Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter
Im November hat Catalin Tecuceanu das Dokument erhalten, auf das er fast vier Jahre lang gewartet hat, weil er seit damals ein Jahrzehnt lang in Italien lebt: die italienische Staatsbürgerschaft. Wäre sie früher in seinen Besitz geraten, wäre das für…


Im November hat Catalin Tecuceanu das Dokument erhalten, auf das er fast vier Jahre lang gewartet hat, weil er seit damals ein Jahrzehnt lang in Italien lebt: die italienische Staatsbürgerschaft. Wäre sie früher in seinen Besitz geraten, wäre das für eine österreichische Laufplattform lediglich eine Randnotiz gewesen. Doch der 22-Jährige, der 2008 mit seinen Eltern und seinen Geschwistern nach Norditalien gekommen ist, ist einer der Aufsteiger des vergangenen Jahres im europäischen 800m-Lauf und hat sich ein halbes Jahr vor den Europameisterschaften in München in den Kreis der potenziellen Finalteilnehmer gearbeitet. Seine persönliche Bestleistung und rumänischer Rekord liegen bei einer Zeit von 1:44,93 Minuten. Für den italienischen Leichtathletik-Verband (FIDAL) ist der Neuzugang ein Gewinn. „Ich fühle mich als Italiener, hier leben meine Freunde und meine Familie, hier bin ich groß geworden. Ich habe lange auf diesen Moment gewartet und spüre große Emotionen“, hatte Tecuceanu bei der offiziellen Einbürgerung gesagt. Der Bürgermeisterin der Gemeinde Trebaseleghe zwischen Padua und Venedig stand der pure Stolz ins Gesicht geschrieben.
Tecuceanu wartete mit viel Geduld auf die Staatsbürgerschaft, die ihm seit drei Jahren zugesichert wurde. Den rumänischen Verband verärgerte er, weil er eine Nominierung für die U23-Europameisterschaft im Sommer 2021 ausschlug. Dort gewann sein jetziger Landsmann Simone Barontini die Goldmedaille, doch die Hackordnung in Italiens 800m-Welt ist klar. Tecuceanu ist die Nummer eins, Barontini die Nummer zwei.
Tecuceanu ist gemeinsam mit Anna Arnaudo, zweitstärkste U23-Läuferin Italiens und Teil des siegreichen Teams in der Nationenwertung der Altersklasse U23 bei der Crosslauf-EM 2021, das Gesicht des Projekts „Io credo in te“ (Ich glaube an dich) vom zweifachen Sieger des New York City Marathon, Orlando Pizzolato (1984 und 1985). Die vom italienischen Verband unterstützte Initiative richtet sich gezielt an junge Mittelstreckentalente und versucht, die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen, um ihre Potenziale besser zu nützen.
Das Selbstbewusstsein des 22-Jährigen ist besonders aufgrund der starken Saison 2021 groß. Für erste internationale Furore will er bereits bei den Hallen-Weltmeisterschaften von 18. bis 20. März in Belgrad sorgen. Für positive Stimmung sorgte eine neue nationale Bestleistung über 500m am vergangenen Sonntag in Padua. Am morgigen Donnerstagabend erfolgt bei der Czech Indoor Gala in Ostrava, einem Meeting der World Athletics Indoor Tour (Silber), der erste internationale Auftritt als Italiener. Dass dort seine bisher eher bescheidene Hallen-Bestzeit von 1:48,06 Minuten fällt, ist wahrscheinlich. Tecuceanu ist im Feld rund um die starken Lokalmatadoren Filip Snejdr, Lukas Hodbod und Tomas Vystrk sowie dem Kenianer Noah Kibet ein Mitfavorit auf den Sieg.
Die zweite Laufentscheidung der Männer im Programm der Czech Indoor Gala ist der 1.500m-Lauf der Männer mit einem der stärksten Hallenläufer der letzten Zeit in der Startliste. Elliot Giles, im Hauptberuf 800m-Spezialist, wechselt wie bereits regelmäßig auf die 1.500m. Mit Piers Copeland ist ein zweiter starker Brite am Start, dazu kommt der Belgier Ismael Debjani als Kandidat für eine Topplatzierung. Stärkster Tscheche im Rennen ist Jan Fis.
Für die Läuferinnen ist ein 1.500m-Lauf vorgesehen, in dem die Chancen auf einen Heimsieg die größten im Laufbereich sind. Kriistina Mäki, Olympia-Finalistin und tschechische Rekordhalterin im Freien, und Diana Mezulianikova führen das Feld nach der Absage der Äthiopierin Axumawit Embaye an. Wie sehr die 30-jährige Mäki in ihrer Heimat an Popularität zugelegt hat, zeigt die Tatsache, dass sie auf der Veranstaltungswebsite als Aushängeschild präsentiert wird. Die stärkste Konkurrenz für die Lokalmatadorinnen kommt aus Großbritannien mit 800m-Spezialistin Adelle Tracey und Revee Walcott-Nolan.
Österreichische Läufer sind in diesem Jahr keine am Start. Andreas Vojta (team2012.at), der in den letzten oft da war, fehlt in diesem Jahr, weil er seinen Fokus auf den Straßenlauf-Frühling legt. Dafür sind in den Sprintbewerben mit Markus Fuchs, Magdalena Lindner und Susanne Walli gleich drei rot-weiß-rote Athleten am Start.