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Die Startnummer 800 auf ihrer Brust erinnerte noch einmal alle nachdrücklich, welch besonderer Moment am frühen Sonntagabend in der Halle von Metz bevorstand, während sich Femke Bol auf Bahn fünf einrichtete. Die Premiere auf ihrer neuen Distanz gelang: Wettkampfsieg in 1:59,07 Minuten, deutlicher neuer holländischer Hallenrekord. Nach überstandener Krankheit startete Raphael Pallitsch großartig in die neue Saison. Ihm gelang im 1.500m-Lauf mit einer Zeit von 3:36,55 Minuten ein erster sehr wichtiger Schritt auf dem Weg zur Hallen-WM im März.
„Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht“, resümierte Femke Bol mit dem österreichischen Laufsportjournalisten Olaf Brockmann den Wettkampf – eine halbe Stunde, nachdem ihr Debüt auf eindrucksvolle Art und Weise gelungen war. Fast eine Sekunde blieb sie mit der Zeit von 1:59,07 Minuten unter dem bisherigen holländischen Hallenrekord von Ester Goossens aus dem Jahr 2001 und genoss die Ovationen des begeisterten Publikums in ihrer typischen, etwas schüchternen Art. „Ich bin sehr happy mit diesem Einstieg in den 800m-Lauf. Mit der Zeit bin ich zufrieden!“ Bol distanzierte die beiden Schweizerinnen Valentina Rosamilia (1:59,90) und Lore Hoffmann (1:59,91) deutlich, die sich in einem spannenden Endspurt um Platz zwei beide ihre jeweils erste sub-2-Zeit in der Halle schnappten. Nur Audrey Werro hat das in der Schweizer 800m-Geschichte bisher geschafft.
Es ist nicht nur die Zeit, die für ein Debüt auf einer Indoor-Bahn, oder wie diese offiziell heißt, auf einer Short Track, beachtlich ist. Es ist die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist. Unterstützt von der polnischen Tempomacherin Anna Gryc, die ihr gerne ein noch höheres Tempo vorgeschlagen hätte, setzte sich Bol bereits in der ersten Runde von ihren Gegnerinnen ab, unter denen die wahrscheinlich stärkste, Gabriela Gajanova, an der Startlinie gefehlt hatte.
Die Durchgangszeit von rund 57,4 Sekunden nach 400 Metern erstaunte, dabei lief die Holländerin aber sichtlich locker und maximal kontrolliert. Selbst in der letzten Runde wirkte sie nicht am absoluten Limit. „Femke hatte noch ein wenig zu viel Respekt vor den 800 Metern. Das sieht man auch an ihren Splits“, analysierte ihr Trainer Laurent Meuwly später streng. Und meinte damit die konservativere dritte Runde, in der die Schweizer Verfolgerinnen etwas näher an die Führende heranrücken konnte.
Gegenüber holländischen Journalisten gab Femke Bol Einblick in ihr erstes 800m-Erlebnis: „Es war sehr spannend. Wirklich ganz anders, eine ganz neue Erfahrung.“ Die 25-Jährige gab aber auch zu, dass sie die Herausforderung der Distanz gut im Griff hatte: „Ich hatte mir die letzten 200 Meter in meinen Vorstellungen sehr schwer gemacht, aber es war gar nicht so schlimm. Die Schlussrunde hat mir sogar gefallen, durch die Müdigkeit hindurch.“

Rund drei Monate lang, mit kleinen Unterbrechungen, feilte Femke Bol mit ihrem Umfeld im Trainingslager in Südafrika gezielt an der Saisonvorbereitung – und damit am großen Schritt des möglichst harmonischen Übergangs von den Topleistungen im 400m-Sprint und Weltklasseleistungen im 400m-Hürdensprint hin zu einer großartigen Zukunft im 800m-Lauf. „Für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser“, betonte sie. Und prognostizierte: „Das ganze Jahr wird eine Entdeckungsreise sein. Es ist etwas Neues. Ich lerne meinen Körper auf eine neue Art kennen – im Training und jetzt auch in Wettkämpfen.“ Ein Lernprozess eben, dem sich Femke Bol stellt.
Nach dem gelungenen Auftakt in das zweite Kapitel ihrer Karriere folgt nun ein besonderes Ziel: Am 19. Februar will die Holländerin beim Meeting in Liévin, das üblicherweise am stärksten besetzte Hallenmeeting abseits der Weltmeisterschaften, den Weltrekord im 600m-Lauf attackieren. Danach wird ihre Hallensaison wohl enden, holländische Medien bestätigen das, was ihr Trainer bereits im Vorfeld gegenüber der holländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ gesagt hatte: Bol wird voraussichtlich auf die Hallen-Weltmeisterschaften verzichten.
Erst kurzfristig hat Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) entschieden, am Samstag nach Metz zu reisen und im 1.500m-Lauf an den Start zu gehen. Aufgrund eines lästigen Magen-Darm-Infekts musste er seinen geplanten Einstieg in die Saison am vergangenen Dienstag in Ostrava noch absagen. „Es war ein saustarker Wettkampf, ich bin sehr happy“, sagte der 36-Jährige angesichts der Vorgeschichte. Denn in einer Zeit von 3:36,55 Minuten, der zweitschnellsten österreichischen Hallenleistung ever im 1.500m-Lauf, blieb er trotzdem nur 0,21 Sekunden über seinem eigenen ÖLV-Hallenrekord, den er auf den Tag genau vor einem Jahr auf genau dieser Bahn aufgestellt hat.

Pallitsch habe das Rennen aufgrund der Unsicherheiten defensiv angelegt und sich entschieden, die erste Rennphase im hinteren Teil des Feldes zu verbringen. Erst in der zweiten Hälfte arbeitete sich der Österreicher nach vorne. „Bei 1.400 Meter war das Rennen für mich aber praktisch beendet, da war der Ofen aus“, erzählte er Olaf Brockmann. „Natürlich habe ich den Ausfall der letzten Tage gemerkt.“
Daher konnte er in den Kampf um den Wettkampfsieg nicht eingreifen und lief als Fünfter aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe, die sich in der Schlussphase gebildet hatte, über die Ziellinie. Vor ihm platzierten sich der holländische Sieger Samuel Chapple (3:35,83), Adam Spencer aus Großbritannien (3:35,89), der Spanier Ignacio Fontes (3:36,23) und der Franzose Paul Anselmini (3:36,46).
Hinblicklich der Hallen-WM in Torun vom 20. bis 22. März blickt Pallitsch optimistisch auf die kommenden Wochen. „Ich bin mir sicher, dass ich bis dahin meine Bestform erreiche!“ Der Burgenländer muss noch seine Qualifikation vervollständigen, 30 Startplätze sind vorgesehen, das Direktlimit liegt bei einer Zeit von 3:36,00 Minuten – also ein gutes Stück unter dem ÖLV-Hallenrekord. Aktuell liegt Pallitsch mit seiner Metz-Leistung auf Platz 22 der bereinigten Qualifikationsliste – mit gegenwärtig einem erheblichen Polster auf Platz 31.
Lotte Seiler (KSV alutechnik) bestritt in Metz den B-Lauf über 3.000m und erzielte eine neue Bestzeit von 9:14,34 Minuten, gleichzeitig steirischer Landesrekord. In der ÖLV-Bestenliste liegt die …-Jährige nun auf Position fünf.

Der Höhepunkt für die Heimfans beim Meeting Metz Moselle Athlelor war der 3.000m-Lauf der Männer. Der ehemalige Crosslauf-Europameister Yann Schrub verbesserte in einer Zeit von 7:29,38 Minuten den französischen Hallenrekord von Jimmy Gressier. Dieser hatte seine Bestzeit vor einem Jahr in New York aufgestellt – als er Schwung für seine überragende Wettkampfsaison 2025 aufnahm, die mit dem WM-Titel im 10.000m-Lauf von Tokio endete.
Autor: Thomas Kofler
Quelle: Olaf Brockmann
Bilder: © James Rhodes