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Sensationelles WM-Gold für Robert Farken über die Meile

Der Deutsche feierte bei den Straßenlauf-Weltmeisterschaften den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere. Über 5km musste Jakob Ingebrigtsen Dawit Seare ziehen lassen.
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Unverhofft kommt sprichtwörtlich oft, im Spitzensport ehrlicherweise seltener. Aber mit dem Gewinn des WM-Titels hatte Robert Farken nicht gerechnet, musste er nach seinem Coup in Kopenhagen einräumen. „Ein bisschen geträumt habe ich schon von einer Medaille, aber Gold, das ist natürlich sehr cool“, so der 28-Jährige, der den lange führenden Favoriten Yared Nuguse im Schlussspurt übertrumpfte. Über fünf Kilometer freute sich die Laufwelt auf das große Duell zwischen Jakob Ingebrigtsen und Jimmy Gressier. Am Ende war es jedoch Dawit Seare, der mit einem entschlossenen Schlussspurt dem norwegischen Superstar die Geburtstagsparty etwas vermieste.

„Es ist überwältigend, hier die Goldmedaille gewonnen zu haben“, jubelte Robert Farken nach seinem Überraschungserfolg in Kopenhagen. Nach 3:51,80 Minuten im Wettkampf stand fest, dass der Deutsche die Goldmedaille um den Hals gehängt bekam. Jener Mann, der zwar etliche deutsche Meistertitel gesammelt hat, aber abgesehen von Rang sechs bei den Weltmeisterschaften von Tokio im letzten Jahr (als er unter glücklichen Umständen das Finale erst am grünen Tisch erreichte) bei internationalen Wettkampfhöhepunkten noch nie glänzen konnte. Dieses Mal war das ganz anders, er übertrumpfte auf den letzten Metern den favorisierten US-Amerikaner Yared Nuguse und spielte auch die Tatsache, dass er seinen Kontrahenten bestens kennt, für sich aus.

© Gaelle Mobuchon /World Athletics

Duell unter Freunden

Wie der US-Amerikaner trainiert auch der Deutsche im Trainingscamp von On unter der Leitung von Dathan Ritzenheim in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Die beiden kennen sich aus unzähligen gemeinsamen Trainingsläufen und teilten sich in Kopenhagen auch eine Unterkunft. Daher kannte Farken auch Nuguses Renntaktik und wusste bestens, was auf ihn zukommen sollte.

Nuguse ging von Schritt eins weg ein hohes Tempo und ignorierte die Konkurrenz förmlich, um sein Tempodiktat durchzuziehen. Doch der Olympia-Dritte von Paris 2024 im 1.500m-Lauf und sechsfache Sieger von Diamond-League-Rennen, konnte seine Rivalen nicht abschütteln. Im Schlussspurt hatte Farken das bessere Ende für sich und feierte in 3:51,80 Minuten den mit Abstand größten Erfolg seiner bisherigen Karriere. Eine Genugtuung nach einer Saison, die für den WM-Sechsten von Tokio 2025 nicht nach Wunsch lief – u.a. war Platz neun bei den Europameisterschaften keine Erfolgsmeldung wert: „Es war eine Art Achterbahn-Saison für mich. Ich hatte gute Rennen, aber auch schlechte. Nun konnte ich die Saison mit einem Hoch beenden.“ Einen Tag vor seinem 29. Geburtstag.

Fruchtender Wechsel über den Großen Teich

Der aus Leipzig stammende Mittelstreckenspezialist, der ein Faible für Mode und Design hat und Kaffeeliebhaber ist, trat vor vier Jahren dem damals neu gegründeten On Athletics Club Europe bei und konnte damit weiterhin unter Thomas Dreißigacker trainieren, der davor am Bundesstützpunkt in Farkens Heimatstadt gearbeitet hatte. Nach den Olympischen Spielen 2024 erfolgte auf eigenen Wunsch von Europa nach Nordamerika in den On Athletics Club in die Rocky Mountains.

Diese Veränderung verursachte einen Boost in seinen Leistungen, 2025 erreichte der Deutsche persönliche Bestleistungen auf allen Distanzen, 2026 folgte der nächste Entwicklungsschritt, der nun mit dem WM-Titel von Kopenhagen das Sahnehäubchen erfuhr. Feiern darf er das Ereignis nun im Urlaub – Farken bleibt noch einige Tage in Dänemark.

Ergebnis Straßenmeile der Männer, Straßenlauf-WM 2026
Gold: Robert Farben (Deutschland) 3:51,80 Minuten
Silber: Yared Nuguse (USA) 3:52,33 Minuten
Bronze: Ruben Querinjean (Luxemburg) 3:52,77 Minuten

 
4. Anass Essayi (Marokko) 3:53,28 Minuten
5. Flavien Szot (Frankreich) 3:53,44 Minuten
6. Oliver Hoare (Australien) 3:53,65 Minuten
7. Pietro Arese (Italien) 3:54,37 Minuten
8. Vincenti Ciattei (USA) 3:54,62 Minuten
9. Jude Thomas (Australien) 3:54,92 Minuten
10. Tsehpo Tshite (Südafrika) 3:55,66 Minuten

Historische Medaille für Luxemburg

Nuguse zeigte sich mit der Silbermedaille zufrieden, auch wenn er zugeben musste, dass seine Rennstrategie nicht wie geplant aufging. „Robert hat einen tollen Job gemacht. So ist’s, wie es ist. Ich wollte in meinem letzten Saisonrennen noch einmal alles hinaushauen, das ist mir gelungen. Daher bin ich glücklich“, so der Amerikaner, der die Saisonpause für Trips nach Kanada und Japan nutzen will. Kurioserweise gewannen die Amerikaner die Mixed-Wertung mit den Positionen zwei, zehn, zehn und elf vor Australien und Kenia.

Für eine zweite Sensation des Rennens sorgte Ruben Querinjean, der in einer Zeit von 3:52,77 Minuten die erste globale Leichtathletik-Medaille eines männlichen Leichtathleten des Fürstentums seit der Olympia-Goldmedaille von Josy Barthel im 1.500m-Lauf im fernen Jahr 1952 holte. Der 24-Jährige staunte selbst nicht schlecht: „Ich wusste, dass ich gut bin. Aber so gut? Ich hätte nie eine Medaille erwartet, eigentlich war ich hier, um zu lernen.“

Shootingstar in Hindernis-Szene

Der in Belgien geborene, luxemburgisch-belgische Doppelstaatsbürger ist einer der Aufsteiger der Saison im 3.000m-Hindernislauf und liegt auf Rang acht der Weltrangliste. Ziemlich genau vor einem Jahr setzte er mit einem Überraschungssieg im Rahmen der Diamond League in Brüssel in seiner Spezialdisziplin erstmals ein internationales Ausrufezeichen. Wenige Wochen später wurde der amtierende Studenten-Weltmeister – Querinjean studiert Physiotherapie an der Universität im belgischen Lüttich – WM-Zehnter in Tokio.

Heuer glänzte der hoch aufgeschossene Athlet in der ersten Saisonhälfte nicht unbedingt, stürmte aber in Birmingham zur Silbermedaille hinter dem Deutschen Frederik Ruppert. Nur Tage später pulverisierte er in Chorzow seinen luxemburgischen Rekord und zählt mit einer Zeit von 8:05,36 Minuten nun zu den schnellsten europäischen 3.000m-Hindernisläufern der Geschichte.

Dass er aber auf der Meile ein derartig hohes Niveau haben würde, kann man aus seinen bisherigen 1.500m-Leistungen nicht ablesen – wobei die letzte ernstzunehmende halt auch 14 Monate alt ist.

Triumph für Nachwuchstalent Seare

Europas Laufszene erwartete und erhoffte ein großes Duell zwischen Jimmy Gressier und Jakob Ingebrigtsen um dem WM-Titel im 5km-Straßenlauf. Nachdem der Franzose früh Probleme bekundete, mit der Spitzengruppe mitzugehen, schien der Weg für den Norweger, zuletzt Sieger beim World Athletics Ultimate Championship im 5.000m-Lauf, frei. Doch dann verhinderte Dawit Seare den Triumph des Norwegers und setzte sich in einer Zeit von 12:56 Minuten doch deutlich mit drei Sekunden Vorsprung auf Ingebrigtsen durch. Es ist ein neuer eritreischer Rekord.

Der amtierende Afrikameister im 5.000m-Lauf feierte in Kopenhagen seinen mit Abstand größten Erfolg bisher. „Ich bin sehr sehr glücklich, weil ich mich jetzt zwei Monate lang wirklich spezifisch auf diesen Wettkampf vorbereitet habe. Es war ein schwieriges Rennen gegen Ingebrigtsen, aber am Ende war ich der Bessere und darüber bin ich sehr glücklich“, so Seare.

Bereits vor drei Jahren überzeugte der heute 21-Jährige bei der Straßenlauf-WM mit Rang vier in dieser Disziplin, einen so hochqualitativen Wettkampf wie am Samstag hat der Eritreer bisher aber noch nie absolviert. Seare ist in der Hauptstadt Asmara aufgewachsen und wollte eigentlich Fußballer werden, ehe sein Talent für Langstreckenlauf erkannt wurde.

© Gaelle Mobuchon /World Athletics

Erschöpftes Geburtstagskind

In einem schnellen Rennen mit etlichen Landesrekorden und zwei Kontinentalrekorden für Ozeanien und Nordamerika enttäuschte Ingebrigtsen keinesfalls und erreichte eine ähnliche Zeit wie letztes Wochenende auf der Bahn von Budapest. 12:59 Minuten bedeutet einen neuen norwegischen Landesrekord. Am Tag seines 26. Geburtstags genoss der Norweger als Skandinavier die Gunst des Publikums, welches entlang der Laufstrecke durch die dänische Hauptstadt für grandiose Stimmung sorgte.

„Die Medaille ist ein Traum, ich bin sehr glücklich darüber. Dadurch, dass ich so viel von der Saison aufgrund meiner Operation verpasst habe, ist dieser Erfolg wirklich erstaunlich“, so Ingebrigtsen, der sich hinter der Ziellinie völlig erschöpft zu Boden fallen ließ. Der zweifache Olympiasieger gab sich aber auch selbstkritisch: „Wahrscheinlich hab ich den Spurt zu früh angezogen. Ich hatte gehofft, dass die anderen etwas eingehen würden.“

Saymon Amanuel steuerte mit Rang drei in 13:00 Minuten eine zweite Medaille für Eritrea hinzu und verhinderte damit eine Medaille für Australien. Ky Robinson, bei internationalen Meisterschaftsrennen regelmäßig im Kampf um Top-Positionen dabei, verpasste als Vierter trotz eines Ozeanienrekords Edelmetall knapp.

Enttäuschender Gressier

Keine Chance auf eine Medaille hatte Europarekordhalter Jimmy Gressier, der mit Landsmann Flavien Szot einen inoffiziellen Tempomacher dabei hatte. Der 29-Jährige, der öffentlich eine Medaille als Ziel ausgegeben hatte, musste sich in einer Zeit von 13:17 Minuten mit Platz 14 zufrieden geben. Es war nicht die erste Enttäuschung für den 29-jährigen in der laufenden Saison, der ersten seit seinem Sensationscoup von Tokio, wo er Weltmeister im 10.000m-Lauf wurde. In Birmingham wurde er im 5.000m-Lauf enttäuschender EM-Vierter und rettete über die doppelte Distanz immerhin Bronze, wobei er von Sieger Andreas Almgren als amtierender Weltmeister freilich ziemlich düpiert wurde.

Ergebnis 5km-Straßenlauf der Männer, Straßenlauf-WM 2026
Gold: Dawit Seare (Eritrea) 12:56 Minuten
Silber: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) 12:59 Minuten
Bronze: Saymon Amanuel (Eritrea) 13:00 Minuten

 
4. Ky Robinson (Australien) 13:04 Minuten
5. Keneth Kiprop (Uganda) 13:04 Minuten
6. Addisu Yihune (Äthiopien) 13:07 Minuten
7. Mezgebu Sime (Äthiopien) 13:08 Minuten
8. Mathew Kipsang (Kenia) 13:11 Minuten
9. Egide Ntakarutimana (Burundi) 13:12 Minuten
10. Maxime Chameton (Südafrika) 13:13 Minuten
11. Andrew Hunter (USA) 13:14 Minuten
12. Mike Foppen (Niederlande) 13:15 Minuten
13. Charles Kiboino (Kenia) 13:15 Minjuten
14. Jimmy Gressier (Frankreich) 13:17 Minuten
15. Narve Gilje Nordas (Norwegen) 13:17 Minuten
16. Darrah McElhinney (Irland) 13:22 Minuten
17. Dylan Jacobs (USA) 13:24 Minuten
18. Dominic Lobalu (Schweiz) 13:29 Minuten
19. Arturs Niklavs Medveds (Lettland) 13:30 Minuten
20. Elie Sindayikengdera (Burundi) 13:31 Minuten

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Gaelle Mobuchon /World Athletics

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