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Sabastian Sawe: Super-Debüt des Halbmarathon-Champions

Halbmarathon-Weltmeister Sabastian Sawe war mit seinem bärenstarken Debüt der Star des Valencia Marathon 2024. Vergleiche mit Kelvin Kiptum sind erkennbar.
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Dass am Ende zwölf Sekunden auf die Siegerzeit von Kelvin Kiptum aus dem Jahr 2022 fehlten, schmälerte den Erfolg von Sabastian Sawe kaum. Auch das zweitschnellste Marathon-Debüt der Geschichte hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der amtierende Weltmeister im Halbmarathon könnte der Marathon-Star der Zukunft sein – und damit in die Fußstapfen von Kelvin Kiptum treten.

Sebastian Sawe ist deutlich älter als es Kelvin Kiptum war. Der Marathon-Weltrekordhalter ist im Februar bei einem Autounfall tödlich verunglückt und hat an der Spitze der Marathonszene eine große Lücke hinterlassen. Er war der auserkorene für den ersten sub-2-Marathon bei einem regulären Wettkampf. Nun formiert sich auch angesichts des Endes der Ära Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele die neue Weltspitze und Sabastian Sawe ist spätestens seit seinem grandiosen Marathon-Debüt am Sonntag in Valencia mit einer Zeit von 2:02:05 Stunden ein Kandidat, die Szene in den nächsten Jahren an der Weltspitze mitzubestimmen.

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Paukenschläge im Halbmarathon

Schließlich gibt es Parallelen zu Kiptum, der im Halbmarathon Weltklasse war und bei seinem Marathon-Debüt in Valencia 2022 alle verblüffte. Als dritter Läufer nach den beiden genannten Legenden Kipchoge und Bekele hat er auf Anhieb eine Marathonzeit unter 2:02 Stunden zustande gebracht. Sawe ist Kiptums Landsmann, 29 Jahre alt, aber ein Spätzünder. Seine ersten Top-Wettkämpfe auf internationalem Niveau gelangen nach der Pandemie-Pause, der Einstieg in Feuerwerk. Sawe gewann den Halbmarathon in Sevilla 2022, dann lief er in 58:02 Minuten den Halbmarathon von Rom nach Ostia. Spätestens nach einer 10km-Zeit in Herzogenaurach von 26:54 Minuten war klar, welch Talent in ihm steckt. Zu Jahresende 2022 feierte er in Bahrain noch einmal einen Halbmarathon-Sieg, nachdem beim Valencia Halbmarathon davor im Clash mit zahlreichen Weltklasseläufern „nur“ der sechste Platz gelang. Seine damalige Leistung von 59:23 Minuten ist die „schlechteste“ seiner Karriere.

Sabastian Sawes Halbmarathon-Splits: 1:01:18 / 1:00:47 Stunden
Sabastian Sawes 5km-Teilzeiten: 14:32 / 14:32 / 14:36 / 14:27 / 14:39 / 14:36 / 14:24 / 14:06 / 6:13 (2,197 km) Minuten

Mit Negativ-Split zum Triumph

Sawe steigerte sich 2023 weiter und krönte seine Entwicklung mit der Goldmedaille bei der Straßenlauf-WM in Riga im Halbmarathon. Beim Kopenhagen Halbmarathon 2024 triumphierte er im Zweikampf mit Jacob Kiplimo und lief eine Zeit von 58:05 Minuten – seine bereits fünfte unter 59 Minuten. Der 29-Jährige, der vom italienischen Manager Gianni Demadonna vertreten wird, war bereit für sein Marathon-Debüt. Und wie!

„Ich bin sehr aufgeregt und glücklich. Es ist ein großer Moment in meinem Leben. Gleich bei meinem ersten Marathon als Sieger im Ziel zu stehen, ist fantastisch“, jubelte der Kenianer nach dem Rennen. Im Siegerinterview dachte er auch an die Menschen in und rund um Valencia, die von den schweren Unwettern Ende Oktober schwer betroffen waren. „Ich habe sie in meine Gebete eingeschlossen.“

© SIP / Johannes Langer

Das Rennen lief perfekt für ihn. Trotz der ausgelobten Gigantensumme von einer Million Euro für einen Weltrekord entwickelte sich keine astronomische Zeitenjagd. Die Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:01:18 Stunden war perfekt für den Halbmarathon-Könner. Als Daniel Mateiko, der bei seinem dritten Marathon-Versuch erstmals ins Ziel kommen und als Dritter eine Zeit von 2:04:24 Stunden anschreiben sollte, nach rund 32 Kilometern attackierte, sammelte sich Sawe. Auf Position drei laufend erhöhte er sanft seine Schlagzahl und holte gemeinsam mit Deresa Geleta den Führenden ein, ehe er mit seiner erfolgreichen Attacke gut sechs Kilometer vor dem Ziel konterte.

Der Rest war ein Triumphzug in nun höchstem Tempo, der mit einem Preisgeld von 70.000 Euro vergütet wurde. Eine zweite Marathon-Hälfte von 1:00:47 Stunden führte ihn zur drittschnellsten Siegerzeit in der Geschichte des Events. Auch das ist eine Parallele zu Kiptum, der alle seine drei Marathonläufe mit einem deutlichen Negativsplit absolvierte. Beim Debüt in Valencia vor zwei Jahren lief Kiptum die zweite Marathon-Hälfte in 1:00:15 Stunden, also nur 32 Sekunden schneller als Sawe zwei Jahre später.

Die schnellsten Marathonzeiten der Männer 2024

  • 2:02:05 Stunden – Sebastian Sawe (Valencia Marathon)
  • 2:02:16 Stunden – Benson Kipruto (Tokio Marathon)
  • 2:02:38 Stunden – Deresa Geleta (Valencia Marathon)
  • 2:02:44 Stunden – John Korir (Chicago Marathon)
  • 2:02:55 Stunden – Timothy Kiplagat (Tokio Marathon)
  • 2:03:17 Stunden – Milkesa Mengesha (Berlin Marathon)
  • 2:03:22 Stunden – CyBrian Kotut (Berlin Marathon)
  • 2:03:27 Stunden – Deresa Geleta (Sevilla Marathon)
  • 2:03:31 Stunden – Haymanot Alew (Berlin Marathon)
  • 2:03:37 Stunden – Stephen Kiprop (Berlin Marathon)

Sawe und Geleta in den Top-Ten

Sawe ist mit seiner Leistung auf Position fünf der ewigen Bestenliste im Marathon eingestiegen. Vor ihm liegen nur Legenden: Kelvin Kiptum, Eliud Kipchoge, Kenenisa Bekele und Vorjahressieger Sisay Lemma. Der zweitplatzierte Deresa Geleta, Sieger des diesjährigen Sevilla Marathon, rechtfertigte seine damals doch überraschende Olympia-Nominierung nicht nur mit dem beachtlichen fünften Platz in Paris, sondern mit einer neuen persönlichen Bestleistung und Platz zwei beim Valencia Marathon 2024. Der 28-Jährige ist mit einer Zeit von 2:02:38 Stunden nun der drittschnellste Äthiopier aller Zeiten – und das obwohl er in seinen ersten acht Marathons nie unter 2:10 Stunden gelaufen ist.

Die Leistung von 2:02:38 Stunden ist übrigens die beste der Geschichte, die nicht für einen Sieg gereicht hat (bisher 2:02:48 Stunden von Birhanu Legese 2019 in Berlin).

Die schnellsten Marathonzeiten der Europäer 2024

  • 2:03:47 Stunden – Morhad Amdouni (Sevilla Marathon)
  • 2:04:40 Stunden – Tadesse Abraham (Valencia Marathon)
  • 2:04:44 Stunden – Maru Teferi (Valencia Marathon)
  • 2:04:45 Stunden – Abdi Nageeye (Rotterdam Marathon)
  • 2:04:53 Stunden – Gashau Ayale (Sevilla Marathon)
  • 2:04:56 Stunden – Samuel Fitwi (Valencia Marathon)
  • 2:05:01 Stunden – Tadesse Abraham (Barcelona Marathon)
  • 2:05:24 Stunden – Yohanes Chiappinelli (Valencia Marathon)
  • 2:05:42 Stunden – Maru Teferi (Amsterdam Marathon)
  • 2:05:48 Stunden – Richard Ringer (Valencia Marathon)

Megertu Siegerin im Frauenrennen

Das Frauenrennen stand etwas im Schatten des Männerrennens. Ohne Topstar an der Startlinie (Weltmeisterin Amane Beriso musste kurzfristig absagen) war auch der Wettkampf nicht so spannend wie bei den Männern. Früh kristallisierte sich Megertu Alemu als die stärkste Läuferin im Feld heraus. Die 27-jährige Äthiopierin siegte in einer Zeit von 2:16:49 Stunden.

Beim größten Erfolg ihrer Karriere erreichte sie die zweitschnellste Zeit ihrer Laufbahn, die drittschnellste Siegerzeit der Eventgeschichte und die zehntschnellste Marathonzeit des Jahres. Im Ziel zeigte sich die Siegerin enttäuscht, weil sie nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:07:15 Stunden keine schnellere Endzeit realisieren konnte. Stella Chesang verbesserte ihren eigenen Landesrekord für Uganda deutlich auf eine Zeit von 2:18:26 Stunden und gewann das Duell um Rang zwei gegen die Äthiopierin Tiruye Mesfin.

Alemu Megertus Halbmarathon-Splits: 1:07:13 / 1:09:35 Stunden
Alemu Megertus 5km-Teilzeiten: 16:07 / 15:54 / 15:54 / 15:51 / 15:57 / 16:11 / 16:48 / 16:48 / 7:18 (2,195 km) Minuten
© SIP / Johannes Langer

Majida Maayouf verpasste mit einer Zeit von 2:21:43 Stunden die anvisierte Verbesserung ihres spanischen Rekordes knapp, ihre Landsfrau Laura Luengo schob sich mit einer Bestleistung von 2:22:31 Stunden auf Position zwei der nationalen Bestenliste. Einen beeindruckenden Landesrekord schaffte die Tschechin Moira Stewartova in einer Zeit von 2:23:44 Stunden. Eine Sekunde später lief die 41-jährige Sara Hall mit einem neuen US-Mastersrekord ins Ziel. Wiederum eine Sekunde später erreichte Fionnuala McCormack, mittlerweile auch 40 Jahre alt, das Ziel in einer neuen persönlichen Bestzeit von 2:23:46 Stunden. Nora Szabo verbesserte den ungarischen Rekord auf eine Zeit von 2:25:52 Stunden.

Der etwas andere Valencia Marathon

Gut einen Monat nach der Naturkatastrophe, die rund um Valencia über 200 Todesopfer und Milliardenschäden an Gebäuden und Natur hinterlassen hat, ging der Valencia Marathon am Sonntag über die Bühne. Nicht alle befanden das als richtige Entscheidung.

Der Veranstalter erinnerte mit einer emotionalen Schweigeminute an die schrecklichen Tage und spendete drei Euro pro Finisher*in für Betroffene. Auch Sponsoren der Veranstaltung engagierten sich für die Unterstützung des Wiederaufbaus.

Rund 28.500 Marathonläuferinnen überquerten die Ziellinie der 44. Auflage des Valencia Marathon. Es fällt auf, dass darunter nur 6.257 Läuferinnen waren (21%). Dafür wurde traditionell sehr schnell gelaufen: 5.200 Läuferinnen blieben unter drei Stunden. Aus diesem Kreis blieben 512 unter 2:30 Stunden, davon gleich 126 aus Frankreich stammende Läufer*innen.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer

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