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In seiner ersten Reaktion nach dem Rennen, veröffentlicht auf der Website der Wanda Diamond League, schimmerte die Besonderheit seiner Leistung kaum durch. Er sei glücklich, gewonnen zu haben, sagte Mohamed Katir. Und, es war regnerisch. In der Nässe von Gateshead gelang dem Spanier, der in Marokko geboren und als Fünffjähriger Anfang des laufenden Jahrtausends als Bootsflüchtling in Südspanien angekommen ist, ein außergewöhnlicher Triumph. Er ist der erst zweite Europäer nach der lebenden Langstreckenlegende Mo Farah, der jemals ein Diamond-League-Rennen im 5.000m-Lauf gewinnen konnte. Es ist der vorläufige Höhepunkt der Karriere des 23-Jährigen, die 2021 abrupt, aber enorm Schwung aufgenommen hat.
Vier Jahre lang musste Katir, der mit vollem Namen Mohamed Katir El Haouzi heißt, nach seinem Antrag auf die spanische Staatsbürgerschaft warten, sie kam zu spät für die Hallen-EM 2019, die er als frisch gebackener spanischer Meister im 3.000m-Lauf in Angriff nehmen wollte. Seine Leistungen stagnierten, der Durchbruch gelang weder in seinem ersten noch im zweiten Jahr als Spanier.
Doch dann kam 2021 und Katir legte seinen Fokus auf die Hallensaison im 3.000m-Lauf. Klare persönliche Bestleistungen und Rang vier bei der Hallen-EM in Torun, wo er einen Vorlauf gewonnen hatte, waren der erste Ertrag. In Nerja pulverisierte er vor zwei Wochen seine 1.500m-Bestleistung und stellte sie auf eine Zeit von 3:33,62 Minuten. In Gateshead folgte sein erster 5.000m-Lauf seit fast drei Jahren und die Sensation. Der im Vergleich zu den kleinen Afrikanern hochgewachsene Katir folgte seinen Rivalen auf Schritt und Tritt und wartete geduldig auf seine Chance, als der klare Favorit Nicholas Kimeli die Führung übernahm. Eingangs der letzten Runde setzte der Spanier, dessen Bestleistung zwar nicht repräsentativ für seine Leistungsfähigkeit war, aber um eine ganze Minute schlechter als jene von Kenias aktueller Nummer eins in dieser Disziplin, zum Konter an und zog auf der Zielgerade entscheidend davon. Seine Siegerzeit: 13:08,52 Minuten, Premierensieg auf höchster Ebene und Olympia-Limit in der Tasche. Es ist eine enorme Leistung angesichts der Bedingungen. Nicht nur Kimeli konnte als Zweiter nur staunen.
Der Schweizer Jonas Raess markierte in einer Zeit von 13:22,92 Minuten eine Saisonbestleistung und wurde Fünfter vor Andrew Butchart. Der Lokalmatador ärgerte sich über seine Leistung, lenkte den Fokus aber auf etwas Wesentliches: „Das Beste war das Publikum. Es ist großartig, dass es zurück ist. Das macht den Unterschied im Erlebnis, es ist ein viel größeres Vergnügen zu laufen.“ 2.000 Zuschauer und ebenso viele Regenschirme durften ins Stadion.
Mit Spannung war der 1.500m-Lauf erwartet worden, in dem Jakob Ingebrigtsen bei der Ambition, sein zweites Diamond-League-Rennen zu gewinnen von zwei Australiern herausgefordert wurde. In Abwesenheit von Timothy Cheruiyot, den der Norweger noch nie besiegen konnte, standen die Zeichen gut, doch erst einmal gab Stewart McSweyn den Takt vor und setzte sich vor dem Europameister hinter die beiden Tempomacher. Ingebrigtsen übernahm in Runde drei die Führung und sorgte für die langsamste Rennphase. Aber der 20-Jährige, der in dieser Hallensaison in Liévin einen Hallen-Europarekord gelaufen ist, kontrollierte die Restphase des Rennens und lief in einer Zeit von 3:36,27 Minuten, bei suboptimalen Bedingungen mit für die Jahreszeit empfindlich kühlen Temperaturen, leichten Regen und Wind, als Sieger ins Ziel. „Das ist das Standardwetter an der norwegischen Westküste“, scherzte der Sieger im Ziel. „Aber es ist ziemlich tricky, bei diesen Bedingungen schnell zu laufen.“ Das Duell der beiden Australier entschied Oliver Hoare rund 220 Metern vor dem Ziel mit einem Überholmanöver für sich und beendete sein erstes Diamond-League-Rennen auf Rang zwei. „Für mich war das eine tolle Erfahrung, erstens mit solch talentierten Läufern in einem Rennen zu sein und zweitens in Kopf-an-Kopf-Rennen involviert zu sein“, zog der 24-Jährige ein positives Fazit, nachdem er bisher in den USA alle Rennen von vorne gewonnen hatte.
Ob Stewart McSweyn geschmeckt hat, dass er sich hinter einem Landsmann einordnen musste, ist nicht überliefert. Dass drei Australier in einem Diamond-League-Rennen unter den Top-Fünf landeten, dafür rekordverdächtig. „Darauf sollten wir besonders stolz sein“, meinte Hoare. Übrigens keine Rolle spielte der Weltjahresschnellste Adam Ali Musab aus dem Katar, der nur Achter wurde. Elf Sekunden langsamer als seine Weltjahresbestleistung.
Das letzte Rennen des Sonntagabends war jenes von Laura Muir. Auf der mittlerweile pitschnassen Laufbahn entwickelte sich auch hier kein rasend schneller Wettkampf. „Heute ging es nicht um schnelle Zeiten, es ging darum, dieses Rennen vor dem heimischen Publikum zu gewinnen“, zeigte sie sich mit dem Rennen zufrieden. „Ich fühlte mich in der Schlussrunde stark.“ Genau darauf hat sich die Schottin konzentriert, nämlich die letzte Runde zu dominieren und das tat sie auf eindrucksvolle Art und Weise. Dank einer Schlussrunde von 1:02,34 Minuten siegte die 28-Jährige in einer Zeit von 4:03,73 Minuten mit exakt vier Sekunden Vorsprung auf die Marokkanerin Rababe Arafi, die ihrerseits wiederum klare Zweitplatzierte vor Katie Snowden wurde.
Während die Siege von Ingebrigtsen und insbesondere Muir den Erwartungen entsprachen, sorgte der US-Amerikaner Hillary Bor für die zweite historische Laufleistung des Diamond-League-Saisonauftakts. Als zweiter US-Amerikaner nach Evan Jager gewann er ein Diamond-League-Rennen und er tat dies mit einem beeindruckenden Finale, als er dem Kenianer Leonard Bett davon lief. Obwohl zu Meetingbeginn die Laufbahn noch nicht so nass war, entwickelte sich ein Rennen mit einem langsamen ersten Kilometer. Erst allmählich kam etwas Tempo in den Wettkampf, erst in den letzten beiden Runden wurde richtig beschleunigt. Als der Kenianer den letzten Wassergraben unsauber nahm, war das Rennen vorentschieden. Bor, der bereits mitten auf der Zielgerade zum Jubeln begann und laut „Let’s Run.com“ als erster von HOKA ONE-Athlet jemals ein Diamond-League-Rennen gewann, siegte in einer Zeit von 8:30,20 Minuten vor Bett und dem Franzosen Djilali Bedrani.
Der angekündigte Topfavorit Soufiane El Bakkali verpasste den Auftakt der lukrativsten Meetingserie der Welt aufgrund von Problemen bei der Anreise.
5.000m-Lauf der Männer
3.000m-Hindernislauf der Männer
1.500m-Lauf der Männer
1.500m-Lauf der Frauen
* neue persönliche Bestleistung