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Sieben Jahre Sperre für Dopingsünder Cherono

Lawrence Cherono zählte zu den besten Marathonläufern der Welt. Nun ist er für eine rekordverdächtige Zeitspanne zum Zuschauen verdammt.
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Die Karriere des Marathonläufers Lawrence Cherono hat wohl ein unrühmliches Finale gefunden. Der Ende des letzten Jahrzehntes zu den besten Marathonläufern der Welt zählende Kenianer wurde von der Athletics Integrity Unit für sieben Jahre gesperrt, unter anderem, weil er seinen Betrug zu vertuschen versuchte.

Unmittelbar vor den Weltmeisterschaften 2022 in Eugene, wo er Kenia vertreten hätte sollen, kam der Dopingfall Lawrence Cherono ans Licht. Der damals 33-Jährige wurde umgehend suspendiert und verlor sein Startrecht beim damaligen Saison-Höhepunkt der Leichtathletik. Fast genau zwei Jahre später liegen einige Fakten der Ermittlungen auf dem Tisch – und vor allem das drastische Urteil. Die Athletics Integrity Unit (AIU) sperrte Cherono mit rückwirkendem Beginn ab 16. Juli 2022 für sieben Jahre bis einschließlich 15. Juli 2029. Dann wäre der Kenianer fast 41 Jahre alt.

Manipulationsversuche

Die drastische Länge der Sperre ergründet sich nicht nur in der Tatsache, dass in seiner bei einer so genannten Out-of-competition-Kontrolle in Kaptagat entnommenen Probe die laut Anti-Doping-Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verbotene Substanz Trimetazidin, ein Medikament gegen Herzerkrankungen, das die Ausdauerleistungen verbessern kann, weil es die Sauerstoffverwertung in der Muskulatur optimieren kann, entdeckt wurde. Sie ergründet sich auch im missglückten Versuch, die Ermittlungen mit falschen Darstellungen und gefälschten ärztlichen Zertifikaten zu manipulieren. „Diese Entscheidung zeugt von den unermüdlichen und beharrlichen Bemühungen der AIU bei der Dopingermittlungen“, begründete AIU-Direktor Brett Clothier die hohe Strafe. Sie sei ein starkes Signal an Betrüger*innen: „Die AIU wird keine Mühen scheuen, ihren Auftrag zu erfüllen.“

Ursprünglich hatte Cherono eine vierjährige Sperre aufgebrummt bekommen, der nach neueren Erkenntnissen vier weitere Jahre hinzugefügt wurden. Die einjährige Reduktion kam zustande, weil der Kenianer sein Vergehen mittlerweile zugegeben und die Sanktion akzeptiert hat.

Trimetazidin hat im Spitzensport übrigens eine beachtliche Berühmtheit erlangt. Erst vor kurzem schlug der Freispruch 23 chinesischer Schwimmer hohe Wellen in der Sportberichterstattung, die vor den Olympischen Spielen 2021 in Tokio positiv auf diese Substanz getestet wurden. Langatmig war auch der Fall des russischen Eiskunstlauf-Rohdiamanten Kamila Walijewa, die zur tragischen Figur der Olympischen Wettkämpfe von Peking 2022 wurde und mittlerweile eine vierjährige Sperre absitzt.

Eine Serie großer Siege

Cheronos Heldendaten von vor einigen Jahren sind von der Sanktion nicht betroffen, erscheinen heute freilich in einem anderen Licht. 2020 lief er in Valencia seine Bestzeit von 2:03:04 Stunden. Zweimal gewann er den Amsterdam Marathon. International richtig bekannt machte ihn jedoch die Saison 2019, als er den Boston Marathon und den Chicago Marathon gewann – jeweils im spannenden Endspurt. Bei den Olympischen Spielen 2021 von Sapporo zählte der Kenianer im Sog seines berühmten Landsmanns Eliud Kipchoge zu den Medaillenkandidaten, musste sich aber im Endspurt um Silber den europäischen Trainingspartnern Abdi Nageeye und Bashir Abdi knapp geschlagen geben.

Kipyego droht zweijährige Sperre

Ein aktuellerer Dopingfall aus Kenia betrifft den Marathonläufer Reuben Kipyego, der aufgrund drei verpasster Dopingtests binnen zwölf Monaten provisorisch suspendiert ist. Ihm droht nun eine zweijährige Sperre, das übliche Maß für ein solches Vergehen. Kipyego lief 2021 in einer Zeit unter 2:04 Stunden zum Sieg beim Mailand Marathon und hat außerdem den Abu Dhabi Marathon 2019 gewonnen. Sein letztes Wettkampfresultat ist bereits zwei Jahre alt.

Whereabout failure

Um für unangekündigte Dopingkontrollen für nationale und internationale Dopingjäger lokalisierbar zu sein, müssen Athlet*innen, die entsprechenden Testing Pools angehören, ziemlich detailreich ihre Aufenthaltsorte in ein System eintragen. Unter anderem ist ein tägliches, 60-minütiges Zeitfenster für Verfügbarkeit von Dopingkontrollen Pflicht. Treffen Dopingkontrolleure Athlet*innen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt am angegebenen Ort an, erhalten sie einen so genannten „Whereabout failure“. Drei solche Vergehen binnen zwölf Monaten werden mit einer Dopingsperre sanktioniert.

Keine Olympischen Spiele für Frère

Wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Paris gibt es auch einen prominenten Dopingfall im europäischen Marathonlauf. Mehdi Frère wurde von Disziplinartribunal des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) für zwei Jahre gesperrt und verpasst damit seinen Karriere-Höhepunkt vor heimischem Publikum. Auch der 27-jährige Franzose hat binnen zwölf Monate drei Dopingkontrollen verpasst bzw. war von den Dopingjägern nicht zum angegebenen Zeitpunkt am im ADAMS-System der WADA eingetragenen Ort auffindbar. Frères Anwalt hat einen Einspruch beim Obersten Internationalen Gerichtshof (CAS) angekündigt. Aufgrund der provisorischen Sperre konnte der Franzose auch bereits an den Europameisterschaften nicht teilnehmen. Felix Bour wäre sein logischer Ersatz im Olympischen Marathonteam der Franzosen.

Frère, ein französischer Läufer marokkanischer Abstammung, steigerte seine Marathon-Bestleistung beim Valencia Marathon 2023 um sensationelle drei Minuten auf eine Zeit von 2:05:43 Stunden, womit er nicht nur das Olympia-Limit knackte, sondern nahe an den französischen Rekord von Morhad Amdouni heranlief. Bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften Ende März 2024 kam er auf Platz 20 ins Ziel und zählte zu den besten Europäern. Es war sein bisher letzter Wettkampf-Auftritt, der bereits nach dem dritten so genannten „Whereabout failure“ zustande kam.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Ausschnitt aus dem Olympischen Marathon 2021 in Sapporo, den Lawrence Cherono auf dem vierten Platz beendet hat.

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