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Ein Fixpunkt im Lauf-Frühling ist für mich der Vienna City Marathon. Über 20-mal war ich schon live vor Ort, selbstverständlich auch heuer. Österreichs bedeutendste Lauf-Veranstaltung findet bereits zum 35. Mal statt, hat sich unter der Federführung von Veranstalter Wolfgang Konrad…


Ein Fixpunkt im Lauf-Frühling ist für mich der Vienna City Marathon. Über 20-mal war ich schon live vor Ort, selbstverständlich auch heuer. Österreichs bedeutendste Lauf-Veranstaltung findet bereits zum 35. Mal statt, hat sich unter der Federführung von Veranstalter Wolfgang Konrad und seinem Team prächtig entwickelt. Immer wieder glänzte man mit Innovationen, indem man etwa jedes Jahr ein anderes Motto wählte. Von Mozart, über 2.500 Jahre Mythos Marathon, Alles Walzer bis hin zum Theater der Emotionen. 2009 organisierte der VCM einen „Debütantenball“ – lud nur Eliteläufer ein, die ihre Marathon-Premiere machten. Ein mutiger Weg, aber ein toller Erfolg. Mein jährlicher Trip in die Bundeshauptstadt ist immer einen Genuss.

Wie in den letzten Jahren haben sich über 40.000 Läuferinnen und Läufer aus rund 130 Nationen für die verschiedenen Bewerbe angemeldet. Der Staffelmarathon ist der größte seiner Art. Hier habe ich schon viel erlebt: Sommerliche Hitze, Schneefall, einen Pacemaker, der durchzog und den Favoriten besiegte. Ein Vulkanausbruch auf Island, der die Anreise per Flugzeug von einigen Elite- und über 2.000 Hobbyläufern verhinderte. Eine ukrainische Läuferin, die in der Hauptallee stoppte, um sich die Schuhe zu binden, und anstatt weiter zum Lusthaus zu laufen, kurzerhand abkürzte und auf der gegenüberliegende Seite zurück lief. Am Ende wurde sie folgerichtig disqualifiziert. Und: den noch immer gültigen, österreichischen Marathon-Rekord (2:30:43 Stunden), den Andrea Mayr 2009 gelaufen ist.
Ein tolles Erlebnis war auch der Marathon-Start meiner Frau im Jahr 2000. Es war eine kurzfristige Entscheidung. Am Nachmittag bin ich von Bad Hofgastein mit dem Auto nach Wien gefahren, um die Startnummer zu holen. Damals noch in einer Zeltstadt im Schloss Schönbrunn. Ein starkes Gewitter lud Massen an Wasser über Wien ab, aber die Reise hat sich dennoch gelohnt. Mit der Startnummer im Gepäck fuhr ich die 400 Kilometer zurück nach Hause. Drei Tage später stand Marijke an der Startlinie und genoss ein tolles Lauferlebnis in weniger als vier Stunden. Wenige Jahre später saugte auch ich 42,195 Kilometer lang die grandiose VCM-Atmosphäre im Laufschritt auf.
Für mich bietet der Vienna City Marathon 2018 die Gelegenheit, alte Bekannte aus der Laufszene wieder zu treffen. So manches Gesicht aus den Elitefeldern lassen Erinnerungen präsent werden. Zum Beispiel Dennis Kimetto, die Starverpflichtung des Vienna City Marathon. 2014 beendete er nach einem unglaublichen Rennen als erster Mensch der Welt einen Marathonlauf unter 2:03 Stunden. Ein glanzvolles Stück Laufgeschichte. Auch dreieinhalb Jahre später ist diese Marke auf regelkonformen Laufstrecken unerreicht. Er selbst konnte das Level ebenfalls nicht mehr erreichen und lief nur noch einen guten Marathon (London 2015). Häufige Verletzungen sind die Ursache für diese Durststrecke.
Kimetto wird gemanagt von Gerard van de Veen, wie ich Holländer und einer der erfolgreichsten Manager im Laufsport. Ich kann mich gut daran erinnern, dass Kimettos Triumph nicht nur ein gigantischer Erfolg für sich, sondern auch für das Management war. Gemeinsam haben sie ordentlich gefeiert.

Ein Mann, der Kimettos Weltrekord vielleicht einmal verbessern kann – wer weiß, was schon am Sonntag in London passiert – ist Eliud Kipchoge. Den Olympiasieger besuchte ich vor einem Jahr auf einer Pressereise nach Kenia. In seiner Trainingsgruppe lief ein groß gewachsener, junger Mann. Ich habe ihn sofort wiedererkannt, als er auf die Bühne der Pressekonferenz des Vienna City Marathon schritt. Nicholas Rotich. Ich bin schon gespannt, wie er sich am Sonntag schlägt. Es ist sein erster ernsthafter Versuch, eine Spitzenzeit im Marathon zu laufen.

Eine bisher unbekannte Läuferin könnte am Sonntag für eine Überraschung sorgen. Nolene Conrad aus Südafrika. Sie wird gemanaged von Elana Meyer, einer südafrikanischen Lauflegende. Eine vorbildliche Athletin ihrerzeit. Sie gewann 1992 die Olympische Silbermedaille im 10.000m-Lauf in Barcelona. Ihre Spezialdistanz war aber der Halbmarathon, wo sie vier Weltrekorde lief. Ich habe sie erst vor vier Wochen im Rahmen der Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Valencia getroffen.
Ich bin schon gespannt, welche Geschichte ich zukünftig vom Vienna City Marathon 2018 erzählen darf. Auf jeden Fall eine bei schönem Wetter.