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Delia Sclabas ist der Jakob Ingebrigtsen bei den Juniorinnen. Wie das norwegische Ausnahmetalent am Tag davor sicherte sich die begabte Schweizerin bei ihrem zweiten Finalauftritt in Tampere die zweite Medaille. Wie bereits über 800m lief Sclabas auch im Finale über…


Delia Sclabas ist der Jakob Ingebrigtsen bei den Juniorinnen. Wie das norwegische Ausnahmetalent am Tag davor sicherte sich die begabte Schweizerin bei ihrem zweiten Finalauftritt in Tampere die zweite Medaille. Wie bereits über 800m lief Sclabas auch im Finale über 1.500m als Dritte über die Linie und sicherte sich im Kampf gegen den wie üblich afrikanisch-dominierten Laufsport einen weiteren europäischen Lichtblick. „Es ist unglaublich, dass ich hier zwei Medaillen gewonnen habe. Mein Traum ist erneut wahr genommen“, jubelte die 17-Jährige. „Mit meiner persönlichen Bestzeit war ich die fünftschnellste Läuferin im Feld und ich wusste, dass ich hart würde kämpfen müssen, wenn ich wieder eine Medaille will. Nun bin ich sehr glücklich, dass mein Plan aufgegangen ist.“
Es war bereits die vierte Bronzemedaille für den Schweizer Leichtathletik-Verband (Swiss Athletics) in Tampere, eine neue Bestleistung bei Junioren-Weltmeisterschaften. Bisher hatte die Schweiz überhaupt erst sechs Junioren-WM-Medaillen gewonnen, darunter hoch dekorierte Läufer wie Andre Bucher und Anita Weyermann. Auch im 800m-Lauf der Junioren gab es eine Bronzemedaille für einen europäischen Läufer.
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Wie bereits im 800m-Finale wählte Delia Sclabas eine offensive taktische Herangehensweise. Während sich die äthiopische Favoritin Alemaz Samuel untypischerweise ganz hinten einordnete, übernahm die Eidgenossin vom Start weg die zweite Position hinter der am Ende neuntplatzierten Kanadierin Jocelyn Chau ein. Sclabas hielt die zweite Position auch, als sich nach 500m die am Ende achtplatzierte Neuseeländerin Katrina Robinson nach vorne drängte. Nach 700 Metern, als sie noch genau zwei Runden von der Ziellinie trennte, forcierte Sclabas und nahm das Zepter in die Hand.
Sofort ging eine kleine Lücke auf, weil die Favoritinnen zu weit hinten platziert waren und erst mit Verzögerung aufschließen konnte. Der vorletzte Umlauf, den Sclabas in einer Zeit von 1:04,10 Minuten absolvierte (Miriam Cherop als Schnellste in 1:03,45), brachte die taktische Ausgangsposition für Sclabas’ Erfolg. Die Kenianerin Edina Jebitok, im Vorjahr Dritte bei den Jugend-Weltmeisterschaften in Nairobi, als Sclabas wie alle Schweizer Leichtathleten auf eine Anreise verzichtet hatten, und die äthiopische Junioren-Meisterin Dinke Firdisa (noch vor Samuel) hatten zu viel Kraft aufgewendet, die im Finale fehlte. Dagegen konnte die Schweizerin zulegen, als Alemaz Samuel 450 Meter vor dem Ziel mit Miriam Cherop an die Spitze ging und forcierte. Neben Sclabas, die in Arizona auf das College geht, absolvierten nur Samuel und Cherop in den Top-7 die letzte Runde schneller als die Vorletzte. In einer Zeit von 4:11,98 Minuten, nur zwei Sekunden langsamer als der „Hausrekord“, gewann Sclabas Bronze.

Im Kampf um die Goldmedaille übernahm Alemaz Samuel die Initiative und setzte sich in einer Zeit von 4:09,67 Minuten mit gut einer Sekunde Vorsprung auf Cherop durch. Damit endete diese Entscheidung mit einem Favoritensieg, denn die 19-jährige Samuel hat zum Start der Diamond-League-Saison in Doha mit einer persönlichen Bestleistung von 4:01,78 Minuten aufhorchen lassen, womit sie mit acht Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Firdisa die Meldeliste angeführt hatte. Es ist der dritte äthiopische Erfolg in dieser Disziplin in Serie. „Ich war ein leichter Sieg für mich, ich hätte mir ein härteres Rennen erwartet“, analysierte die Siegerin rotzfrech, während die Konkurrenz ans Limit gegangen war.
Hervorzuheben ist auch der vierte Platz der Portugiesin Mariana Machado, die schon im Vorlauf mit einer bemerkenswerten Darbietung überzeugen und wie Sclabas jeweils eine Kenianerin und eine Äthiopierin hinter sich lassen konnte. Nimmt man Sarah Healey, frisch gebackene Jugend-Europameisterin dazu, haben die jungen Europäerinnen in den letzten Wochen über die „metrische Meile“ einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Zum dritten Mal in Folge kommt der Junioren-Weltmeister im 800m-Lauf aus Kenia. Solomon Lekuta, der als Favorit galt, begann mit hohem Tempo. Anfangs der zweiten Runde übernahm jedoch sein Landsmann Ngeno Kipngetich, der 200 Meter vor dem Ziel attackierte. Etwas zu früh, um zu gewinnen. Denn der 17-Jährige wurde noch von seinem Landsmann abgefangen, freute sich jedoch über Silber und eine persönliche Bestleistung von 1:46,45 Minuten. Den kenianischen Doppelsieg führte Lekuta in 1:46,35 Minuten an. Der Sieg war am Ende klarer, als es der Zeitunterschied von 0,1 Sekunden vermuten lassen würde. „Es war richtig heiß heute. Ich habe mich gut auf dieses Rennen vorbereitet und bin überglücklich mit der Goldmedaille, die ich meinen Eltern widme“, kommentierte der neue Junioren-Weltmeister.
Ein Ringen am grünen Tisch gab es im Kampf um die Bronzemedaille. Oussama Cherrad aus Algerien hatte im Endspurt von Bahn eins auf Bahn drei gewechselt, um den auf den letzten Metern flinken Belgier Eliott Crestan zu behindern. Das ist jedoch nicht erlaubt, weswegen der Nordafrikaner nach dem Protest des belgischen Verbandes disqualifiziert wurde. Daher „erbte“ Crestan, der im Halbfinale einen belgischen Junioren-Rekord aufgestellt hatte, die Bronzemedaille in einer Zeit von 1:47,27 Minuten. Noch größeres Glück als beim Jury-Urteil hatte der 19-Jährige Ende der ersten Runde, als der Brite Markhim Lonsdale Cherrad auf den Fuß trat und spektakulär zu Sturz kam. Geistesgegenwärtig konnte der Belgier über den Briten drüber springen und sein Rennen ohne große Probleme weiterführen. Der Äthiopier Adisu Girma lief eine persönliche Bestleistung von 1:47,58 Minuten, blieb aber als Vierter ohne Medaille.
Redaktionelle Mitarbeit: René van Zee
Gold: Alemaz Samuel (Äthiopien) 4:09,67 Minuten
Silber: Miriam Cherop (Kenia) 4:10,73 Minuten
Bronze: Delia Sclabas (Schweiz) 4:11,98 Minuten
4. Mariana Machado (Portugal) 4:14,93 Minuten
5. Edina Jebitok (Kenia) 4:15,17 Minuten
6. Dinke Firdisa (Äthiopien) 4:17,42 Minuten
7. Erin Wallace (Großbritannien) 4:17,61 Minuten
8. Katrina Robinson (Neuseeland) 4:18,53 Minuten
9. Jocelyn Chau (Kanada) 4:18,56 Minuten
10. Francesca Brinz (Großbritannien) 4:18,87 Minuten
11. Ririka Hironaka (Japan) 4:21,31 Minuten
12. Caitlyn Collier (USA) 4:26,61 Minuten
Ergebnis 800m-Finale der Junioren
Gold: Solomon Lekuta (Kenia) 1:46,35 Minuten
Silber: Ngeno Kipngetich (Kenia) 1:46,45 Minuten
Bronze: Eliott Crestan (Belgien) 1:47.27 Minuten
4. Adisu Girma (Äthiopien) 1:47,58 Minuten
5. Simone Barontini (Italien) 1:51,08 Minuten
6. Alex Botterill (Großbritannien) 1:51,64 Minuten
7. Markhim Lonsdale (Großbritannien) 1:57.39 Minuten
disqualifiziert: Oussama Cherrad (Algerien)
IAAF Junioren-Weltmeisterschaften 2018 in Tampere