke rund um einen See genau einen Marathon ergibt.“
Eva Wutti pflichtet ihm bei: „Das lockere Image des Genießens, das der Veranstalter von Beginn an in der Bewerbung betont hat, und dazu die Orientierung an ein junges Publikum – das war sicher ein guter Zug!“ Kathrin Widu, Geschäftsführerin der WS Marathon GmbH, erklärt: „Die Laufcommunity wächst und freut sich auf neue Erfahrungen. Die Teilnehmenden werden jünger und immer mehr Frauen starten ihre persönliche Laufreise. Wir feiern den Wörthersee Marathon als gemeinsames Fest der Region.“
🇦🇷 Die Kenianer Bethwel Kibet und Rebecca Chesir haben am Sonntag die 42. Auflage des Buenos Aires Marathon gewonnen. Der 35-jährige Routinier Kibet setzte sich in 2:08:28 Stunden knapp gegen John Hakizimana aus Ruanda und Felix Kirwa aus Kenia durch. Chesir siegte in 2:23:36 Stunden vor ihren Landsfrauen Rodah Tanui und Emmah Ndiwa. 16.384 Läufer:innen bestritten laut Medienberichten den Marathon in der argentinischen Hauptstadt, ein Drittel davon reiste aus dem Ausland an. Ignacio Erario und Chiara Mainetti holten sich die argentinischen Meistertitel.
🇩🇪 Bereits eine Woche vorher sorgten über 13.000 in allen Bewerben angemeldete Läufer:innen für einen Teilnahmerekord bei der 24. Auflage des Volksbank Münster Marathon in Deutschland. Bei regnerischen Bedingungen gingen die Marathon-Siege an den Kenianer Dickson Kiptoo (2:10:03) und die Äthiopierin Agrie Wole (2:28:43).
Rund 18.200 Aktive beteiligten sich am Kassel Marathon, den Marcel Bräutigam in einer Zeit von 2:25:13 Stunden gewinnen konnte. Rund 13.000 Läufer:innen waren beim Baden-Marathon in Karlsruhe aktiv. Seriensieger Simon Stützel gewann dieses Mal den Halbmarathon in einer Zeit von 1:09:12 Stunden genauso wie Melina Wolf (1:14:25).
Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause startete beim Frauenlauf in Trier und absolvierte die 5km-Strecke gemeinsam mit Vanessa Mikitenko in 16:53 Minuten.
🇨🇿 Einen deutschen Erfolg gab es beim Usti nad Labem Halbmarathon am vergangenen Wochenende in Tschechien. Simon Boch lief nach 1:06:33 Stunden und knapp vor Lokalmatador Damian Vich über die Ziellinie. Einen Heimsieg feierte die zweifache Olympia-Teilnehmerin Tereza Hrochova bei den Frauen in einer Zeit von 1:10:52 Stunden. Rund 6.700 Läufer:innen aus 67 Nationen waren für den Event angemeldet.
🇦🇹 Auch in Österreich gab es in den letzten Tagen bestens besuchte Laufevents. Bei der 20. Auflage Vienna Night Run feierte Julia Mayer (DSG Wien) einen neuerlichen Sieg in einer Zeit von 15:29 Minuten, ein neuer Streckenrekord. Bei den Männern war Andreas Vojta (team2012.at) in kontrollierten 14:27 Minuten der Sieger. Über 19.000 Läufer:innen und Walker:innen erreichten das Ziel am Ring in Wien.
Beim Businesslauf in Salzburg mit rund 11.000 Finishern waren die Lokalmatadoren Dominik Hirzcy (Lauftreff Nussdorf, 17:45) und Katharina Stöger (Union Salzburg LA, 19:26) auf der 5,7 Kilometer langen Strecke in der Salzburger Altstadt die Schnellsten.
🇬🇧 Mitte September fand im Norden Englands der traditionsreiche Great North Run statt. Die ehemalige Marathon-Weltrekordhalterin Brigid Kosgei gewann den Halbmarathon in einer Zeit von 1:06:15 Stunden klar vor ihrer Landsfrau und ehemaligen Siegerin des New York City Marathon, Sheila Chepkirui, sowie Melknat Wudu aus Äthiopien. Großbritanniens Top-Athletin Eilish McColgan stieg nach wenigen Kilometern mit Beschwerden im Fuß aus. Bei den Männern gab es erstmals in der langen Geschichte des Events einen US-amerikanischen Sieg durch Zouhair Talbi, der in einer Zeit von 59:47 Minuten den Kenianer Alex Mutiso, ein ehemaliger Sieger des London Marathon, und Yohei Ikeda aus Japan auf die weiteren Plätze verwies.
🇪🇸 Die US-Amerikaner Charlie Lawrence und Courtney Olsen haben sich am vergangenen Wochenende die WM-Titel im 100km-Lauf geholt. Lawrence setzte sich bei hohen Temperaturen in einer Zeit von 6:09:25 Stunden vor dem litauischen Ultralaufstar Aleksandr Sorokin durch. Olsen gewann das Duell gegen die Japanerin Miho Nakata in einer Endzeit von 7:10:31 Stunden. Bronze sicherte sich in Ames die spanische Lokalmatadorin Gemma Arenas Alcazar. Andreas Bauernfeind (ProTeam Vienna) belegte als bester Österreicher Platz 55.
🇺🇸 Bereits zum dritten Mal hat Jemma Reekie das berühmteste Straßenmeilenrennen der Welt gewonnen. Sechs Tage vor dem WM-Rennen in Kopenhagen absolvierte sie die 5th Avenue Mile in den Straßen von New York in einer Zeit von 4:13,6 Minuten und brach den Streckenrekord. Sie lag im Ziel klar vor den US-Amerikanerinnen Josette Andrews und Rachel McArthur. Bei den Männern siegte der US-Amerikaner Marco Langon in 3:45,0 Minuten vor dem Briten Jake Heyward und dem Australier Adam Spencer.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Wörthersee Marathon