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Dass drei US-Amerikaner das achtköpfige WM-Finale von Doha bestritten und mit Donavan Brazier den Weltmeister stellten, wirkte im Anblick der Vorlauf-Ergebnisse bei der WM 2022 in Eugene wie ein Witz. War aber Realität. Die nackte Realität heute: Kein einziger der vier gestarteten US-Amerikaner hat die erste Runde überstanden. Kein einziger!
Jetzt ist es nicht so, dass die realistischen Erwartungen hoch gewesen wären. Donavan Brazier plagt sich seit vielen Monaten mit Verletzungen herum und war bei weitem nicht in Topform, als Titelverteidiger hatte er eine Wildcard. „Ich werde in einer Woche am Fuß operiert und hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder auf der Höhe bin. Es gab viele Ups and Downs in den letzten Wochen“, sagte der 25-Jährige, der Sechstplatzierte im zweiten von sechs Vorläufen. Nur die Top-Drei und die sechs weiteren Zeitschnellsten schafften den Aufstieg in die Halbfinalläufe morgen Abend US-amerikanischer Zeit. Damit war Brazier noch der beste seines Teams. Brandon Miller scheiterte im vierten Vorlauf, Jonah Koech wurde im fünften disqualifiziert. Sportlich hätte er sich mit einer Bestleistung qualifiziert, wurde aber aufgrund eines harten Manövers gegen den Schweden Andreas Kramer aus der Wertung genommen. Dass aber US-Meister Bryce Hoppel, im Winter Hallen-WM-Dritter, in der ersten Runde als Fünfter des dritten Vorlaufs ausschied, war schon eine Sensation. Dass er gleich nach 150 Metern dem stürzenden Brandon McBride ausweichen musste, war ein großes Stück Pech. Laut „LetsRun.com“ verzichtete der US-amerikanische Leichtathletik-Verband (USATF) auf einen Protest.
Der große Abwesende in den 800m-Vorläufen war der britische Youngster Max Burgin. Der 20-jährige Weltjahresschnellste und nationale Meister verzichtete aufgrund einer Wadenverletzung auf ein Antreten, wie der Britische Leichtathletik-Verband (UK Athletics) bekannt gab. Es ist die dritte wichtige internationale Meisterschaft in Folge, die Burgin nach der Junioren-EM und Olympia 2020 verpasst. Landsfrau Keely Hodgkinson hatte im Vorfeld der WM noch gesagt: „Wenn Max gesund ist, wird er Eugene als Champion verlassen.“
Die sportlich überzeugendste Leistung lieferte Marco Arop mit der Vorlauf-Bestzeit von 1:44,56 Minuten. „Ich bin schnell gelaufen, um jeglicher Kollision aus dem Weg zu gehen. Alle Vorläufe hatten hohe Qualität“, so der Kanadier. In Vorlauf Nummer fünf setzte sich sich gegen Jesus Tonatiu Lopez aus Mexiko und dem Iren Mark English durch, die beide Saisonbestleistungen erzielten. Der Italiener Catalin Tecuceanu nutzte die Bühne für eine persönliche Bestleistung von 1:44,76 Minuten. Olympiasieger Emmanuel Korir gewann den ersten und langsamsten Vorlauf in 1:49,05 Minuten, auch seine jungen Landsleute Emmanuel Wanyonyi und Noah Kibet sowie der kenianische Meister Wycliffe Kinyamal sind noch im Rennen. Peter Bol gewann Lauf Nummer zwei, Mitfavorit Slimane Moula den sechsten Lauf. Etwas Glück benötigte der Franzose Benjamin Robert, heuer Sieger eines Diamond-League-Rennens, der die Zeitregel in Anspruch nehmen musste. Sein Landsmann Pierre-Ambroise Bosse, Überraschungsweltmeister von 2017, verpasst die WM aufgrund einer Verletzung an der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Ein Antreten hätte das Risiko des Karriereendes mit sich gebracht, sagte er gegenüber der Sportzeitung „L’Équipe“.
Mit dem polnischen Hallen-Europameister und Olympia-Medaillengewinner Patrik Dobek, der in dieser Saison nie ins Laufen gekommen ist, produzierte auch der europäische Mittelstreckenlauf einen prominenten Ausfall, der zweite betraf WM- und Olympiafinalisten Adrian Ben aus Spanien. „Meine Beine konnten nicht das abrufen, was ich erhofft hätte. Ich bin enttäuscht, nicht das zeigen zu können, was in mir steckt“, so Dobek. Beim ersten Großereignis in der Epoche nach Adam Kszczot und Marcin Lewandoswki ist das polnische Team in den Halbfinalläufen gänzlich in der Zuschauerrolle. Genauso wie Deutschlands WM-Starter Marc Reuther, der im ersten Vorlauf als Fünfter keine Chance hatte. Die Zeit von 1:50,75 Minuten war der langsamen Renngestaltung geschuldet, die Hoffnungen auf eine Chance über die Zeitregel waren sofort dahin. Das Niveau in den Vorläufen war übrigens hoch: Der erste Nicht-Qualifizierte ist Yassine Hethat aus Algerien mit einer Zeit von 1:46,05 Minuten. Bei allen bisherigen 17 Ausgaben von Weltmeisterschaften hätte diese Zeit für das Erreichen des Finals gereicht.
* neue Saisonbestleistung
* neue Saisonbestleistung
** neue persönliche Bestleistung
Die zweifache Titelverteidigerin Helen Obiri hat nach ihrer Silbermedaille im 10.000m-Lauf bekannt gegeben, über die halbe Distanz nicht an den Start zu gehen. Sie hätte das ganze Jahr nur auf 10.000m-Läufe und Halbmarathons hintrainiert, ihr fehle das spezifische Speedtraining für die 5.000m, sagte sie kenianischen Medien. Damit ist Margaret Kipkemboi die stärkste Kenianerin im Feld, sie gewann Bronze im 10.000m-Lauf und überstand den heutigen Vorlauf genauso wie Beatrice Chebet. Die Favoritenrolle der Äthiopierinnen ist wohl noch etwas größer geworden, die sich in den Vorläufen trotz der hohen Temperaturen keine Blöße gaben. Gudaf Tsegay gewann den ersten in einer Zeit von 14:52,64 Minuten vor ihrer Landsfrau Dawit Seyaum, Letesenbet Gidey war im zweiten in 14:52,27 Minuten die Schnellste vor der für Kasachstan startenden Caroline Chepkoech.
Die größte Kontrahentin für die Äthiopierinnen im Finale wird wohl Sifan Hassan, Vierte im 10.000m-Lauf. „Ein wunderschöner Lauf. Ich will mich gut auf das Finale vorbereiten und in den Top-Fünf mitlaufen“, sagte die Olympiasiegerin. Aus Europa haben neben der Holländerin Karoline Bjerkeli Grövdal über ein fixes Qualifikationsticket, die Britinnen Eilish McColgan und Jessica Judd stiegen über die Zeitregel auf. Die US-Farben vertreten Elise Cranny und Karissa Schweizer als jeweils Fünfte ihrer Vorläufe sowie Emily Infeld im Finale, vom japanischen Duo qualifizierte sich Nozomi Tanaka knapp und Ririka Hironaka knapp nicht.
Ebenfalls im Finale am Samstagabend um 18:25 Uhr Ortszeit (3:25 am darauffolgenden Sonntagmorgen MEZ) zuschauen muss das deutsche Duo Alina Reh und Konstanze Klosterhalfen. Während das Aus von Reh verbunden mit einer ordentlichen Leistung von 15:13,92 Minuten war (es fehlten 13 Sekunden), schnitt Klosterhalfen in 15:17,78 Minuten als Achte des ersten Vorlaufs überraschend schwach ab. „Ich hätte hier in dieser tollen Atmosphäre gerne ein tolles Ergebnis gezeigt. Ich wusste nicht, wo ich stehe. Ich habe mich schon selbstbewusst gefühlt, aber drei Runden vor Schluss ging gar nichts mehr. Die letzte Runde war ziemlich hart. So, wie ich mich heute gefühlt habe, habe ich mich noch nicht oft gefühlt“, sagte die Deutsche, die vor drei Jahren WM-Bronze gewann, gegenüber dem DLV. Die COVID-19-Infektion Ende Juni habe ihr zwei Wochen Training gekostet. Reh zog eine gemischte Bilanz, lenkte den Fokus aber auch auf die Hitze. Weit im Hinterfeld landete erwartungsgemäß Sara Benfares.
Gänzlich chancenlos war auch Caster Semenya, die erst last-minute ins Starterfeld gerückt war und in einer Zeit von 15:46,12 Minuten fast eine dreiviertel Minute von einer Finalqualifikation entfernt war.
* neue Saisonbestleistung
* neue Saisonbestleistung