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Nach den Erfolgen bei den beiden österreichischen Marathons hat Lukas Hollaus beim Swiss City Marathon seinen dritten Marathonsieg in Folge gefeiert. Bei schwierigen Bedingungen lief der 39-Jährige neuerlich unter 2:20 Stunden und unterbot die bisher schnellste Marathonzeit, die je in Luzern erreicht worden ist, um rund sechs Minuten. Höhepunkt eines aufregenden Marathontags war der gemeinsame Zieleinlauf mit zwei seiner Kinder.
Auch im Alter von 39 Jahren sind erfahrene Sportler nicht gefeit davor, Neues zu lernen und Herausforderungen zu nehmen, denen sie bis dato nicht begegnet sind. Lukas Hollaus (Union Salzburg LA) blickt auf zahlreiche Erfahrungen als Leistungssportler im Triathlon zurück, der Sieg beim gestrigen Swiss City Marathon in Luzern wird eine besondere blieben. „Es war ein ständiges Auf und Ab heute. So ist ein Marathon echt lang“, fasste er zusammen. Bei ähnlich schwierigen Bedingungen wie bei seinem Sieg im Mai beim Salzburg Marathon, aber deutlich kühleren Temperaturen als damals, lief der Pinzgauer bei Regen und Wind nach 2:18:41 Stunden ins Ziel. „Rückblickend habe ich diesen Marathon echt gut über die Bühne gebracht und zu jedem Zeitpunkt alles richtig gemacht.“ Angesichts der fordernden Wetterverhältnisse und der selektiven Strecke mit nicht weniger als 190 Höhenmetern bewertet der Salzburger diese Leistung als seine bisher beste im Marathon – beim vierten Auftritt.
Die zwei Stunden, 18 Minuten und 41 Sekunden auf der neuen Strecke des Swiss City Marathon brachten ihm viele unvergessliche Momente. Denn trotz des schlechten Wetters säumten viele Tausende Zuschauer den Streckenrand – und das, obwohl der Großteil des Kurses außerhalb der Stadt entlang der Küste des Vierwaldstättersees und durch die dortigen Ortschaften führte. „Ich habe mich heute wie ein Schweizer gefühlt. Die Leute haben meinen Namen von der Startnummer abgelesen, ihn gerufen und mich gewaltig gepuscht“, berichtete er. „Nach der Wende war es ein Wahnsinn, wie mich die anderen Marathonläufer angefeuert haben – richtig laut. Dazu die vielen Musikgruppen. So eine geniale Stimmung habe ich in meinem Sportlerleben noch nie erlebt. Ich glaube, ich hatte 42 Kilometer lang ein Strahlen im Gesicht.“
Der allerschönste Moment war freilich der Zieleinlauf im Verkehrshaus der Schweiz, wo laut Veranstalter rund 15.000 Zuschauer:innen auf die Hauptprotagonist:innen des Tages warteten, emotional verziert von der Begleitung zweier seiner Kinder, die davor im Kinderlauf aktiv waren. In diesem Moment eröffnete der Österreicher eine neue sportliche Epoche beim Swiss City Marathon, denn erstmals absolvierte ein Läufer die 42,195 Kilometer bei dieser Veranstaltung unter 2:20 Stunden.
Nach einem gelungenen Marathon-Aufbau im Sommer fühlte sich Hollaus fit für seinen nächsten Marathon und hatte sich vorgenommen, das Rennen offensiv zu beginnen. Nach drei Kilometern im Schnitt von 3:08 Minuten lag er sofort deutlich und alleine an der Spitze des 4.000 Laufbegeisterte umfassenden Starterfelds im Marathon (das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr, Anm.), als die erste selektive Streckenpassage begann. Keine halbe Stunde Wettkampfzeit war vergangen, als der Salzburger seine Muskulatur am hinteren Oberschenkel spürte – ein Warnsignal, das ihm bereits aus Erfahrungen in den letzten Wochen und Monaten bekannt war.
„Ab da war es echt spannend für mich. Bei jedem Schritt war eine gewisse Unsicherheit dabei und meine Gedanken waren permanent bei der Muskulatur. Weil ich mich abgesehen davon so super gefühlt habe, habe ich mich konzentriert, so normal und so rhythmisch weiterzulaufen, wie möglich“, schilderte Hollaus. Es gelang, die Beschwerden hielten sich im kontrollierbaren Bereich und Hollaus konnte auch mit weiteren Herausforderungen durch die nass-kalten Bedingungen umgehen. „Ich hab natürlich mitbekommen, dass ich klar in Führung lag. Bei der Wende hab ich den Abstand exakt gesehen und wusste, dass ich rund vier Minuten Polster habe. Außerdem war ich erneut auf Kurs unter 2:20 Stunden. Beides hat mich sehr motiviert.“ Erst im Schlussteil seines Marathons hörte der Regen auf, von der sonnigen Mittagszeit profitierten viele Freizeitläufer:innen weit hinter dem Sieger.
Erstmals fand der Swiss City Marathon mit Start und Ziel in Luzern auf einem Ein-Runden-Kurs statt. Die Strecke verband Passagen mit den schönsten Sehenswürdigkeiten der Kleinstadt und Küstenpassagen entlang des Ufers des Vierwaldstätter Sees mit einer Wende kurz vor der Ortschaft Alpnach. „Nach der heutigen Premiere wissen wir: Die neue Marathonstrecke war eine super Entscheidung und kommt bei den Läufer:innen sehr gut an“, so OK-Präsident Jost Huwyler. Mit 190 Metern Höhenunterschied ist die nach den Regeln der AIMS vermessene Strecke allerdings keine leichte, was die Leistung von Lukas Hollaus ein Stück beachtlicher macht.
Dass der letztendlich fordernde Marathon-Tag mit einer kurzfristigen Anreise aufgrund eines privaten Termins gelang, liegt laut Hollaus auch an seiner entspannten Herangehensweise, die sich von jener zu früheren Zeiten als Profi im Triathlon unterscheidet: „Ich stehe einfach locker an der Startlinie. Die Marathons laufe ich, weil sie mir Spaß machen. Ich laufe sie für mich. Darüber hinaus gibt es keinen Druck. Auf der anderen Seite ist jeder Marathon eine spannende Herausforderung. In jedem Rennen lerne ich viel dazu, heute ganz besonders.“
Die heikelsten Momente auf dem Weg zum Sieg beim Swiss City Marathon überstand Hollaus trotz der Herausforderungen im Wettkampf freilich ein paar Tage zuvor. Während seine Kinder und seine Frau mit einem Infekt das Bett hüteten, blieb der dreifache Familienvater gesund. Auch deshalb betonte der 39-Jährige: „Natürlich sind es die gut zwei Stunden Wettkampfzeit, in denen ich diesen Sieg realisiert habe. Aber zu einem Marathon gehört immer viel mehr dazu: monatelang gut, konstant und fleißig zu trainieren und dabei stets gesund und fit zu blieben.“
Wie essentiell das ist, besonders in der hereinbrechenden Infektsaison des Herbst und mit Schul- und Kindergartenkindern im Haus, weiß der ein oder andere Kollege aus der heimischen Marathonszene im Detail zu berichten.
Bei ihrem elften Antritt im Marathon in Luzern hat Doris Nagel-Wallimann erstmals die Ziellinie als Siegerin überquert. Die Schweizerin verpasste in einer Zeit von 2:43:11 Stunden nur hauchdünn ihre persönliche Bestleistung. Bereits zum zwölften Mal beim Swiss City Marathon am Start war Fränzi Huwyler-Inauen, die eine Minute später als Zweite ins Ziel kam. Viermal hat sie diesen Lauf bereits gewonnen. Im Halbmarathon liefen Seare Weldezghi aus Zürich und die 22-jährige Ronja Hofstetter, als Luzernerin Botschafterin des Events, in 1:07:24 bzw. 1:14:26 Stunden zum Sieg.
Mit insgesamt 14.000 Anmeldungen aus 103 Nationen hat der Swiss City Marathon, seit Monaten restlos ausverkauft, in seiner 18. Auflage einen neuen Anmelderekord erreicht. Größter Bewerb ist seit Jahren der Halbmarathon, der in diesem Jahr 6.519 Finisher zählte – etwas mehr als doppelt so viel wie der Marathonlauf.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © PUMA Salzburg Marathon / Christian Köhler. Lukas Hollaus bei seinem Triumph in Salzburg im Mari 2025.