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Tadesse Abraham sorgte beim letzten Marathon seiner Karriere mit spitzensportlichem Anspruch für einen Paukenschlag. Das Aushängeschild des Schweizer Laufsports und der Schweizer Sportmarke On unterbot im Alter von 42 Jahren erstmals die Zeit von 2:05 Stunden – ein Höhepunkt zum Abschied. Bei perfekten Marathon-Bedingungen in Valencia „regnete“ es Landesrekorde. Auch der deutsche Rekord fiel dank der Superleistung von Samuel Fitwi.
Er ging mit einem Strahlen im Gesicht. Im Zielraum des Valencia Marathon ließ er sich feiern, als wäre er gerade Weltmeister geworden. Er genoss die Momente mit Recht und „flog“ die Zielgerade auf und ab. Lange hatte Tadesse Abraham seinen Abschied von der internationalen Marathon-Bühne in Valencia angekündigt. Nach drei Olympischen Marathon-Teilnahmen, einer WM-Top-Platzierung, EM-Silber und Halbmarathon-EM-Gold, nach etlichen Schweizer Rekorden und nach insgesamt 28 Marathonläufen.
Er hatte sich den Höhepunkt für den Schluss aufgespart. Im Alter von 42 Jahren, im 22. Jahr auf höchstem Leistungsniveau. Die Zeitnehmung stoppte bei einer Zeit von 2:04:40 Stunden, neuer Schweizer Rekord, ein Meilenstein. Platz vier in der ewigen europäischen Bestenliste. Und 20 Sekunden unter der Sehnsuchtsmarke, unter diesem ultimativen und allerletzten Ziel, für das Abraham monatelang in der Höhe Äthiopiens geschuftet hat. „Es war supercool, alles lief nach Plan“, erzählte der Routinier und Vorbild vieler gegenüber der Berner Zeitung.
Im März hatte er dieses Ziel als Sieger des Barcelona Marathon um eine Sekunde verpasst. Was in Valencia auch noch beeindruckte: Der Schweizer lief als Fünfter der Gesamtwertung ins Ziel. Trotz seiner Siege in Barcelona und Zürich oder auch Platz zwei beim Vienna City Marathon 2019 ist dies sein wohl hochwertigstes Resultat – gemeinsam mit Platz sieben bei den Olympischen Spielen. 2016. Das hat auch mit dem starken Starterfeld in Valencia zu tun.
Nicht nur mit der gestrigen Leistung, mit der Abraham dem Masters-Weltrekord von Kenenisa Bekele, der den gestrigen Valencia Marathon aufgab, nahe rückte, sorgte der 42-Jährige für internationales Erstaunen. Je älter desto besser, doch nun ist mit dem Spitzensport Schluss. Über zwei Jahrzehnte lang investierte der Anfangs des Jahrtausends aus Eritrea in die Schweiz geflüchtete Abraham alles in seine sportliche Karriere. Nun, nach drei weiteren Heimauftritten im Dezember, soll der Leistungssport in den Hintergrund und alles, das bisher im Hintergrund war, in den Vordergrund rücken.
Der Valencia Marathon war gestern, wie auch in den letzten Jahren, dank der hervorragenden äußeren Bedingungen und des motivierenden, dichten Feldes der Marathon der nationalen Rekorde. Neben dem Schweizer Marathonrekord fiel auch der deutsche. Samuel Fitwi schaffte es dank einer erstaunlichen Ausnahmeleistung tatsächlich, den ohnehin schon hochkarätigen deutschen Marathonrekord von Amanal Petros (Berlin Marathon 2023) um zwei Sekunden auf eine Zeit von 2:04:56 Stunden zu drücken. „Das ist natürlich ein großer Erfolg für mich, ich bin absolut happy“, jubelte der 28-Jährige, der gegenüber der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) sagte, dass er auch über eine 2:05 er Zeit glücklich gewesen wäre. Eineinhalb Minuten schneller als bei seinem bisher besten Marathon zu Jahresbeginn in Dubai lief der Olympia-Teilnehmer.
Fitwi finishte den Valencia Marathon auf Rang neun der Gesamtwertung unmittelbar vor Streckenrekordhalter Sisay Lemma, der im Kampf um den Sieg dieses Mal keine große Rolle spielte. Die Entscheidung um die Verbesserung des deutschen Rekordes fiel erst auf den letzten Kilometern. Fitwi, der die Halbmarathon-Zwischenzeit in 1:02:11 Stunden überquerte, konnte im dritten Viertel das Tempo von Kilometerzeiten unter drei Minuten nicht halten, aber ab Kilometer 35 die Schlagzahl noch einmal erhöhen. Dank dieses großartigen Finals gelang doch noch der Sprung unter 2:05 Stunden. Das schafften in Valencia übrigens gleich zehn Läufer – und damit einer mehr als beim bisher historischen Bestwert des Berlin Marathon 2023.

Samuel Fitwi ist vor neun Jahren im Zuge der großen Fluchtbewegungen unter dramatischen Umständen aus Eritrea nach Deutschland gekommen, wie eine Dokumentation des Südwestdeutschen Rundfunks erzählte. Ohne der eigenen Familie etwas von seinen Plänen zu verrraten, flüchtete er mit Freunden über Äthiopien, Libyen, per Boot quer übers Mittelmeer und Italien nach Deutschland. Dort fand er seine zweite Heimat bei einer Gastfamilie. Sein Lauftalent wurde eher per Zufall entdeckt.
Fitwi ist ein Quereinsteiger, fing erst als Erwachsener mit dem Laufen an, entwickelte sich prächtig. 2024 gelang der Durchbruch: Olympia-Qualifikation in Dubai, Platz fünf bei den Europameisterschaften im Halbmarathon und die Medaille in der Nationenwertung, der starke 15. Platz bei den Olympischen Spielen in Paris und nun der deutsche Rekord in der „Stadt des Laufens“, wie sich Valencia selbst nennt.
Mit Richard Ringer verließ noch ein zweiter deutscher Läufer den Zielraum strahlend. Mit einer Zeit von 2:05:46 Stunden verbesserte er seinen persönlichen Bestwert um 1:19 Minuten und schob sich auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste – mit dem WM-Limit für Tokio 2025 in der Tasche. „Ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagte der 35-Jährige in sozialen Netzwerken. Fitwi liegt nun auf Position acht der ewigen europäischen Bestenliste vor Petros, Ringer folgt auf Position 13. Kein anderer Verband hat drei Athleten in der europäischen Bestenliste so weit oben platziert.

Simon Boch kam nach 2:09:46 Stunden ins Ziel. Nils Voigt gelang in einer Zeit von 2:10:34 Stunden ein gutes Marathon-Debüt. „Ich glaube, darauf kann ich aufbauen. Tempo und Atmung haben sich gut angefühlt“, so der 30-Jährige. Johannes Motschmann und Erik Hille gaben unterwegs auf, was den gelungenen deutschen Marathonsonntag in Valencia nicht trüben konnte.
Einer der sub-2:05-Läufer des Tages war Maru Teferi, Vize-Europa- und Vize-Weltmeister. Der 32-Jährige, der erst vor sechs Wochen beinahe den Amsterdam Marathon gewonnen hätte, steigerte seine dort erzielte persönliche Bestleistung noch einmal um 58 Sekunden auf eine Zeit von 2:04:44 Stunden und überflügelte den israelischen Rekord von Gashau Ayale um neun Sekunden.
Neuer italienischer Marathonrekordhalter ist Yohanes Chiappinelli. Der 27-Jährige, 2018 EM-Dritter im 3.000m-Hindernislauf, absolvierte seinen vierten Marathonlauf (drittes Finish) und es war der mit Abstand beste Wettkampf seines Lebens. Um fast viereinhalb Minuten steigerte er seine Bestleistung, nachdem er beim Valencia Halbmarathon vor fünf Wochen mit einer Zeit von 1:00:50 Stunden bereits sein Potenzial angezeigt hat. Chiappinelli verbesserte den zehn Monate alten italienischen Rekord von Yemaneberhan Crippa (2:06:06 Stunden). Er war, wie auch Pietro Riva, der in einer Zeit von 2:07:37 Stunden im Marathon debütierte, Mitglied des siegreichen italienischen Halbmarathon-Teams bei den Europameisterschaften in Rom.
„Für mich ist es die totale Freude, ein Traum! Ich fühle, dass sich all meine Arbeit und Geduld heute rentiert haben. Es war ein problemloses Rennen, das ich nach der Enttäuschung, die Spiele in Paris verpasst zu haben, lange vorbereitet habe“, wird Chiappinelli auf der Website des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL) zitiert. Er geht davon aus, dass Crippa sich den Marathonrekord bald zurückholen wird.
Zeitgleich mit dem Halbmarathon-Europameister in der nationalen Bestenliste ist nun Iliass Aouani, der lange Zeit eher für einen neuen italienischen Rekord in Frage kam als Chiappinelli. Aoauni lag beim Halbmarathon noch über eine halbe Minute und bis Kilometer 35 sogar fast eine ganze Minute vor seinem Landsmann. Doch während dieser sein Tempo konstant durchhalten konnte, büßte Aouani im Finale etwas an Zeit ein und fiel ziemlich genau zwei Kilometer vor dem Ziel hinter seinen Landsmann zurück.
Der neue australische Rekordhalter heißt Andrew Buchanan. Der 33-Jährige verbesserte seine persönliche Bestleistung um zweieinhalb Minuten auf eine Zeit von 2:06:22 Stunden und ist damit der erste Australier, der für die WM in Tokio qualifiziert ist. Buchanan, der bis zum Jahr 2024 international nicht aufgefallen war, ehe er über die Weltrangliste ins Olympische Starterfeld von Paris gerutscht ist, steigerte die bisherige nationale Bestleistung von Brett Robinson um über eine Minute.
Neuer Rekordhalter für Ruanda ist Felicien Muhitira mit einer Zeit von 2:06:54 Stunden. Der 30-Jährige steigerte seine persönliche Bestleistung um über drei Minuten und den Landesrekord von John Hakizimana um über eine Minute.
Keinen neuen Rekord gab es für die USA, aber Abbabiya Simbassa ist mit seiner persönlichen Bestleistung von 2:06:53 Stunden der erst vierte Amerikaner mit einer Bestleistung unter 2:07 Stunden. Auch der norwegische Rekord realisierte sich nicht. Mit Zerei Kbrom und Sondre Nordstad Moen lagen gleich zwei Aspiranten auf Kurs, beide verloren aber in der zweiten Hälfte jeweils deutlich an Zeit.
Feng Pei You verpasste den chinesischen Marathon Rekord von He Jie in 2:07:06 Stunden nur um neun Sekunden. Auch spanischen Rekord gab es keinen, nachdem Debütant Carlos Mayo in der zweiten Hälfte eingebrochen ist.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer