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Erstmals in der Geschichte des Laufsports findet ein World Marathon Major auf der Südhalbkugel statt. Neu im erlesenen Kreis der Premium-Marathons ist der Sydney Marathon. Zur Premiere am 31. August reisen zwei Superstars des Laufsports nach Australien: Der zweifache Marathon-Olympiasieger Eliud Kipchoge und dreifache Olympiasiegerin Sifan Hassan, davon einmal im Marathon.
Ein wahr gewordener Traum ist für Wayne Larden, Renndirektor des TCS Sydney Marathon, die Verpflichtung des besten Marathonläufers der Geschichte. Eliud Kipchoge. „Seine Präsenz wird den Sydney Marathon auf ein neues Level des Prestiges und der globalen Aufmerksamkeit heben.“ Der 40-jährige Kenianer kommt am Spätabend seiner Karriere. Mit dem sechsten Platz beim London Marathon im April hat er etwas Schwung nach einem missratenen Marathon-Jahr 2024 mit Platz zehn in Tokio und der Aufgabe bei den Olympischen Spielen aufgenommen und hofft, beim Neuzugang bei den World Marathon Majors um den Sieg mitlaufen zu können.
Für Kipchoge, dessen Lieblingsmarathons jene von London und Berlin sind, die er regelmäßig gelaufen ist, ist Sydney absolutes Neuland. Es ist der sechste World Marathon Major, an dem er teilnimmt – nur New York fehlt noch auf seiner Liste. „Laufen hat die Macht zu inspirieren und Menschen zusammenzubringen. Ich freue mich sehr auf das Aufeinandertreffen mit der australischen Lauf-Community bei einem der schnellstwachsenden Events der Welt.“ Mit diesen Worten hatte Kipchoge bereits im März seinen Sydney-Start verkündet. Der zweifache Marathon-Olympiasieger freue sich auf seinen ersten Wettkampf in Ozeanien und die neue Erfahrung.
Neben Kipchoge gelang dem Veranstalter eine weitere spektakuläre Verpflichtung. Olympiasiegerin Sifan Hassan hat sich entschieden, auf die Bahnsaison inklusive den Weltmeisterschaften von Tokio, wo ja auch ein Marathon-Start möglich gewesen wäre, zu verzichten und anstatt dessen in Sydney zu laufen. Es wird der sechste Marathon für Sifan Hassan, drei ihrer bisherigen fünf hat die 32-Jährige gewonnen: beim Debüt in London 2023, bei ihrem Europarekord in Chicago 2023 und bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris mit Olympischem Rekord. Nur beim Tokio Marathon 2024 (4.) und beim London Marathon 2025 (3.) lachte sie bei der Siegerehrung nicht vom obersten Stockerl. „Ich freue mich sehr, in Sydney einen weiteren Major zu laufen. Ich werde meine Erfahrung und die Energie des Publikums in den Sydney Marathon legen“, sagte Hassan, die sich geehrt fühlt, beim Major-Debüt als Star präsentiert zu werden.
Der Veranstalter erwartet 35.000 Teilnehmerinnen alleine im Marathon, womit der Sydney Marathon in etwa die Teilnehmergröße der „kleineren“ World Marathon Majors in Tokio und Boston erreichen würde. Alle weiteren Bewerbe bis auf den 10km-Lauf und dem Mini-Marathon am Tag davor wurden aus dem Programm genommen. Läuferinnen, die zwischen 2022 und 2024, also der WMM-Kandidaturphase, den Sydney Marathon bestritten haben, hatten im Anmeldeprozess einen Vorteil. Ihnen versicherte der Veranstalter einen garantierten Startplatz für den Sydney Marathon 2025, 2026 oder 2027.
Das Marathonziel des Sydney Marathon befindet sich vor dem weltberühmten Opernhaus. Die imposante Harbor Bridge wird auf den ersten Kilometern überlaufen. Der Marathonkurs ist angelehnt an die Olympische Laufstrecke von 2000. Die Strecke gilt als schwierig, da sie hügelig ist – es stehen mehr Höhenmeter als in Boston oder New York an, wie Runner’s World berichtet. Der Veranstalter hat mit mehreren Anpassungen in den letzten Jahren einige enge Kurven eingespart.
Auf dem Papier wirkt das Starterfeld beim Major-Debüt spektakulär. Doch ein präziserer Blick kreiert Fragezeichen und sollte dem 40-jährigen Eliud Kipchoge gute Möglichkeiten lassen, um den Sieg mitzukämpfen, selbst wenn er seine Topform nicht mehr erreichen sollte. Die kenianische Legende ist zuletzt vor zwei Jahren unter 2:05 Stunden gelaufen. Das gilt auch für Birhanu Legese, einst sub-2:03-Läufer, der in den letzten Jahren nicht mehr das Niveau früherer Tage erreicht hat. 2020 feierte er letztmals als Sieger des Tokio Marathon einen großen Erfolg.
So ist vielleicht Vincent Ngetich der Mann, den es in Sydney zu besiegen gilt. Der 26-Jährige ist aus dem Starterfeld der mit Abstand am besten Platzierte in der Weltrangliste und erzielte zuletzt gute Ergebnisse: Platz drei beim Tokio Marathon 2025 in 2:04:00 Stunden, die Plätze drei und vier beim Tokio und Chicago Marathon 2024, Platz zwei beim Berlin Marathon 2023 in persönlicher Bestleistung von 2:03:13 Stunden. Das Head-to-Head gegen Kipchoge steht also 1:1. Die Äthiopier Dawit Wolde und Hailemaryam Kiros sowie der Kenianer Bernard Koech, ehemaliger Sieger des Hamburg Marathon, komplettieren die Eliteliste.
Aus australischer Sicht ist die Präsenz von Landesrekordhalter Brett Robinson interessant, aus europäischer der Start des deutschen Meisters und Rekordhalters Samuel Fitwi.
19 Läufer mit Bestleistungen unter 2:07 Stunden weist das Feld der Männer auf, elf Athletinnen mit Bestleistungen unter 2:21 Stunden jenes der Frauen. Der zweite große Name neben Sifan Hassan ist die ehemalige Weltrekordhalterin Brigid Kosgei, die in letzter Zeit aber nicht mehr in diese Weltklasse-Dimensionen von 2019 oder 2022 vorstoßen konnte. Zuletzt agierte die fünffache Major-Siegerin solide, der zweite Platz beim Hamburg Marathon im Frühling in 2:18:26 Stunden war ihr bester Marathon in letzter Zeit.
Die Äthiopierinnen Workenesh Edesa, das ist die Vorjahressiegerin, Ashete Bekere, Meseret Belete und Tiruye Mesfin ergänzen die Kandidatenliste für einen Stockerlplatz. „Das ist zweifelsohne das beste Marathonfeld, das wir je in Australien gesehen haben. Sydney ist damit faktisch auf der Landkarte der Weltklassemarathons angekommen. Wir sind sehr stolz hier, Teil der Abbott World Marathon Majors zu sein“, sagte Renndirektor Wayne Larden bei der Bekanntgabe der Elitefelder. Die besten Australierinnen im Rennen sind Jessica Stenson, Lisa Weightman und Leanne Pompeani.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Johannes Langer