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Sifan Hassan pulverisiert Europarekord im 10.000m-Lauf
Eigentlich schien die Leichtathletik-Saison bereits beendet. Doch mit dem kurzfristig ins Leben gerufenen Meeting „FBK After Summer Competition Track & Field in Hengelo“ verlängerte die Agentur Global Sports Communication das Wettkampfjahr um ein besonderes Kapitel und gab Sifan Hassan die…
Eigentlich schien die Leichtathletik-Saison bereits beendet. Doch mit dem kurzfristig ins Leben gerufenen Meeting „FBK After Summer Competition Track & Field in Hengelo“ verlängerte die Agentur Global Sports Communication das Wettkampfjahr um ein besonderes Kapitel und gab Sifan Hassan die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Mit einer unglaublichen Show lief die Holländerin als erste Europäerin in einem 10.000m-Lauf unter 30 Minuten und verbesserte den alten Europarekord der Britin Paula Radcliffe aus dem Jahr 2002 um 25 Sekunden auf eine Zeit von 29:36,67 Minuten. Die 27-Jährige ist nun die Nummer vier der ewigen Bestenliste des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) unmittelbar vor Tirunesh Dibaba. Trotz der überragenden Leistung sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Hassan eigentlich den Weltrekord von Almaz Ayana (29:17,45), aufgestellt im unglaublichen Olympischen Rennen von Rio 2016, angreifen wollte. Doch wie das Motto des Meetings bereits aussagt: Der Leichtathletik-Sommer 2020 war eigentlich schon beendet. Eine glitschnasse Laufbahn, dauerhafter Nieselregen und Temperaturen im einstelligen Plusbereich erschwerten die Aufgabe Hassans enorm – umso beeindruckender der Output, nicht einmal 20 Sekunden unter dem Weltrekord.
(Europa-)Meisterin aller Klassen
Hassans Auftritt in Hengelo war nicht der erste erstaunliche ihrer Karriere. Dass die amtierende Weltmeisterin mit äthiopischer Herkunft, ausgestattet mit einer läuferischen Sonderklasse, den Europarekord im 10.000m-Lauf verbessert, ist nicht die allergrößte Sensation. Was sie von vielen Weltklassekolleginnen abhebt, ist eine außergewöhnliche Palette an Ausnahmefähigkeiten. Hassan hält aktuell den Europarekord im Halbmarathon (1:05:45), im 10.000m-Lauf (29:36,67), im 5.000m-Lauf (14:22,12), im 3.000m-Lauf (8:18,49) und im 1.500m-Lauf (3:51,95) sowie den Weltrekord über die Meile (4:12,33). Die Bestleistung auf der kürzesten Laufdistanz, über 800m von 1:56,81 Minuten ist auch nicht von schlechten Eltern und eine der schnellsten europäischen Leistungen über diese Distanz im aktuellen Jahrtausend. Was zur Vollkommenheit dieser beeindruckenden Leistung noch fehlt, wäre eine Marathonleistung. Die wird in Zukunft kommen, der Umstieg könnte nach den Olympischen Spielen von Tokio bereits passieren.
Weightman gibt Gas
Eine Tempomacherin hatte Sifan Hassan im Regen von Hengelo zur Verfügung und die leistete einen grandiosen Job. Laura Weightman schlug vom ersten Moment ein ausgeglichenes, hohes Tempo an. Die ersten neun Runden der insgesamt 25 absolvierte die Engländerin mit Hassan im Windschatten jeweils in 70 Sekunden. Kurz nach den ersten Überrundungen des Rennens – Tsegay Gemechu konnte das Tempo als einzige Verfolgerin Hassans bereits nach knapp zwei Kilometern nicht mehr halten – stieg Weightman nach dreieinhalb Kilometern aus und Hassan, die zu diesem Zeitpunkt deutlich vor den roten Neonlichtern an der Innenkante der Bahn lag, die die Marschroute vorgaben, machte in diesem Augenblick möglicherweise einen taktischen Fehler. Sie beschleunigte und absolvierte die abgesehen von der Schlussrunde drei schnellsten Runden des Rennens. Die Durchgangszeit von 14:37 Minuten bei halber Distanz, nur 15 Sekunden über ihrem Europarekord im 5.000m-Lauf, zeugt vom irren Tempo.
Sifan Hassans Rundenzeiten 1:10,86 – 1:10,30 – 1:10,52 – 1:10,48 – 1:10,46 (= 5:52,62 Minuten für die ersten 2.000m) 1:10,67 – 1:10,55 – 1:10,60 – 1:10,23 – 1:08,98 (= 5:51,03 Minuten für den dritten und vierten Kilometer) 1:10,28 – 1:09,61 – 1:10,70 – 1:11,36 – 1:11,56 (= 5:53,51 Minuten für den fünften und sechsten Kilometer) 1:11,63 – 1:11,44 – 1:11,75 – 1:11,99 – 1:12,17 (= 5:58,98 Minuten für den siebten und achten Kilometer) 1:12,54 – 1:13,14 – 1:13,33 – 1:12,87 – 1:08,65 (= 6:00,53 Minuten für die letzten 2.000m)
Und das konnte Hassan ab Beginn der zweiten Rennhälfte nicht mehr halten. Die Rundenzeiten stiegen auf 71, nach knapp 8.000m auf 72 und eingangs des letzten Kilometers sogar auf 73 Sekunden. Der Weltrekord war längst nicht mehr in Reichweite, die Neonlichter waren längst an Hassan vorbeigehuscht. Für eine klare Verbesserung des Europarekords reichte das Tempo allemal und die wurde es schlussendlich. Plus ein klarer Sieg im Wettbewerb mit den Kontrahentinnen an der Startlinie – auch wenn dieses Rennen eher ein als Wettkampf getarnter Zeitlauf war als ein realer Wettbewerb, aber ansonsten könnte der Rekord nicht anerkannt werden.
Favoritensiege für Kipyegon und Kejelcha
Aufgrund der schwierigen Bedingungen fielen Rekordjagden in den beiden weiteren Rennen aus. Faith Kipyegon gewann wie vorgesehen den 1.000m-Lauf der Frauen in einer Zeit von 2:32,82 Minuten mit einem Vorsprung von fast acht (!) Sekunden auf die WM-Vierte im 800m-Lauf von Doha 2019, Winnie Nanyondo, die eine fürchterliche Saison beendet. Auch Eunice Sum konnte als Dritte nicht unbedingt glänzen.
Im 5.000m-Lauf setzte sich Yomif Kejelcha in einer Zeit von 13:12,84 Minuten klar vor dem Australier Stewart McSweyn durch, dessen Kräfte nach einer langen Wettkampfsaison in Europa ausgezehrt scheinen – die Australier nahmen gefühlt an jedem Wettkampf teil, der ausgetragen wurde.
* neuer Europarekord ** 10.000m-Debüt *** neue persönliche Bestleistung
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