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Raphael Pallitsch hat seinen erst zehn Tage zuvor aufgestellten ÖLV-Rekord im 1.500m-Lauf beim gestrigen Golden-Spike-Meeting in Ostrava neuerlich verbessert. In einer Zeit von 3:33,59 Minuten schrammte er als Wettkampf-Zweiter nur haarscharf am Limit für die Olympischen Spiele in Paris vorbei.
Über die Winzigkeit der neun Hundertstelsekunden, die ihm auf die Fix-Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris fehlten, wollte sich Raphael Pallitsch (SVS Leichtathletik) nach seinem bärenstarken Auftritt beim traditionsreichen Meeting in Ostrava gar nicht ärgern. Viel mehr freute er sich über die neuerliche Top-Leistung: „Es ist so unfassbar, jetzt schon wieder 3:33 laufen zu können. Es war ein fantastisches Rennen!“ Nicht nur die Zeit, sondern die Art und Weise des Rennverlaufs imponierten. Pallitsch, der als gelernter 800m-Läufer seine Stärke in der Schlussrunde hat, läuft daher selten in so stark besetzten Rennen gleich von Beginn an vorne mit. Das war gestern Abend in Ostrava beim als Emil Zatopek Memorial ausgerufenen Wettkampf über die 1.500m anders.
Der Österreicher setzte sich vom Start weg an die zweite Position hinter dem Polen Filip Rak, davor sorgten zwei Tempomacher dafür, dass der Marschplan Richtung Olympia-Limit von 3:33,50 Minuten eingehalten wurde. Das klappte mit einer 800m-Durchgangszeit des führenden Tempomachers in 1:53,02 Minuten hervorragend. „Es war ein Höllentempo zu Beginn“, erzählte Pallitsch laut ÖLV-Aussendung nach dem Rennen. „Ich wollte mich vorne einreihen, auch wenn normalerweise das letzte Drittel meine Stärke ist. So konnte ich mich von Rangeleien großteils fernhalten.“ Als der zweite Tempomacher das Rennen verließ, hatte sich ein Trio um Pallitsch leicht vom Rest des Feldes abgesetzt.
Die Verfolgergruppe fand Mitte der letzten Runde wieder Anschluss, als der Kampf um die Positionen längst eröffnet war – begleitet von einer großartigen Kulisse im gut gefüllten Stadion in Ostrava. Rak wurde sichtlich müde, der Kanadier Charles Philibert-Thiboutot schob sich in der vorletzten Kurve vorbei an Pallitsch an die zweite Position und übernahm entlang der Gegengerade die Führung. Der 34-jährige Burgenländer folgte ihm, ging als Zweiter in die letzte Kurve und lief als Führender auf die Zielgerade. „Ein spezielles Flair“, wie Pallitsch erzählte. Trotz des schnellen Tempos von Beginn an hatte er noch Kraft für ein gutes Finish, um das beste Rennen seiner Karriere stark zu Ende zu bringen. Nur der Italiener Federico Riva hatte ein besseres.
Der 23-Jährige verbesserte seine persönliche Bestleistung von einem Rennen in Lyon vor vier Wochen, als er ebenfalls siegte, um 0,18 Sekunden auf eine Zeit von 3:33,53 Minuten und schrammte noch knapper am Olympia-Limit vorbei als Pallitsch. Nur Gennaro Di Napoli und der EM-Vierte von 2022, Pietro Arese sind in der italienischen Leichtathletik-Geschichte über diese Distanz jemals schneller gelaufen. Im Ringen um einen Olympia-Startplatz dürfte Riva mit diesem Resultat über die Weltrangliste virtuell innerhalb der Top-45 der „Road to Paris“ sein, so viele Startplätze sind in Paris in den Vorläufen vorgesehen.
Die jeden Mittwoch neu erscheinende Weltrangliste wird sich auch Raphael Pallitsch, der am Pfingstwochenende in Rehlingen den 24 Jahre alten ÖLV-Rekord von Günther Weidlinger auf eine Zeit von 3:33,78 Minuten verbessert hatte, wohlwollend ansehen können. Vor dem Meeting in Ostrava rangierte der 34-Jährige auf dem 40. Platz. „Dass jetzt ein paar Hundertstelsekunden auf das Limit fehlen, ist aufgrund der guten Punkte, die ich heute bekomme, zu verkraften“, meinte er. Die Leistung von Ostrava ist dank der 120 Bonuspunkte, die es für Platz zwei bei einem Meeting der World Athletics Continental Tour Gold gibt, 1.315 Punkte wert und damit Pallitschs beste innerhalb des Qualifikationszeitraums.
Seine Leistung aus dem WM-Vorlauf 2023 (1.154) fällt aus der Wertung, wodurch sich der Durchschnitt der fünf besten Leistungen deutlich erhöht und ein Sprung in die Top-35 der „Road to Paris“ möglich ist – ein kräftiger Schritt weiter Richtung Olympische Spiele, auch wenn das Limit knapp auf der Strecke blieb. „Vier aus fünf Ergebnissen im Ranking sind schon richtig stark, ein paar Chancen gibt es noch, die fünfte zu verbessern“, so Pallitsch.
Im 800m-Lauf glänzte Djamel Sedjati aus Algerien mit einer neuen Weltbestleistung von 1:43,51 Minuten, mit der er den Wettkampf mit über zwei Sekunden Vorsprung gewann. Der 1.500m-Lauf der Frauen endete mit einem irischen Doppelsieg durch Ciara Mageean und Sarah Healy.
Das Golden Spike Meeting in Ostrava im Osten Tschechiens fand bereits zum 63. Mal statt. Es gehört der World Athletics Continental Tour Gold an und ist damit eines der wichtigsten und bestbesetzten Meetings außerhalb der Diamond League. Dieser Rahmen wertet den zweiten Platz von Raphael Pallitsch auf, denn Ostrava ist als beliebtes Meeting besonders unter europäischen Leichtathlet*innen weithin bekannt.
Autor: Thomas Kofler
Bild: Golden Spike Meeting