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Strand besiegt die Stars bei Ingebrigtsen-Comeback

Ethan Strand und Nadia Battocletti feierten in Schlesien ihre Diamond-League-Premierensiege. Im Falle des US-Amerikaners war dieser Erfolg eine Sensation.
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Ethan Strand hätte sich kaum eine bessere Gelegenheit für seinen ersten Diamond-League-Sieg aussuchen können. Im direkten Vergleich mit Olympiasieger Cole Hocker und beim 1.500m-Comeback des langjährigen Dominators Jakob Ingebrigtsen scheute der US-Boy die Offensive nicht und stürmte ungefährdet zum Sieg. Auch die multiple Europameisterin Nadia Battocletti und ein junger äthiopischer Hindernisläufer feierten ihre Premiere.

„Diese großartigen Läufer zu schlagen, das ist einfach unglaublich!“, staunte Ethan Strand am Ende selbst. „Ich bin sehr stolz auf dieses Rennen. So ein Meetingsieg ist ein Meilenstein auf meiner Reise und ein großer Schritt in die richtige Richtung“, jubelte er vor toller Kulisse im Park Slaski und gab zu, dass der Sieg auch für ihn eine Überraschung war.

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Den Olympiasieger im Zaum

Der 23-Jährige aus dem US-Bundesstaat Alabama ist nach seinem Studium an der University of North Carolina in seinem ersten Jahr als Profi. Bereits im vergangenen Jahr gelangen starke Leistungen, bei den US-Trials qualifizierte er sich für die WM in Tokio, wo im Halbfinale Endstation war. Nach guten Leistungen in Eugene und London folgte nun in Chorzow der große Triumph in einer Zeit von 3:30,77 Minuten, seiner zweitschnellsten Karrierezeit nach dem Trialrennen im vergangenen Jahr.

Wie damals besiegte er auch in Chorzow seinen Landsmann Cole Hocker, der Olympiasieger von Paris 2024. Überhaupt: In drei direkten Duellen auf der Mittelstrecke nach dessen Olympiasieg von Paris hat Strand kein Rennen mehr gegen seinen Landsmann mehr verloren. Dank seiner berüchtigten Endschnelligkeit sicherte sich Hocker hinter Koech immerhin noch Rang drei vor Ingebrigtsen, doch Hockers Endspurt war dieses Mal „nur“ gleich schnell wie jener von Strand. Hinter dem viertplatzierten Norweger folgten EM-Silbermedaillengewinner Samuel Pihlström und der auf der Zielgerade erschöpfte Waliser Jake Heyward.

© Diamond League AG

Rückkehr für Ingebrigtsen

Ingebrigtsen gab im Interview nachher zu bedenken, dass er in Vorbereitung der Europameisterschaften sich dem spezifischen 5.000m-Training gewidmet habe – und ihm deshalb etwas die Schnelligkeit für die Mittelstrecke gefehlt haben mag. „Ich habe mich im Laufe des Wettkampfs immer wohler gefühlt und am Ende war ich einfach nicht stark genug, meine Position zu verteidigen“, so der Norweger. Gemeint hat er wohl den Wettlauf hin zur letzten Kurve, als ihn der Kenianer Koech überholt hat. Im Endspurt wählte der Norweger, etwas festgefahren ausgangs der Kurve, die Innenbahn und lief in 3:31,19 Minuten noch auf Rang vier.

Davor hatte Ingebrigtsen das Rennen konservativ begonnen und sich erst nach rund 800 Metern mit einer Tempoverschärfung in die Spitzengruppe gesetzt. Rechtzeitig vor dem Glockenton zur letzten Runde übernahm er die Führungsposition, die er 220 Meter vor dem Ende Koech überlassen musste. Die mit Spannung erwartete Rückkehr des norwegischen Stars auf die 1.500m erhält eine Fortsetzung am Donnerstag in Zürich. Das Diamond-League-Rennen in Chorzow war der erste 1.500m-Lauf für Ingebrigtsen seit fast zwei Jahren, wenn man den verunglückten WM-Vorlauf ausklammert.

Premiere für Battocletti

Nur eine Woche nach ihren zwei EM-Titeln von Birmingham hat Nadia Battocletti einen nächsten Meilenstein in ihrer Karriere erreicht. Die 26-Jährige profitierte von einem Wettkampf ganz nach ihrem Geschmack. In konstantem, aber nicht superschnellen Tempo wurden die ersten 4.000 Meter abgespult, so dass alle 20 Teilnehmerinnen noch in einer Gruppe zusammenliefen. „Ich dachte, das Rennen würde schneller werden. Aber für mich kein Problem, ich liebe diese Art von Wettkämpfen“, erzählte sie später.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Kurz vor Beginn der Schlussrunde brachte sich die Italienerin hinter der Äthiopierin Marta Alemayo in Position und attackierte in der letzten Kurve mit einer abrupten Beschleunigung. In Birmingham hatte die Konkurrenz keine Chance gegen diesen flinken Schritt, auch in Chorzow nicht. Bereits 30-40 Meter vor dem Ziel ließ Battocletti mit dem Sieg in der Tasche auslaufen: In die Wertung fiel am Ende eine Zeit von 14:54,09 Minuten. „Ich bin froh, kurz nach der EM noch so in guter Form zu sein“, sagte die vierfache Europameisterin im Stadion – und fügte an, in diesem Stadion in zwei Jahren ihre nächsten EM-Titel gewinnen zu wollen.

Für Battocletti sind es die ersten Punkte in der diesjährigen Diamond League beim letzten Qualifikationsrennen auf dieser Distanz, weswegen die Europameisterin nicht für das Diamond League Finale qualifiziert ist. Dafür liegen gleich acht Äthiopierinnen auf den ersten zehn Plätzen der Diamond-League-Wertung. Als deren beste holte Freweyni Hailu Platz zwei vor der Australierin Rose Davies, neben der Kenianerin Agnes Ngetich die einzige Nicht-Äthiopierin, die die Qualifikation für das Diamond-League-Finale Anfang September in Brüssel sicher hat.

Weitere Laufentscheidungen in Chorzow

Eine Sensation gab beim 3.000m-Hindernislauf der Männer, in dem Soufiane El Bakkali seine erste Saisonniederlage erlitt. Der marokkanische Star musste sich deutlich dem äthiopischen Afrikameister geschlagen geben. Gemechu Godana, 20 Jahre jung und bis dato ohne Erfolg in der Diamond League, dominierte den Wettkampf vom Start weg und lief dem Favoriten in der Schlussrunde einfach davon. Mit einer Zeit von 8:02,74 Minuten verbesserte er nicht nur seine in Paris erst aufgestellte persönliche Bestzeit um drei Sekunden, sondern auch El Bakkalis Meetingrekord aus dem Jahr 2023 um 0,42 Sekunden. El Bakkali musste in 8:04,61 Minuten vor seinem Landsmann Salah Eddine Ben Yazide mit Platz zwei Vorlieb nehmen.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Eine bärenstarke Leistung lieferte der luxemburgische Vize-Europameister Ruben Querinjean ab, der seinen Landesrekord auf eine Zeit von 8:05,36 Minuten senkte. Damit befindet sich der 24-Jährige nun auf der sechsten Position der ewigen europäischen Bestenliste im 3.000m-Hindernislauf und war in Chorzow mit Abstand bester Europäer vor EM-Bronzemedaillengewinner Karl Bebendorf (7.) und dem spanischen EM-Vierten Daniel Arce (8.). Auch einige namhafte Afrikaner, darunter Samuel Firewu aus Äthiopien und der kenianische Ex-Junioren-Weltmeister Edmund Serem, mussten sich hinter dem Luxemburger einordnen.

Eine neue Weltjahresbestzeit schaffte Tsige Duguma im 1.500m-Lauf der Frauen. Die 25-jährige Äthiopierin gewann den Wettkampf in einer Zeit von 3:55,06 Minuten vor der Australierin Jessica Hull und der Kenianerin Dorcus Ewoi, wobei sie die anfangs der Zielgerade klar führende Hull mit einem Riesenendspurt noch übertrumpfte. Lokalmatadorin Klaudia Kazimierska glänzte auf Rang vier mit einem neuen polnischen Landesrekord von 3:55,59 Minuten und verbesserte sich auf Position acht der ewigen europäischen Bestenliste. „Systematische Arbeit bringt Resultate. Diese Entwicklung basiert auf meine Konstanz über viele Jahre. Ich bin richtig stolz auf alles, es ist eine große Ehre, hier in Polen diesen Rekord zu laufen“, so Kazimierska im Interview mit der Diamond League. Die 24-Jährige überraschte mit einem offensiven Lauf, lange Zeit führte sie in der entscheidenden Phase sogar das Rennen an. Sie hat bei der EM in Birmingham die Silbermedaille gewonnen und stand bereits in den WM-Finalläufen von Tokio 2025 und Torun 2026 (Halle).

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Diamond League AG, © Marta Gorczynska for Diamond League AG

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