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U23-EM: Timo Hinterndorfer verpasst die Top-Ten

Timo Hinterndorfer hat bei den U23-Europameisterschaften von Bergen den 13. Platz im 10.000m-Lauf belegt. Nicole Prauchner schlug sich in den 800m-Vorläufen achtbar.
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Mit Platz 13 hat Timo Hinterndorfer sein selbstgesetztes Ziel einer Top-Ten-Platzierung nicht erreichen können. Dafür hätte er bei sommerlichen Bedingungen in Norwegen einen besseren Tag erwischen müssen, so seine Erkenntnis. Die erste Finalentscheidung der U23-EM von Bergen prägte ein skandinavisches Duo. In den Vorläufen über 800m der Frauen schied Nicole Prauchner gemäß der realistischen Erwartungen aus, lief jedoch die zweitschnellste Zeit ihrer Laufbahn. Während die Schweizer Topfavoritin Audrey Werro souverän wirkte, verpasste die ein oder andere Medaillenkandidatin den Aufstieg ins Finale.

Viel Positives konnte Timo Hinterndorfer (DSG Wien) dem 10.000m-Lauf bei den U23-Europameisterschaften in Bergen trotz einer persönlichen Bestleistung von 29:39,17 Minuten nicht abgewinnen. „Ich habe mich im Wettkampf leider nicht so locker gefühlt, wie ich mir es bei dieser Pace eigentlich vorgestellt hätte. Es hat sich zu früh schon anstrengend angefühlt“, schilderte er im Gespräch mit RunUp.eu. Bereits zu Rennmitte spürte er eine fortschreitende muskuläre Ermüdung, die es verunmöglichte, im Finale noch zuzulegen. „Die Platzierung ist unter diesen Umständen sogar noch ok. Aber mit der Performance bin ich nicht zufrieden“, lautete das Fazit des 21-jährigen Wieners.

© ÖLV / Sona Maleterova

Ein Lauf im Mittelfeld

Bei Temperaturen von 24°C und Sonnenschein im Fana Stadion entwickelte sich ein Rennen, wie Hinterndorfer es im Vorgespräch mit RunUp.eu bereits intuitiv erwartet hatte. Eine relativ gleichmäßige Pace mit Kilometerzeiten knapp unter drei Minuten, also kein superschnelles, aber auch kein langsames Anfangstempo. Der Österreicher suchte sich seinen Platz mit Mittelfeld des 24 Teilnehmer umfassenden Feldes und hielt sich aus Positionskämpfen und Rhythmuswechseln heraus.

U23-Europameisterschaften 2025 in Bergen

Unruhig wurde es vorne nach einem Drittel der Distanz. Mehrfach versuchte der Ungar Gabor Karsai mit seinem eigenwilligen Laufstil an die Spitze zu gehen und sich abzusetzen. Für diesen Plan fand er im Italiener Cornali und später mit dem letztlich viertplatzierten Franzosen Antonin Saint-Peyre Kumpanen für die Unternehmung. Karsai ist bekannt für solche Strategien: Bei der U23-EM in Jerusalem 2023 wagte er über 5.000m einen Alleingang. Hinterndorfer war in diesem Rennen und belegte damals Platz acht, sein Landsmann Kevin Kamenschak gewann eine Medaille. Dieses Mal führte seine Initiative führte zu mehr Action im Renngeschehen und hatte letztlich die Bildung einer sechsköpfigen Spitzengruppe zur Folge. Hinterndorfer blieb in der Verfolgergruppe und hielt sich konstant knapp außerhalb der Top-Ten-Plätze.

Bereits früh im Rennen gönnte sich Timo Hinterndorfer die erste Abkühlung. © European Athletics / Getty Images

Vorne gab es immer wieder Zusammenschlüsse, acht Läufer hatten vor den letzten beiden Runden noch Medaillenchancen. Der 21-jährige Wiener ging als Elfter in die beiden Schlussrunden, doch er fand keine Extraenergie vor, um zu beschleunigen. Der persönlichen Bahnbestleistung gab er kaum Gewicht, schließlich liegt seine Bestleistung im 10km-Straßenlauf deutlich darunter. Zur anvisierten Top-Ten-Platzierung fehlten letztlich drei Positionen und acht Sekunden.

Ergebnis 10.000m-Lauf der Männer, U23-EM 2025
Gold: Joel Ibler Lillesö (Dänemark) 29:05,45 Minuten (PB)
Silber: Jonathan Grahn (Schweden) 29:05,49 Minuten (PB)
Bronze: Jaime Migallon (Spanien) 29:06,85 Minuten

 
4. Antonin Saint-Peyre (Frankreich) 29:08,69 Minuten
5. Gabor Karsai (Ungarn) 29:11,26 Minuten (PB)
6. Vegard Vesterhaug Warnes (Norwegen) 29:11,69 Minuten
7. Nathan Houwaard (Niederlande) 29:13,48 Minuten (PB)
8. Abdel Laadjel (Irland) 29:14,65 Minuten
9. Nino Freitag (Schweiz) 29:31,39 Minuten
10. Eric Loré (Spanien) 29:31,39 Minuten (PB)
11. Stefano Cecere (Italien) 29:32,48 Minuten
12. Lukas Ehrle (Deutschland) 29:35,14 Minuten
13. Timo Hinterndorfer (Österreich) 29:39,17 Minuten (PB)

17. Luca Madeo (Deutschland) 30:06,49 Minuten

Skandinavisches Duell um Gold

Höhepunkt des Wettkampfs war das Duell um die Goldmedaille mit einem faszinierenden und sehenswerten Endspurt. Jonathan Grahn aus Schweden hatte eingangs der letzten Runde die Spitzenposition übernommen und beschleunigt. Der 20-Jährige war vor zwei Jahren Junioren-Europameister im 3.000m-Lauf und absolvierte den ersten 10.000m-Lauf auf der Bahn überhaupt, für Bergen hat er sich über eine 10km-Straßenlaufleistung qualifiziert.

Ihm folgten der Spanier Jaime Migallon und der Däne Joel Ibler Lillesö in die heißeste Wettkampfphase. Lilleso initiierte seinen langen Spurt aus der letzten Kurve heraus und überholte den Spanier, der nicht mithalten konnte und zur sicheren Bronzemedaille in 29:06,85 Minuten lief – sein erstes internationales Edelmetall, bevor in zwei Tagen eine weitere Bewährungschance über 5.000m auf dem Programm steht.

Laros erster Gratulant

Grahn aber hielt dagegen, Schulter an Schulter jagten die beiden Skandinavier die Zielgerade entlang. Am Ende gaben vier Hundertstelsekunden den Ausschlag zugunsten Lillesö, der eine Zeit von 29:05,45 Minuten erreichte. „Nach einem sehr schwierigen Jahr mit langen Verletzungspausen wegen Wadenproblemen bedeutet mir dieser Sieg sehr viel“, sagte der 21-Jährige, der seine letzte internationale Medaille vor vier Jahren als Sieger des 5.000m-Laufs bei der U20-WM in Tallinn geholt hat – damals mit 17. „Der Druck war enorm, aber ich hatte den Glauben an mich“, sagte er. Der Rennbericht auf der Website des Europäischen Leichtathletik-Verbandes zitiert ihn, in dem er von mentalen Problemen in den langen Pausen erzählt. Fast jeden Abend habe er geweint, weil er nicht fit für das Laufen war.

Sekundenlang war Lillesö nicht klar, dass er das knappe Duell gegen Grahn gewonnen hatte. Als er auf der Laufbahn sitzend das Endresultat auf der Anzeigetafel sah, stand er jubelnd auf und lief zu Niels Laros, der in der Nähe der Ziellinie vor der Tribüne wartete. Der Holländer ist der Favorit im 5.000m-Lauf und das europäische Lauftalent schlechthin. Der Däne trainiert in der in den Niederlanden stationierten Trainingsgruppe rund um den polnischen Chefcoach Thomasz Lewandowski, Laros ist das Aushängeschild der Gruppe – und potenziell einer der großen Stars dieser Titelkämpfe, in die er heute eingreift.

Grahn nahm die Silbermedaille nüchtern zur Kenntnis: „Ich wollte Gold, aber Silber ist sicherlich in meinem ersten 10.000m-Lauf ok. Meine Beine waren, glaub ich, nicht ganz bereit für so einen intensiven Kampf auf so einer langen Distanz.“ Auch Grahn hat in Bergen eine zweite Chance – und zwar im 5.000m-Lauf, wo er sich wohler fühlt, aber mit Laros und Lokalmatador Andreas Fjeld Halvorsen ganz starke Konkurrenz haben wird.

© ÖLV / Sona Maleterova

Weiterflug zur Universiade

Nach dem nicht nach Wunsch geglückten Saisonhöhepunkt geht es für Hinterndorfer nächste Woche gleich mit dem nächsten Wettkampf weiter. Der Wiener steht im neunköpfigen Aufgebot des österreichischen Leichtathletik-Teams für die FISU World University Games, auch als Universiade bekannt, die in der Rhein-Ruhr-Region über die Bühne gehen – die Leichtathletik-Bewerbe in Bochum.

Hinterndorfer bleibt bis Mittwoch noch in Norwegen und fliegt dann direkt nach Deutschland, wo am Samstagmorgen der Halbmarathon auf dem Programm steht. „Grundsätzlich laufe ich sehr gerne Halbmarathons, aber es ist klar, dass ich für die U23-EM spezifisch auf den Zehner hintrainiert habe. Daher ist ein bisschen offen, wie gut ich momentan im Halbmarathon laufe. Prinzipiell habe ich aber schon das Gefühl, dass, wenn die Fitness bei mir grundsätzlich stimmt, ich auf allen Distanzen gut laufen kann. Und das ist der Fall!“, blickt Hinterndorfer auf die nächste Herausforderung.

Auch Staatsmeisterin Larissa Matz (ULC Riverside Mödling) wird in Bochum den Halbmarathon laufen, Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling) hat ein forderndes Programm: Er startet im 1.500m- und im 5.000m-Lauf.

Prauchner mit zweitschnellster Zeit

Kurz vor Hinterndorfer war mit Nicole Prauchner (TGW Zehnkampf-Union) die erste österreichische Läuferin im Einsatz. Die 21-Jährige hatte die Qualifikation für die U23-EM knapp geschafft, für sie bereits ein toller Erfolg. Im Vorlauf in Bergen, der nur acht Finalplätze vorsah, hingen die Trauben erwartungsgemäß zu hoch. Die Oberösterreicherin schlug sich mit einem geschmeidigen Wettkampf achtbar und erreichte in 2:05,80 Minuten die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere. „Ich habe meine Qualifikationszeit bestätigt, damit kann ich zufrieden sein“, meinte sie. Mit dieser Leistung belegte sie im dritten von drei Vorläufen den achten Platz und ließ eine Kontrahentin hinter sich. Nach einer Durchgangszeit von 1:02,00 Minuten verlor die Österreicherin im Laufe der zweiten Runde den Anschluss nach vorne, konnte aber mit einem guten Schlussspurt noch einige Meter auf die ein oder andere Konkurrentin gutmachen.

© ÖLV / Sona Maleterova

Während Audrey Werro als Siegerin des ersten Vorlaufs in 2:00,89 Minuten die schnellste Zeit aller Teilnehmerinnen erreichte, ist ihre Schweizer Landsfrau Valentina Rosamilia überraschend bereits ausgeschieden. Sie kam im zweiten Vorlauf nicht über Position vier hinaus. Mit der Tschechin Pavla Stoudkova scheiterte eine weitere Medaillenaspirantin wenige Minuten später als Dritte im Vorlauf mit Prauchner. Das 800m-Finale geht am Samstagabend über die Bühne, am Freitagabend ist Cordula Lassacher (Atus Knittelfeld) im 10.000m-Lauf der Frauen im Einsatz.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sona Maleterova, © European Athletics / Getty Images

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