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Tigist Gezahagn – der Champion mit Handicap

Die zweifache Paralympics Siegerin Tigist Gezahagn hat drei Marathons hintereinander gewonnen. Das ist eine starke Botschaft für die Inklusivität des Marathons.
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Der Vienna City Marathon ist Teil einer einzigartigen Geschichte. Tigist Gezahagn ist erfolgreiche Behindertensportlerin und Marathon Champion. Dreimal lief sie binnen sechs Monaten als Erste über eine Marathonziellinie: in Ljubljana, Doha, und Wien. Trotz erheblicher Einschränkungen ihres Sehvermögens. Doch die Äthiopierin ist eine Kämpferin, die ein normales Profisportlerinnenleben führen möchte.

Wenn ihr Manager Tadesse Abraham Tigist Gezahagn präsentieren möchte, wird er künftig ein Ereignis gleich anführen: Siegerin des Vienna City Marathon 2026 in Streckenrekord von 2:20:06 Stunden. Das alles wäre an sich schon substanzhaltig genug für eine tolle Marathonstory, doch hinter der Persönlichkeit der 26-Jährigen steht Einzigartiges. Sie ist sehbehindert und hat zweimal Gold bei Paralympischen Spielen gewonnen. Aber es war ihr wichtig, den Weg in den offenen Sport zu finden. Der Marathon bot die richtige Bühne dafür, nun ist sie ein Star. Mit einzigartigem Background.

Stark eingeschränktes Sehvermögen

Tigist Gezahagn ist im bäuerlichen Umfeld im Dorf Ilani Kersa in der Region Amhara in Äthiopien aufgewachsen, ihre Familie hat keinen Bezug zum Laufsport. Sie selbst entdeckte ihre Leidenschaft zum Laufen bei Schulwettkämpfen in der Heimatregion. Ihre Schulkarriere fand ein frühes Ende, weil sie nicht genug sah.

Gezahagn erinnert sich, dass es irgendwann im vierten Lebensjahr passierte, dass sie ihre Fähigkeit zu sehen, massiv einbüßte. „Irgendwann hab ich kaum etwas mehr gesehen. Ich war in medizinischer Behandlung und wurde 2013 operiert. Das hat es sich verbessert und ich konnte wieder laufen“, erzählt sie. Doch ein Rückfall beendete ihre sportlichen Ambitionen vorerst. Neuerliche medizinische Betreuung optimierten den zwischenzeitlichen Zustand wieder. „Auch heute ist mein Sehvermögen nicht stabil, besonders nicht auf dem linken Auge“, stellt die 26-Jährige im Interview mit Jörg Wenig (Race News Service) klar. Erkennen kann sie kaum etwas, nur das, was direkt vor ihren Augen ist.

Tigist Gezahagn mit ihrem Manager Tadesse Abraham. © VCM/ Jenia Symonds

Selbstredend ist das im Marathonlauf – und erst recht bei der Geschwindigkeit, die sie läuft – ein enormer Nachteil. Dank der hervorragenden Leitung durch ihren Tempomacher gelang der Streckenrekordlauf durch Wien am gestrigen Sonntag reibungslos. „Mir ist das Herz stehen geblieben, als Haftamnesh Tesfaye ihr auf die Ferse gestiegen ist. Es war eine Erleichterung, dass sie nicht gestürzt ist“, erzählt ihr Manager Tadesse Abraham. „Alleine mit ihrem Sehvermögen problemlos allen Straßenbahnschienen auszuweichen, ist eine grandiose Leistung!“ Der Schweizer, ehemals selbst Marathonläufer und noch immer nationaler Rekordhalter, sucht nach Möglichkeiten, seinem Schützling in Europa bessere medizinische Behandlungen zu ermöglichen.

Entwicklung soll weiter gehen

Ihre Eltern waren gegen eine Laufkarriere. Sie hätten Angst gehabt, dass sie bei einem Lauf im Wald stürzen und sich verletzen könnte, erzählt die VCM-Siegerin. „Aber die Idee einer Teilnahme an den Paralympics von Tokio unterstützen sie.“ Nach dem zweiten Paralympics Sieg in Paris wechselte Gezahagn in die Trainingsgruppe von Getamesay Molla nach Addis Abeba. Sie wolle ein normales Leben führen, betont sie. Im Alltag genießt sie tatkräftige Unterstützung von Teamkolleginnen, im Training von Pacemakern.

„Ich hätte mir nie gedacht, dass ich im Marathon so erfolgreich sein würde. Aber die Arbeit im Training hat mich in diese Entwicklung geführt. Und jetzt will ich natürlich noch schneller laufen beim nächsten Marathon“, blickte die Äthiopierin optimistisch in die Zukunft. Ihr Manager traut ihr eine Zeit von 2:17 Stunden zu. „Unsere Herausforderung bleibt, das richtige Rennen zu finden“, unterstreicht er. Der VCM war ein perfekter Event, weil die Betreuung seiner Athletin optimal war, lobt er.

Autor: Thomas Kofler
Quelle: Race News Service
Bilder: © VCM / Roman Pfeiffer / Jenia Symonds

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