Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Trotz strömenden Regens produzierte der Kopenhagen Halbmarathon am vergangenen Sonntag Spitzenzeiten im Elitefeld. Nicholas Kipkorir feierte in einer Zeit von 58:23 Minuten seinen ersten Halbmarathonsieg. Likina Amebaw verbesserte sogar den Streckenrekord auf eine Zeit von 1:04:44 Stunden.
Regennasse Straßen haben eine große Tücke: Fahrbahnmarkierungen werden verdammt rutschig. Sicherlich war Nicholas Kipkorir das schon vorher bewusst, er musste am Sonntag trotzdem eine schmerzhafte Lehrsekunde durchmachen. Nach einem Renndrittel rutschte er auf einer Fahrbahnmarkierung aus und stürzte. Aber er gab nicht auf, kämpfte sich geduldig in die Spitzengruppe zurück und gestaltete den Halbmarathontag in der dänischen Hauptstadt mit einem Happyend für sich aus.
Der Sieg bei der zehnten Ausgabe der wichtigsten Laufveranstaltung Dänemarks in einer Zeit von 58:23 Minuten ist der erste in seinem fünften Halbmarathon – und noch dazu mit einer klaren persönlichen Bestzeit versehen. Im Endspurt nur knapp das Nachsehen hatte sein Landsmann Vincent Langat (58:24), Isaia Lasoi war in 58:49 Minuten der drittschnellste Kenianer von sechs, die die Rangliste anführten. Auch im letzten Jahr finishte Lasoi als Dritter, war aber deutlich näher an der Siegerzeit von Weltmeister Sebastian Sawe, kommenden Sonntag Star des Berlin Marathon, dran (damals 58:05).
„Ich bin überglücklich mit diesem Sieg und gleichzeitig überrascht, dass das nach meinem Sturz noch möglich war. Den ganzen restlichen Wettkampf über hatte ich Sorge, noch einmal auszurutschen. Aber ich habe trotzdem voll gepuscht“, freute sich der 26-Jährige. Nicholas Kipkorir galt vor einigen Jahren als das aussichtsreichste Langstreckentalent Kenias, um an die internationalen Erfolge auf der Bahn anzuknüpfen. Er verpasste im Olympischen Finale von Tokio als Vierter nur knapp eine Medaille, gewann zwei Diamond-League-Rennen, darunter das Finale 2022 im 5.000m-Lauf, und jubelte über Bronze im 5km-Straßenlauf bei der Straßenlauf-WM 2023 in Riga. Auch im Crosslauf fehlte 2024 bei den Weltmeisterschaften nur wenig auf Edelmetall.
Noch im Frühling kündigte der 26-Jährige in kenianischen Medien an, sich voller Elan auf die Weltmeisterschaften in Tokio vorzubereiten, um das kenianische Nationalteam auf den Langdistanzen schlagkräftig zu halten. Bevor sich in diesem Bereich in Tokio eher ein kenianisches Debakel ankündigt, erlebte erst Kipkorir zwei sportliche Debakel: Er verfehlte bei den Trialrennen sowohl über 10.000m als auch 5.000m seine Ziele und entschied sich kurzfristig, an erste Halbmarathon-Erfahrungen anzuknüpfen. Mit Erfolg, wie Kopenhagen, parallel zu den Weltmeisterschaften von Tokio, zeigte.
Likina Amebaw ist die erste Läuferin, die jemals in Kopenhagen eine Halbmarathonzeit unter 1:05 Stunden erreichte. Die Äthiopierin blieb 24 Sekunden unter dem bisherigen Streckenrekord ihrer Landsfrau Tsehay Gemechu. Um diesen Erfolg in 1:04:44 Stunden zu zelebrieren, musste die Außenseiterin sich gegen starke Kontrahentinnen durchsetzen. Sie ließ Boston-Marathon-Siegerin Sharon Lokedi, die ihre persönliche Bestleistung um über zwei Minuten auf eine Zeit von 1:05:00 Stunden senkte, und die ehemalige Weltrekordhalterin Joyciline Jepkosgei, die heuer in beeindruckender Weise den Barcelona Halbmarathon gewinnen konnte und in Kopenhagen hinter Überraschungsläuferin Wede Kefale nur Vierte wurde, hinter sich. Jepkosgei konnte überraschend früh dem Tempo der Spitze nicht mehr folgen.
Amebaw ist in Äthiopien geboren, lebt und trainiert aber seit einigen Jahren in Spanien, wo sie sich als Crossläuferin einen Namen gemacht hat. In den letzten Jahren steigerte sie ihre Leistungsfähigkeit auch auf der Bahn und im Straßenlauf. Ihre Bestrebungen, die spanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, haben noch nicht gefruchtet. Eine Halbmarathonzeit von 1:04:44 Stunden wäre Europarekord.
Für ein europäisches Highlight sorgte Fearghal Curtin, der in einer Zeit von 1:00:22 Stunden den irischen Halbmarathonrekord verbesserte. Mit dem mit Abstand besten Resultat seiner Laufbahn verbesserte er den bisherigen Rekord, den sich Efrem Gidey und Hiko Tonosa teilten, um 29 Sekunden. Mit dieser Leistung war der 26-Jährige zweitbester Europäer hinter dem Briten Patrick Dever. 10.000m-U23-Europameister Joel Ibler Lillesö finishte in einer Zeit von 1:02:31 Stunden und setzte mit seinem Halbmarathon-Debüt das dänische Highlight des Tages.
Bei den Frauen war Marta Galimany aus Spanien als Zwölfte die beste Europäerin. Vor ihr kamen auch drei US-amerikanische Eliteläuferinnen ins Ziel, die sich für spannende Marathon-Aufgaben in der Heimat vorbereiten.
Der Kopenhagen Halbmarathon ist mit der Austragung der Halbmarathon-WM 2014 geboren und hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten und prestigeträchtigsten Halbmarathonläufe Europas entwickelt. Beim Jubiläum der zehnten Ausgabe feierte der Veranstalter einen neuen Teilnahmerekord mit 32.000 Anmeldungen.
Der Kopenhagen Halbmarathon ist, gemeinsam mit den Halbmarathons in Lissabon, Prag, Berlin, Cardiff und Valencia, Teil der selbsternannten Super Halfs. 2026 ist der Kopenhagen Halbmarathon in die mit Spannung erwartete Austragung der Straßenlauf-Weltmeisterschaften in der dänischen Hauptstadt eingebunden.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © CPH Half / Sparta Billeder