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Es war nicht Suzukis Leistung alleine, der sich bei der Versorgungsstation bei Kilometer 36 mit einer Attacke aus dem Staub machte und auf den letzten sechs Kilometern noch eine Lücke von eineinhalb Minuten auf den zweitplatzierten Hidekazu Hijikata und den drittplatzierten Kyohei Hosoya aufriss, der diese 76. Ausgabe des Lake Biwa Mainichi Marathon zum Herausragenden der Eventgeschichte machte. 16 Läufer, darunter 15 Japaner, unterboten die Marke von 2:08 Stunden, so viele Läufer wie noch nie, nämlich 42, darunter 40 (!) Japaner, die Marke von 2:10 Stunden. Eine Schranke, die in Österreich beispielsweise noch nie ein Marathonläufer unterboten hat. Die Top-15 markierten allesamt persönliche Bestleistungen im Marathon. Die Dichte ist unheimlich: Der Schnellste laut Meldeliste, Ryu Takaku musste sich mit Rang 17 zufrieden geben, der designierte Sieger des Fukuoka Marathon 2019, Taku Fujimoto musste mit Position 39 Vorlieb nehmen, obwohl er den drittschnellsten Marathon seiner Karriere fabrizierte.
Kengo Suzukis Halbmarathon-Splits: 1:02:36 / 1:02:20 Stunden
Kengo Suzukis 5km-Teilzeiten: 14:53 / 14:53 / 14:46 / 14:49 / 14:48 / 14:50 / 15:02 / 14:39 / 6:16 (2,195 km) Minuten
Optimale äußere Rahmbedingungen mit 7°C, fast Windstille und einer Luftfeuchtigkeit von 57% ermöglichten eine geplante Tempojagd auf den japanischen Rekord von Osako (2:05:29). Wie fast immer bei japanischen Topmarathons wurden hervorragende Tempomacher eingesetzt, darunter der in Japan lebende Keniaer James Rungaru. Eine Gruppe von rund 30 Läufern ging das hohe Angangstempo mit. Erst kurz vor der Zwischenzeit beim Halbmarathon teilte sich die große Spitzengruppe. 19 Läufer passierten die Zwischenzeit in einer Zeit von 1:02:35 Stunden, zwei Läufer folgten knapp dahinter. Mit einem Rückstand von rund 45 Sekunden hatte sich eine Gruppe mit 55 Läufern in der Verfolgung gebildet, mit einigen, die knapp aus dieser Gruppe zurückgefallen sind. Um es noch einmal zu betonen: Über 65 Läufer absolvierten die erste Marathon-Hälfte am Lake Biwa in unter 1:03:30 Stunden! Nirgends in der Laufwelt außerhalb der ostafrikanischen Hochburgen ist der neue Marathon-Trend hin zu einer unheimlichen Breite an Spitzenleistungen im Marathon so gut erkennbar wie in Japan. 2020 beim Tokio Marathon waren es zehn Japaner unter 2:08 Stunden, beim Lake Biwa Mainichi Marathon 2021 15 – Rekord! Nicht wenige argumentieren diese Entwicklung mit den Innovationen bei den Laufschuhen.
Die Tempojagd ging weiter, ehe – klassischerweise – nach dem Ausstieg der Tempomacher bei Kilometer 30 an der Spitze die langsamste Rennphase mit dem einzigen Abschnitt mit einem Kilometerdurchschnitt von ganz knapp über drei Minuten folgte. Sechs Läufer befanden sich zu diesem Zeitpunkt an der Spitze des Rennens, die allmählich leicht zersplitterte. Bei der Zwischenzeit bei Kilometer 35 führte der Kenianer Simon Keriuki das Rennen an, Suzuki und Hijikata blieben im direkten Windschatten. Bei Kilometer 36 fiel die Entscheidung, zu einem Zeitpunkt, als der japanische Rekord drohte, aus den Augen verloren zu werden. Genau in jenem Augenblick, als Keriuki zur Trinkflasche griff, beschleunigte Suzuki, der auf seinen Drink verzichtete, abrupt und ehe der Kenianer seinen Blick wieder nach vorne richten konnte, war eine Lücke von mehreren Metern entstanden. Der in Japan lebende Laufsportjournalist Brett Larner bezeichnete den Move in seinem Bericht auf „JapanRunningNews“ als „vorbildlich“ und „brillant“. Wie entfesselt jagte Suzuki nun Richtung Ziel, bei Kilometer 40 hatte er fast eine Minute Vorsprung auf Hijikata. Es war Suzukis schnellste Rennphase bisher. Der Rekord war plötzlich wieder zum Greifen nahe und realisierte sich, auch aufgrund eines irren Finals. 6:16 Minuten für die letzten 2,195 Kilometer ist überragend – 2:04:56 Stunden, 1:17 Minuten schneller als der Streckenrekord von Wilson Kipsang aus der Zeit, bevor dieser Weltrekordläufer wurde. Der unerfahrene, weil 23-jährige Hijikata vollendete ein aus seiner Sicht ebenfalls grandioses Rennen mit exakt eineinhalb Minuten Rückstand und verzeichnete eine Steigerung von 3:24 Minuten zu seinem Marathon-Debüt in Tokio 2020. Für einen Mann, der im Halbmarathon noch nie unter 1:02 Stunden gelaufen ist, eine beachtliche Leistung.
Viel länger hätte der Lake Biwa Marathon nicht dauern dürfen, sonst hätte er Rang zwei noch verloren. Kyohei Hosoya, der bei Kilometer 30 1:03 und bei Kilometer 35 genau eine Minute hinter Hijikata gelegen war, kam bis auf neun Sekunden an ihn ran. 2:06:35 Stunden, das bedeutete die dritte Sensation des Tages. Der 25-Jährige, der sich vor zwei Wochen mit einem Halbmarathon von 1:01:16 Stunden in Yamaguchi „aufgewärmt“ hat, bestritt seinen ersten ernsthaften Marathonlauf, der ihn gleich auf Rang sieben der ewigen japanischen Bestenliste führt. Hosoya orientierte sich in die zweite Gruppe, bei Kilometer 30 lagen – Tempomacher herausgerechnet – noch zwölf Läufer vor dieser Gruppe. Doch dann schlug die Stunde von Hosoya, der als einziger das Tempoo der ersten Hälfte gnadenlos weiterverfolgen konnte. Bei Kilometer 35 lag er auf Rang neun, bei Kilometer 40 auf Position sechs mit direktem Kontakt zu seinen Vorderleuten. Die letzten beiden Kilometer waren von Überholmanövern geprägt, nur Sieger Suzuki hatte ein besseres Finale.
Kyohei Hosoyas Halbmarathon-Splits: 1:03:21 / 1:03:14 Stunden
Kyohei Hosoyas 5km-Teilzeiten: 15:04 / 14:58 / 15:02 / 15:01 / 14:52 / 15:05 / 14:59 / 15:03 / 6:31 (2,195 km) Minuten
In den Top-Ten, wo sich viele jüngere Läufer platzierten, waren vier Leistungssprünge im gigantischen Bereich – jene der Top-Drei und von Syuho Dairokuno, alle weiteren Bestleistungen spielten sich überwiegend im Bereich von rund einer halben Minute oder geringer ab, darunter Routinier Hiroto Inoue als Vierter und der japanische Halbmarathon-Rekordhalter Yusuke Ogura, der in 2:06:51 Stunden als Fünfter ins Ziel kam. Der größte Leistungssprung abgesehen von Hosoya ging auf das Konto des elftplatzierten Kazuki Muramoto, nämlich um rund zehn Minuten. Masaki Sakuda produzierte auf Rang 14 in 2:07:42 Stunden das schnellste Marathon-Debüt eines Japaners überhaupt. Unter den zahlreichen Läufern, die vom hohen Tempo profitierten, war auch Yuki Kawauchi, der ehemalige Boston-Sieger und populäre „Citizen Runner“, um den es in letzter Zeit relativ ruhig geworden ist und das kurioserweise, seitdem er als Profi arbeitet. In einer Endzeit von 2:07:27 Stunden verbesserte der 33-Jährige seine nun schon acht Jahre alte Bestleistung um 47 Sekunden. Es war seine 14. Zeit unter 2:10 Stunden, die erste seit dem Lake Biwa Marathon 2019.
Beim Lake Biwa Mainichi Marathon, traditionell ein reiner Elitelauf nur für die Männer, gingen 369 Läufer an den Start, 335 erreichten das Ziel. Startberechtigt waren lediglich japanische Läufer und Marathonläufer, die in Japan leben. Es war die letzte Ausgabe dieses Eliterennens, das nach den Olympischen Spielen von Tokio 1964 an den Lake Biwa kam und vor den zweiten Olympischen Spielen von Tokio nun nach Osaka wechselt. Angesichts der Unmöglichkeit internationaler Teilnehmer hätte er nicht hochklassiger sein können.
1. Kengo Suzuki (JPN) 2:04:56 Stunden *
2. Hidekazu Hijikata (JPN) 2:06:26 Stunden **
3. Kyohei Hosoya (JPN) 2:06:35 Stunden **
4. Hiroto Inoue (JPN) 2:06:47 Stunden **
5. Yusuke Ogura (JPN) 2:06:51 Stunden **
6. Syuho Dairokuno (JPN) 2:07:12 Stunden **
7. Simon Keriuki (KEN) 2:07:18 Stunden **
8. Masato Kikuchi (JPN) 2:07:20 Stunden **
9. Kento Kikutani (JPN) 2:07:26 Stunden **
10. Yuki Kawauchi (JPN) 2:07:27 Stunden **
11. Kazuki Muramoto (JPN) 2:07:36 Stunden **
12. Masaru Aoki (JPN) 2:07:40 Stunden **
13. Tsubasa Ichiyama (JPN) 2:07:41 Stunden **
14. Masaki Sakuda (JPN) 2:07:42 Stunden ***
15. Atsumi Ashiwa (JPN) 2:07:54 Stunden ***
16. Yuta Shimoda (JPN) 2:08:00 Stunden
17. Ryu Takaku (JPN) 2:08:05 Stunden
18. Ichitaka Yamashita (JPN) 2:08:10 Stunden ***
19. Kenya Sonota (JPN) 2:08:11 Stunden **
20. Kenta Uchida (JPN) 2:08:12 Stunden **
* neuer japanischer Marathon-Rekord
** neue persönliche Bestleistung
*** Marathon-Debüt
Lake Biwa Mainichi Marathon