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U20-WM-Gold für Europas Laufsternchen Remic & El Asri

Das slowenische 800m-Talent Ziva Remic und der spanische 3.000m-Hindernisläufer Bakr El Asri kehren mit Goldmedaillen von den Junioren-Weltmeisterschaften zurück.
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Die spannendste Bühne für die Stars von morgen war vergangene Woche das Hayward Field in Eugene, Schauplatz der WM der Großen vor vier Jahren und dieses Mal für die Weltmeisterschaften der Unter-20-Jährigen. Zwei hoffnungsvolle europäische Lauftalente sind an diesem geschichtsträchtigen Leichtathletik-Ort ins Schweinwerferlicht gelaufen: Ziva Remic und Bakr El Asri.

Ziva Remic wird erst Ende des Monats 17 Jahre alt und ist nun bereits Junioren-Weltmeisterin. Die Slowenin, damit eines der aufregendsten Talente des europäischen Laufsports, entschied in Eugene ein Herzschlagfinale im 800m-Lauf für sich: In einer Zeit von 2:03,03 Minuten lag sie um fünf Hundertstelsekunden vor Ioulianna Roussou aus Griechenland, Bronze gewann die Britin Shaikira King.

Hinter der Äthiopierin Habtam Gebeyehu ging das japanische Toptalent Rin Kubo als Fünfte leer aus. „Ich bin so glücklich. Es war ein großartiges Rennen. Ich habe sehr viel Druck auf meinen Schultern gespürt, aber ich war mental bestens vorbereitet und konnte mich auf meine Endschnelligkeit verlassen“, sagte die junge slowenische Siegerin.

Junioren-Weltmeisterschaften 2026

Auf den Spuren Lavrics

Remic ist die erste europäische Junioren-Weltmeisterin im 800m-Lauf seit Elena Mirela Lavric aus Rumänien im Jahr 2010. Selbst Audrey Werro, mittlerweile die drittschnellste 800m-Läuferin der Geschichte, konnte diesen Titel 2022 nicht erringen, als sie der US-Amerikanerin Roisin Willis knapp unterlag. Einen europäischen Dreifachsieg gab es bei U20-Weltmeisterschaften auf der kürzesten Laufdistanz zum dritten Mal nach 1988 und 2008. Jünger als Remic war erst eine 800m-Junioren-Weltmeisterin: Die US-Amerikanerin Samantha Watson 2016, deren Karriere sich nach diesem Sensationserfolg aber nicht entwickelte.

Auch Lavrics Karriere als Erwachsene war nicht von großen Erfolgen gekrönt, sie gewann Medaillen mit der rumänischen 4x400m-Staffel. Über 800m war der sechste Platz bei den Europameisterschaften von Zürich 2014 das Höchste der Gefühle. Auf nationaler Ebene ist sie nach wie vor aktiv, bevorzugt auf Sprintdistanzen. An die Jahre mit sub-2-Zeiten im 800m-Lauf kam sie nie wieder heran. Dennoch hat die Rumänin Remic etwas voraus: Sie gewann zweimal Junioren-WM-Gold im 800m-Lauf. Diese Besonderheit könnte der Slowenin in zwei Jahren gelingen, Ort und Zeit für die nächsten Titelkämpfe der Stars der Zukunft stehen noch nicht fest.

Sub-2-Läuferin

Das Potenzial der 2009 in Grosuplje südöstlich von Ljubljana geborenen Remic fiel bereits früh auf, ihr Trainer Gregor Grad meinte einmal öffentlich, er sehe bei seiner Athletin keine Schwäche. Im Alter von 15 Jahren gewann sie bei der Junioren-EM in Tampere hauchdünn hinter der Deutschen Jana Maria Becker die Silbermedaille – gegen 18- und 19-Jährige.

Die Wettkampfsaison 2026 begann mit einem Paukenschlag: Mit einer Zeit von 2:00,73 Minuten in der Halle von Ostrava verbesserte die PUMA-Athletin die europäische U18-Bestleistung und schnappte sich diverse nationale Nachwuchsrekorde, die einer gewissen Jolanda Ceplak, einst große Widersacherin von Stephanie Graf, gehörten. Im Juni lief Remic in Pfungstadt in 1:59,64 Minuten erstmals in ihrer Karriere unter zwei Minuten, im Juli sicherte sie sich die Goldmedaille bei den U18-Europameisterschaften, übrigens vor der Österreicherin Magda Karall (LT Bgld Eisenstadt).

© Steph Chambers / WA / Getty Images for World Athletics

Europäischer „Sweep“

Im Gegensatz zu Remic war die 19-jährige Ioulianna Roussou bereits vor zwei Jahren in Lima am Start. Damals scheiterte sie bei der Junioren-WM im Halbfinale. Seither konzentrierte sich die junge Griechen eher auf die längere Mittelstrecke, im Mai kehrte sie verstärkt in den 800m-Lauf zurück und steigerte sich bei einem Heimmeeting in Kalamata auf eine Bestzeit von 2:01,27 Minuten. „Es ist ein unglaubliches Gefühl – erstes großes Finale, erste große Medaille!“, jubelte Roussou.

Die 18-jährige King war 2024 Zweite der U18-EM und holte mit Bronze in Eugene ihre zweite internationale Medaille. „Es ist nicht einfach, Schule und Karriere unter einen Hut zu bringen. So war es eine verrückte Saison, aber heute wird gefeiert“, jubelte sie. King war heuer schon Dritte bei den britischen Hallenmeisterschaften in Birmingham und zeigte ihre Klasse bei einigen internationalen Meetings, darunter bei ihrer persönlichen Bestzeit von 2:01,73 Minuten in Nizza.

Rekordlauf in Wien

Bakr El Asri hatte seinen bisherigen Glanzmoment am 20. Juni in Wien. Bei der Track Night Vienna verbesserte der 19-Jährige den Junioren-Europarekord eines gewissen Jakob Ingebrigtsen (ja, der war auch einmal Hindernisläufer) um zweieinhalb Sekunden auf eine Zeit von 8:24,40 Minuten. Knapp zwei Monate später zeigte sich der Spanier in Eugene nach wie vor in Topform und dominierte das Finale.

Mit einer Endzeit von 8:28,35 Minuten, die drittschnellste Marke in Europa in der Altersklasse U20 aller Zeiten, setzte er sich mit einem Riesenvorsprung von vier Sekunden auf Emmanuel Someki durch. Dessen kenianischer Landsmann Nicolas Losiwareng hatte als Bronzemedaillengewinner fast zehn Sekunden Verspätung, setzte sich aber haarscharf gegen den zweiten Spanier im Feld, Marti Torregrossa, durch.

© Emilee Chinn / WA / Getty Images for World Athletics

Historischer Erfolg für Europa

Bakr El Asri ist einer der spannendsten Nachwuchsläufer Europas. In Katalonien geboren war der 19-Jährige ursprünglich Fußballer, ehe er erst Anfangs des Jahrzehnts in die Leichtathletik wechselte und von Trainer Isidre Maragas gefördert wurde. Vor zwei Jahren gewann er die Goldmedaille bei den U18-Europameisterschaften, bei den U20-Europameisterschaften 2025 ging er als Fünfter jedoch leer aus. Damals waren mit Torregrossa und Andres Lara gar zwei Landsleute besser und holten die Medaillen hinter dem türkischen Sieger Kiyasettin Kara. Hin zur Saison 2026 gelang ein enormer Leistungssprung, wobei er nach seinem Junioren-Europarekord in Wien ausnahmslos Meisterschaftsrennen bestritt.

Statistisch ist das eine echte Besonderheit, denn der 3.000m-Hindernislauf ist traditionell eine Ägide der Kenianer. Bei den bisherigen 20 Austragungen von Junioren-Weltmeisterschaften ging Gold immer nach Afrika, zweimal an Äthiopien und gleich 18 Mal an Kenia. Der Triumph El Asris ist nicht nur der erste für einen europäischen Junior – überhaupt gab es bisher nur eine Silber- und zwei Bronzemedaillen für europäische Hindernisläufer und die liegen im alten Jahrhundert zurück.

© Emilee Chinn / WA /Getty Images for World Athletics

Viermal Gold für Kenias Nachwuchs

Die weiteren Laufentscheidungen bei der 21. Junioren-WM, der zweiten auf US-amerikanischen Boden, wie vor zwölf Jahren in Eugene, waren fest in afrikanischer Hand: Josephine Mancha und Wilson Chepkwech (je 1.500m), Emmanuel Kiprono (3000m) sowie Frankline Kibet (5.000m) holten Gold für Kenia, Yordanos Tsigab (3.000m) und Almaz Yohannis (3.000m-Hindernislauf) für Äthiopien, Charity Cherop (5.000m) für Uganda und Imad Bouchajda (800m) für Marokko.

Neben dem Dreifachsieg im 800m-Lauf der Frauen und El Asris Gala im 3.000m-Hindernislauf gab es aus europäischer Sicht noch die Silbermedaille des Franzosen Alois Abraham (3.000m) und die Bronzemedaille des Spaniers Alejandro Rios (800m) zu bejubeln. Die US-amerikanischen Läuferinnen und Läufer mussten sich mit Silber für Claire Stegall im 1.500m-Lauf zufrieden geben, die im Kampf um Gold ins Ziel stürzte.

Abgesehen vom Laufbereich dominierte die USA und gewann den Medaillenspiegel klar. Einzige europäische Nation in den Top-Sechs war Italien als Dritter im Medaillenspiegel hinter Kenia.

Österreichs Junioren-Nationalteam

Das beste Resultat für die achtköpfige ÖLV-Delegation in Eugene gelang Diskuswerfer Stefan Gaisbauer (ULC Linz Oberbank) mit Platz sieben. Alle anderen Österreicherinnen und Österreicher verpassten Top-20-Plätze. Einzige Läuferin im Aufgebot war Pauline Schedler (TS Egg). Die 19-Jährige scheiterte in einer Zeit von 4:27,29 Minuten im Vorlauf über 1.500m , sie war chancenlos. Die Vorarlbergerin studiert an der Illinois State University und fand am Ende einer langen Saison nicht die Energie, im Schlussteil des Vorlaufs gegen die internationale Konkurrenz gegenzuhalten.

Dennoch zog ÖLV-Delegationsleiter Christian Taylor ein positives Fazit: „Für das österreichische Team war diese U20-WM vor allem eine große Chance, zu wachsen, und ein wichtiger Impuls für die Zukunft der österreichischen Leichtathletik. Ich habe selten erlebt, dass Athlet:innen und Trainer:innen nach einer Meisterschaft so motiviert auf die nächste Saison blicken.“

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Steph Chambers /WA / Getty Images for World Athletics, © Emilee Chinn / WA / Getty Images for World Athletics

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