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Topstars Obiri und Lemma Boston-Champions

Die Kenianerin Hellen Obiri und der Äthiopier Sisay Lemma sind ihren Favoritenrollen beim Boston Marathon 2024 gerecht geworden. Beide verdienten ein Preisgeld von 150.000 US-Dollar.
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Die Kenianerin Hellen Obiri und der Äthiopier Sisay Lemma sind ihren Favoritenrollen beim Boston Marathon 2024 gerecht geworden. Obiri setzte sich in einer Zeit von 2:22:37 Stunden mit acht Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Sharon Lokedi durch. Lemma belohnte sich für einen mutigen und beeindruckenden Alleingang. Die beiden Champions verdienten sich ein Preisgeld in Höhe von 150.000 US-Dollar (das entspricht rund 141.000 Euro).

Historischer Erfolg für Obiri

Hellen Obiri ist die erste Läuferin seit Catherine Ndereba vor 19 Jahren, die zwei aufeinanderfolgende Ausgaben des Boston Marathon gewinnen konnte. Die 34-Jährige, ehemalige Dominatorin auf der 5.000m-Strecke auf der Bahn (zwei WM-Titel), dazu auch Crosslauf-Weltmeisterin 2019, ist gegenwärtig eines der absoluten Asse im Marathon. Nach ihrem Umzug vor zwei Jahren von Kenia nach Colorado unter die Fittiche von On-Starcoach Dathan Ritzenhein, ein ehemaliger amerikanischer Marathonläufer, jubelte Obiri nur bei ihrem Marathon-Debüt 2022 in New York nicht. Diese Premiere diente dem Sammeln von Erfahrung.

Seither gewann die Kenianerin die Klassiker in Boston, New York und wieder Boston in Serie. Obwohl Obiris Bestleistung fast zehn Minuten hinter dem Weltrekord liegt, weil weder in New York noch in Boston Tempomacher zum Einsatz kommen und beide Strecken sehr hügelig sind, zählt die Kenianerin im Falle einer erwartbaren Nominierung durch den kenianischen Verband zu den heißesten Anwärterinnen auf den Olympiasieg im Sommer. Auch, weil die Olympische Marathonstrecke von Paris mit dem Anstieg zum Schloss Versailles als sehr anspruchsvoll gilt – auf selektivem Terrain hat Obiri, wie skizziert, beste Erfahrungen gesammelt.

Mit Vollgas Richtung Ziellinie

Außerdem hat Hellen Obiri sichtlich ihre taktischen Stärken in Marathons, in denen die Entscheidung gegen Ende eines Wettkampfs fällt, in dem das Tempo lange Zeit nicht ganz am Anschlag ist. Also in der Entscheidung Frau gegen Frau. So hat Obiri im November den New York City Marathon gewonnen, so gewann sie vergangenen Montag den Boston Marathon. Besonders beeindruckend, auch wenn die Streckenführung teilweise abschüssig ist: Von der Zwischenzeit bei Kilometer 35 bis zu jener bei Kilometer 40 brauchte Obiri nur 15:06 Minuten (3:01 km/min)! Das ist, übrigens, 40 Sekunden schneller als der ÖLV-Rekord im 5km-Straßenlauf. In dieser Phase reduzierte Obiri die Spitzengruppe von zwölf Läuferinnen auf einen hochspannenden und hochklassigen Zweikampf mit ihrer Landsfrau Sharon Lokedi.

Von ihrem Trainer Dathan Ritzenheim bekam die Siegerin ein großes Lob: „Hellen stand unter großem Leistungsdruck. Diesen Druck hat sie in die Vorbereitung und ihre Leistung auf der Strecke gesteckt. Ich könnte nicht stolzer auf sie und ihre heutige Leistung sein. Hellen ist wirklich eine Legende und wir sind sehr froh, sie im Team zu haben.“ (vgl. Presseaussendung von On)

Oldie, but Goldie

Sharon Lokedis Werdegang ist abgesehen von fehlenden Erfolgen auf den Unterdistanzen ein ähnlicher wie von Obiri. Sie lebt bereits seit vielen Jahren in den USA und hat bisher wie Obiri lediglich Marathon-Erfahrung bei den Traditionsveranstaltungen in New York und Boston. Ihren ersten Marathon in New York 2022 gewann sie, damals als erste Major-Siegerin ihres Ausrüsters Under Armour überhaupt. Auch ihren dritten Marathon finishte sie unter den besten Drei und wies neuerlich nach, zu den stärksten Läuferinnen Kenias zu gehören.

Die Sensation des Tages lieferte aber die drittplatzierte Edna Kiplagat. Im Alter von sage und schreibe 44 Jahren hielt die ehemalige, zweifache Weltmeisterin prächtig mit ihren jungen Rivalinnen mit und belegte in einer Endzeit von 2:23:21 Stunden den dritten Platz. Vor drei Monaten erst ist die Kenianerin ihre Bestleistung im Halbmarathon gelaufen. Sie hat den Boston Marathon bereits zweimal gewonnen: 2017 real, 2021 erbte sie den Sieg durch die Doping bedingte Disqualifikation ihrer Landsfrau Diana Kipyokei. Auch damals gehörte Kiplagat bereits nicht mehr zu den „jungen Wilden“.

Ein prominentes Marathon-Debüt

2011 war die US-Amerikanerin Jennifer Simpson Weltmeisterin im 1.500m-Lauf, zwei weitere WM-Medaillen und die Olympische Bronzemedaille von Rio 2016 zieren eine glänzende Mittelstrecken-Karriere. Am Patriot’s Day, traditioneller Austragungstag des Boston Marathon, feierte die 37-Jährige ihre Premiere im Marathon und finishte in einer Zeit von 2:31:03 Stunden. Damit war Simpson die viertbeste US-Amerikanerin hinter Emma Bates auf Rang zwölf sowie den Routiniers Sara Hall, die am Renntag ihren 41. Geburtstag feierte, und Desiree Linden, die den legendären Boston Marathon 2018 bei heftigen Regenschauern und Sturm gewinnen konnte.

So weit hinten lagen die besten US-Amerikanerinnen beim Boston Marathon laut „Let’s Run.com“ zuletzt 2010 – was auch daran liegt, dass die besten US-Läuferinnen erst vor kurzem die Olympia Trials gelaufen sind und damit für einen Boston-Start nicht in Frage kamen. Bates musste dort verletzungsbedingt passen.

Ergebnisse Boston Marathon 2024 der Frauen
1. Hellen Obiri (KEN) 2:22:37 Stunden
2. Sharon Lokedi (KEN) 2:22:45 Stunden
3. Edna Kiplagat (KEN) 2:23:21 Stunden
4. Buze Diriba (ETH) 2:24:04 Stunden
5. Senbere Teferi (ETH) 2:24:04 Stunden
6. Mary Ngugi (KEN) 2:24:24 Stunden
7. Workenesh Edesa (ETH) 2:24:47 Stunden
8. Fatima Gardadi (MAR) 2:24:53 Stunden
9. Tiruye Mesfin (ETH) 2:24:58 Stunden
10. Dera Dida (ETH) 2:25:16 Stunden

15. Sara Hall (USA) 2:27:58 Stunden
16. Desiree Linden (USA) 2:28:27 Stunden
18. Jenny Simpson (USA) 2:31:03 Stunden

Die Nummer eins ist die Nummer eins

In der „Road to Paris“, der Qualifikationsliste für die Olympischen Spiele von Paris, ist Sisay Lemma dank seines Erfolgs beim Valencia Marathon 2023 in 2:01:48 Stunden die Nummer eins. Der erfahrene Äthiopier hat seiner beeindruckenden Vita einen weiteren grandiosen Erfolg hinzugefügt: Neun Jahre, nachdem er als Sieger des Vienna City Marathon am Heldenplatz eingelaufen ist, gewann der 33-Jährige als erster Äthiopier seit acht Jahren den Boston Marathon – und das respektabel in einer Zeit von 2:06:17 Stunden. Den guten Bedingungen mit Sonnenschein, leichtem Rückenwind und etwas hohen Temperaturen sowie seiner Klasse sei Dank ist es die viertschnellste Siegerzeit der Veranstaltungsgeschichte.

Sisay Lemmas Erfolge

Der Triumph beim Boston Marathon 2024 war sein zweiter bei einem World Marathon Major nach dem London Marathon 2021. Er ist aufgrund des Rennverlaufs wohl der herausragende seiner Karriere, auch der Sieg in Valencia mit Streckenrekord von 2:01:48 Stunden im vergangenen Dezember imponiert.

Den ersten großen Erfolg seiner Laufbahn feierte Sisay Lemma 2015 beim Vienna City Marathon, ein halbes Jahr später gewann er den Frankfurt Marathon. Seit damals gehört er zur absoluten Weltklasse, er erzielte mehrfach Top-Platzierungen bei den größten Marathonläufen der Welt. Nur beim Olympischen Marathon 2021 gelang ihm keine Sternstunde, er musste das Rennen bei hohen Temperaturen früh aufgeben. Beim Boston Marathon hatte Lemma bisher nur schlechte Erfahrung gesammelt. Nach dem Motto „Alle guten Dinge sind Drei“ klappte dieses Mal alles bestens.

Ein mehr als beeindruckender Start-Ziel-Sieg

Der Routinier, der seinen 28. (!) Marathon bestritt, wählte eine andere Heransgehensweise als Obiri und setzte auf ein hohes Tempo von Beginn an. Damit setzte er sich rasch vom Rest des Feldes ab und erreichte die Halbmarathon-Zwischenzeit in abenteuerlichen 1:00:19 Stunden. Damit lag er über eineinhalb Minuten unter der Durchgangszeit beim Streckenrekord von Geoffrey Mutai 2011, damals ein legendäres Rückenwindrennen.

Zeitweise hatte der äthiopische Solist fast drei Minuten Vorsprung auf seine Verfolger. „Es war die richtige Taktik um das Rennen zu gewinnen“, meinte Lemma nach dem Rennen. „Aber ab Kilometer 30 wurde es hart, vor allem bergab.“ 41 Sekunden Abstand zum Überraschungszweiten Mohamed Esa aus Äthiopien reichten für einen besonderen Triumph in der reichhaltigen Geschichte des Boston Marathon. Der drittplatzierte Evans Chebet brauchte 2:07:22 Stunden von Start bis ins Ziel und verpasste damit den dritten Sieg in Folge in Boston.

Bester Deutscher war der deutsche Meister Lorenz Baum auf Platz 23 (2:16:51), seine von einer Erkältung geschwächte Landsfrau Fabienne Königstein musste noch vor Halbzeit des Rennens aufgeben.

Ergebnisse Boston Marathon 2024 der Männer
1. Sisay Lemma (ETH) 2:06:17 Stunden
2. Mohamed Esa (ETH) 2:06:58 Stunden
3. Evans Chebet (KEN) 2:07:22 Stunden
4. John Korir (KEN) 2:07:40 Stunden
5. Albert Korir (KEN) 2:07:47 Stunden
6. Isaac Mpofu (ZIM) 2:08:17 Stunden
7. CJ Albertson (USA) 2:09:53 Stunden
8. Yuma Morii (JPN) 2:09:59 Stunden
9. Cybrian Kotut (KEN) 2:10:29 Stunden
10. Zouhair Talbi (MAR) 2:10:45 Stunden
11. Shura Kitata (ETH) 2:10:52 Stunden
12. Sondre Nordstad Moen (NOR) 2:11:18 Stunden
13. Suguru Osako (JPN) 2:11:44 Stunden

Zehn Jahre nach einer Sternstunde

Für ein US-amerikanisches Achtungszeichen sorgte CJ Albertson, der als Siebter erstmals in seiner Karriere unter 2:10 Stunden blieb. Die zweite große US-Geschichte des Tages war der Start des ehemaligen Topläufers Meb Keflezighi. Zehn Jahre, nachdem er mit einem bemerkenswerten Frontrun als Solist den Boston Marathon gewann, kehrte der mittlerweile 48-Jährige nach Boston zurück und finishte den Marathon in 3:08:58 Stunden.

Der Klassiker

Der Boston Marathon, der 1897 seine Premiere feierte, ist der älteste, jährlich durchgeführte Marathonlauf der Welt. Er ist auch der einzige, für den sich die Teilnehmer*innen über Leistungen bei anderen Marathonläufen qualifizieren müssen. Die legendäre Strecke führt von der Kleinstadt Hopkington im Hinterland von Boston über einige Hügel – der berühmteste Anstieg ist der „Heartbreak Hill“ – und die anschließende Bergabpassage in die Küstenmetropole. Als Punkt-zu-Punkt-Strecke mit Gefälle kann sie allerdings keine Leistungen für die offiziellen Rekordlisten von World Athletics liefern. Bei der 128. Auflage des Boston Marathon waren 26.596 Marathon-Begeisterte an der Startlinie.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © On

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