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Halbzeit bei den World Marathon Majors in der Saison 2027 – und die Schlagzeilen sind dieses Mal etwas anders. Ein Fehler im Medaillendesign brachte die Laufwelt zum Schmunzeln und macht die Finisher-Medaille des TCS Sydney Marathon 2026 zur wohl berühmtesten ihrer Art. Angesichts der spitzensportlichen Besetzung des Sydney Marathon 2026 ist es nicht unwahrscheinlich, dass am Sonntag die sportlichen Ereignisse Überhand gewinnen.
Die Präsenz der beiden amtierenden Weltmeister Peres Jepchirchir und Alphonce Simbu, jene von sub-2:02-Läufer Sisay Lemma, jene der Legende Vivian Cheruiyot oder das Marathon-Debüt von Hagos Gebrhiwet. Der TCS Sydney Marathon 2026, zum zweiten Mal im Rahmen der World Marathon Majors ausgerichtet, hätte genug Geschichten, auf die im Vorfeld die Aufmerksamkeit gelenkt werden könnte. Doch weil die Münchner Allianz Arena es auf die Finisher-Medaille des über 16.000 Kilometer Luftlinie entfernten Sydney Marathon geschafft hat, spricht die Laufwelt im Moment davon.
Die offizielle Präsentation der Finisher-Medaille auf der Instagram-Seite des TCS Sydney Marathon erweckte einen Lacher globalen Ausmaßes. Auf deren Rückseite sollten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der australischen Metropole dargestellt werden, etwa die weltberühmte Oper oder die Harbour Bridge, die nach wenigen Kilometern überquert wird. Aufgrund eines massiven Fauxpas ist dort aber nicht das Allianz Stadion von Sydney, sondern die Allianz Arena von München zu sehen. Gestaltet wurde die Medaille vom Künstler Ambrose Kilian, der sich gleich auf Social Media rechtfertigen musste, nicht in die Auswahl des Designs der Rückseite involviert gewesen zu sein – sondern nur für die künstlerische Vorderseite verantwortlich war.
Die Veranstalter, denen nun in der Kürze der Zeit ohnehin die Hände gebunden sind, nahmen es mit Humor und bezeichneten den Irrtum als „bisschen zu viel internationales Flair“. Weiters hieß es in einem Statement: „Es war ein bedauerlicher Fehler, auch wenn er an diesem Wochenende bestimmt viel Gesprächsstoff geliefert hat – überwiegend auf humorvolle Weise.“ Doch wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ titelte: „Edle Verwechslung am Edelmetall: Sankt Hanappi, schau oba!“ Und fuhr im satirischen Ton in Anlehnung eines berühmten Spruchs aus der Fußballgeschichte fort: „München oder Wien? Hauptsache Australien!“ In Wien gibt es wie in Sydney ein Allianz Stadion, die Verwechslung habe jedoch München bevorzugt und nicht die Bundeshauptstadt.
Auch in der spitzensportlichen Besetzung kann der Sydney Marathon Glanzstücke setzen, nicht nur mit der Präsenz der beiden amtierenden Weltmeister. Bei den Männern präsentierte der Sydney Marathon nicht weniger als 14 Läufer, die in ihrer Karriere schon unter 2:05 Stunden gelaufen sind. Angeführt wird das Elitefeld von Alphonce Simbu aus Tansania, der nach seinem Husarenstück bei der WM in Tokio mit dem Hundertstelsekundenkrimi gegen Amanal Petros und seinem zweiten Platz beim diesjährigen Boston Marathon in einer Zeit von 2:02:47 Stunden in der Favoritenrolle ist. Auch die beiden Kenianer Timothy Kiplagat und Vincent Ngetich haben bereits nachgewiesen, verdammt schnell laufen zu können.
Das gilt auch für den 35-jährigen Routinier Sisay Lemma. Der Äthiopier, 2015 Sieger des Vienna City Marathon, ist 2023 in Valencia gar unter 2:02 Stunden gelaufen. Doch seit einer Verletzung, die seinen Start als Topfavorit bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 unmöglich gemacht hat, ist mächtig Sand im Getriebe: Einem zehnten Platz in Valencia 2024 folgten Aufgaben in Boston (2025) und Seoul (2026) sowie ein unterdurchschnittlicher 25. Platz beim Valencia Marathon 2025. Leistungen, die ihn trotz seiner beeindruckenden Bestzeit nicht für den Favoritenkreis in Sydney qualifizieren.
Das Elitefeld der Frauen ist wie jenes der Männer stark afrikanisch geprägt und listet elf Läuferinnen, die in ihren Karrieren bereits unter 2:20 Stunden gelaufen sind. Aus dem Feld stechen drei Läuferinnen heraus: Weltmeisterin Peres Jepchirchir aus Kenia die bereits drei World Marathon Majors gewonnen hat und bei ihrem jüngsten Marathon in Valencia eine Bestzeit von 2:14:43 Stunden aufgestellt hat, ihre Landsfrau Irine Cheptai, 2024 Siegerin in Hamburg, und die bereits 42-jährige Vivian Cheruiyot.
Cheruiyot ist als Olympiasiegerin im 5.000m-Lauf 2016 eine kenianische Lauflegende, in ihrer Marathonkarriere fehlen abgesehen vom Triumph beim London Marathon 2018 – auch aufgrund von Mutterschaftspausen – die richtig großen Errungenschaften. Dass der Routinier noch etwas drauf hat, bewies sie beim London Marathon 2025 mit Platz fünf und dritten Plätzen im Jahr davor in Paris und New York. Ihren letzten Marathon, im November in New York, gab sie allerdings auf.
Seinen allerersten Marathon bestreitet Hagos Gebrhiwet. Der 32-jährige Äthiopier hat drei globale Medaillen im 5.000m-Lauf gewonnen und ist der äthiopische Rekordhalter auf dieser Distanz. Seit 2023 hat der Äthiopier vier Halbmarathons bestritten, allesamt in Spitzenzeiten. Der schnellste war jener 2023 in Valencia in einer Zeit von 57:41 Minuten, überragend war auch die Siegerzeit im März in Barcelona in 58:05 Minuten. Bahnrennen lief er in diesem Sommer keine, nur zwei Straßenläufe in den USA – allerdings mit bescheidenem Erfolg.
Ihren zweiten Marathon absolviert seine Landsfrau Ejgayehu Taye, die zu den schnellsten 5.000m-, 10.000m- und Halbmarathonläuferinnen der Welt gehört. Das Marathon-Debüt der 26-Jährigen ging jedoch komplett schief, beim Chicago Marathon brach sie ein und brauchte fast drei Stunden.
Starke Europäer haben – mit der Ausnahme von Melody Julien aus Frankreich – in diesem Jahr die Reise nach „Down Under“ nicht angetreten, kein Wunder so kurz nach dem Saisonhöhepunkt Europameisterschaften. Dafür hofft der australische Laufsport auf positive sportliche Ereignisse: Bei den Männern ist der nationale Rekordhalter Andy Buchanan am Start, bei den Frauen Ellie Pashley als hoffnungsvollste Australierin.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pixabay