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Geoffrey Torotich ist der große Sieger des 50. TCS Amsterdam Marathon. Der 25-jährige Kenianer, ein Außenseiter, stürmte mit einem gewaltigen negativen Split zu einem neuen Streckenrekord von 2:03:30 Stunden und ließ eine Reihe hochdekorierter Kontrahenten deutlich hinter sich. Auch bei den Frauen gab es eine Sensation: Aynalem Desta, 21 Jahre jung, pulverisierte ihre Bestzeit um viereinhalb Minuten und gewann ein hochkarätiges Duell mit ihrer äthiopischen Landsfrau Bertukan Welde.
Der große Sieger des Tages war ein Überraschungstäter. Geoffrey Toroitich ist bis gestern keinen Marathon unter 2:05 Stunden gelaufen, es war erst sein zweiter. Überhaupt waren seine Wettkampfleistungen auf höchstem Niveau bisher eine Seltenheit, auch auf Unterdistanzen. Doch gestern erlebte der Kenianer seine Sternstunde, mit einer entfesselten Darbietung im letzten Marathon-Viertel. „Ich bin überglücklich. Ich habe mich stark gefühlt und mir gesagt: Jetzt Vollgas! Es war ein Wahnsinn!“, jubelte der Sensationssieger. Ihm gelang nicht nur der mit Abstand größte Sieg seiner noch jungen Karriere, sondern aufgrund einer phänomenalen zweiten Marathon-Hälfte auch noch ein Bonus. Mit einer Zeit von 2:03:30 Stunden, Platz vier in der Jahresbestenliste und Position 26 der ewigen Marathonbestenliste von World Athletics, brach er den Streckenrekord des Amsterdam Marathon. Und den hielt kein geringerer als Olympiasieger Tamirat Tola in einer Zeit von 2:03:39 Stunden. Dieser hätte übrigens auch in Amsterdam laufen sollen, hat seinen Start aber wegen einer Stressfraktur frühzeitig zurückgezogen.

Die Entscheidung um den Sieg im sehr stark besetzten Männerrennen fiel nach 33 Kilometern, nachdem das Feld davor bei der Rückkehr Richtung Stadtzentrum entlang der Amstel Rückenwind genoss. Gabriel Geay attackierte und sprengte die Spitzengruppe, unter anderem schied Joshua Cheptegei aus dem Kandidatenkreis für den Sieg aus. Toroitich nutzte die Situation als Rampe und konterte mit der vorentscheidenden Attacke, die ihn zu dieser grandiosen Siegesleistung führte.
Auch hinter ihm war das Niveau trotz des beachtlichen Abstandes hoch. Die Äthiopier Tsegaye Getachew und Getaneh Molla belegten in Leistungen von 2:04:18 und 2:04:19 Stunden die Positionen zwei und drei. Für den 28-jährigen Getachew, der den Amsterdam Marathon in den Jahren 2022 und 2024 gewonnen hatte, bedeutete diese Leistung eine persönliche Bestzeit um eine halbe Minute. Es war sein fünfter Marathon unter 2:06 Stunden. Der 31-jährige Mollah, 2019 mit einer Fabelzeit von 2:03:34 Stunden Sieger des Dubai Marathon, meldete sich mit dem ersten sub-2:06-Marathon seit fast sieben Jahren zurück in der Weltklasse.
Vier Wochen nach seiner frühzeitigen Aufgabe beim Berlin Marathon rettete Gabriel Geay aus Tansania seinen Marathon-Herbst 2025 mit Rang vier in einer Zeit von 2:04:36 Stunden. Auch der fünftplatzierte Joshua Cheptegei blieb noch unter 2:05 Stunden. Der Laufstar Ugandas, Olympiasieger im 5.000m-Lauf (2021) und 10.000m-Lauf (2024) sowie mehrfacher Weltmeister im 10.000m-Lauf und Crosslauf, machte den nächsten Schritt in seiner Marathon-Laufbahn, die für seine Klasse auf den Unterdistanzen etwas schleppend begann. 2023 debütierte er in Valencia mit einer Ernüchterung von 2:08:59 Stunden, in seinem zweiten Marathon gelang ihm im März in Tokio eine Zeit von 2:05:59 Stunden, dieses Mal lief er eine gute Minute schneller. Damit schob sich der 29-Jährige auf Rang drei der nationalen Bestenliste Ugandas, freilich weit hinter Jacob Kiplimo und dessen Glanzleistung vergangenes Wochenende in Chicago (siehe RunUp.eu-Bericht).
Gleich 19 Läufer unterboten bei sehr guten Marathon-Bedingungen in Amsterdam die Zeit von 2:10 Stunden, darunter auch Nils Voigt. Der 28-jährige Deutsche absolvierte seinen zweiten Karrieremarathon und verbesserte seine persönliche Bestleistung um zwei Minuten auf eine Zeit von 2:08:22 Stunden, womit er deutlich unter dem EM-Limit für Birmingham 2026 blieb. „Ich habe mich drei Monate lang gezielt darauf vorbereitet und hatte bis Kilometer 35 das Gefühl, gut im Rennen drin zu sein. Wir hatten eine schnelle, große Gruppe und lagen auf Kurs 2:07 Stunden. Dann wurde es echt hart für mich, aber ich hab den Marathon noch ganz gut ins Ziel gebracht. Ich bin zufrieden mit meiner Zeit und denke, dass ich darauf weiter aufbauen kann“, so Voigt, der nun auf Position sieben der ewigen deutschen Marathon-Bestenliste liegt. Sein Landsmann Haftom Welday gab den Wettkampf auf, genau wie vor vier Wochen beim Berlin Marathon.
Auch im Marathon der Frauen entwickelte sich ein sensationeller Rennverlauf mit einer sechsköpfigen äthiopischen Spitzengruppe, die gemeinsam die Zwischenzeit bei Kilometer 30 erreichte. Als Beste erwies sich Aynalem Desta, eine 21-jährige Äthiopierin, die einen besonderen Werdegang nimmt. Die ehemalige Hindernisläuferin hat erst vor zehn Monaten im Marathon debütiert, dabei den Malaga Marathon in einer Zeit von 2:25:10 Stunden gewonnen. Drei Minuten weniger unterwegs war sie im März beim Barcelona Marathon als Vierte, nun der erste große Erfolg. 2:17:37 Stunden, so lautet die drittschnellste Siegerzeit der Veranstaltungsgeschichte und die neue massive persönliche Bestleistung der 21-Jährigen.

Nicht viel minder besonders ist die Leistung ihrer gleichaltrigen Landsfrau Bertukan Welde, auch sie finishte ihren dritten Marathon mit einer deutlichen persönlichen Bestleistung von 2:17:56 Stunden. Alle drei ihre Karrieremarathons fallen ins Jahr 2025, die Vorleistungen sind aber bemerkenswerter als jene von Desta. Welde wurde Fünfte beim Dubai Marathon in 2:21:54 Stunden, dann gewann sie den Prag Marathon in 2:20:55 Stunden – und nun der Sprung um drei Minuten. Da ging die Leistung der völlig unbekannten Äthiopierin Mekides Shimeles fast unter. Bei ihrem Marathon-Debüt kam die Siegerin des Den Haag Halbmarathons 2025 in einer Zeit von 2:19:56 Stunden als Dritte ins Ziel.
Beste Nicht-Äthiopierin war auf Platz sieben die ehemalige Weltmeisterin Rose Chelimo, die für den Bahrain antritt, in einer Zeit von 2:22:55 Stunden. Ihr folgte, knapp drei Minuten später, die beste Europäerin des Rennens, Margaux Sieracki aus Paris. Die 26-Jährige, vor fünf Wochen Zweite bei den französischen Halbmarathon-Meisterschaften, absolvierte ihren allerersten Marathon in mehr als respektablen 2:25:50 Stunden. Damit schob sie sich auf Position sechs der ewigen französischen Marathon-Bestenliste. Bei den Männern war der Brite Philip Sesemann als Zehnter bester Europäer mit einer persönlichen Bestzeit von 2:07:18 Stunden.

Im Rahmen des Amsterdam Marathon wurden die holländischen Meisterschaften ausgetragen. Routinier Khalid Choukoud gewann den Titel zum vierten Mal – und das standesgemäß. Die Leistung von 2:08:00 Stunden war die bereits sechste unter 2:10 Stunden in seiner Karriere und die zweitschnellste Zeit. „Das war einer meiner besten Marathons, ich bin überglücklich und ziehe daraus großes Selbstvertrauen“, so der am Ende auf Position 13 einlaufende Lokalmatador.
Bei den Frauen ging der Titel an Anne Luijten in einer Zeit von 2:28:28 Stunden, es ist die zweitbeste ihrer Karriere. „Ich bin super stolz!“, sagte die 31-Jährige nach der Zielankunft im alt ehrwürdigen Olympiastadion der holländischen Hauptstadt. Das Besondere an ihrer Leistung: Lujiten lief erst vor fünf Wochen einen starken WM-Marathon in Tokio, den sie auf Platz 17 beendet hat. Eine starke Leistung lieferte auch Silbermedaillengewinnerin Jill Holterman mit einer persönlichen Bestleistung von 2:29:02 Stunden ab. Bronze gewann Mikky Keetels, die mit einer sehr mutigen Angangsart 30 Kilometer lang vor Luijten und Holterman gelaufen ist.
Zum 50. Mal fand am gestrigen Sonntag der Amsterdam Marathon und damit einer der beiden großen holländischen Marathonläufe neben dem Rotterdam Marathon statt. Zum großen Jubiläum reisten laut Veranstalterangaben bis zu 60.000 Aktive zum Marathon-Wochenende nach Amsterdam, knapp die Hälfte für die Marathon-Distanz. In der Ergebnisliste finden sich 23.323 Marathonläufer:innen.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © TCS Amsterdam Marathon / Le Champion