Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Mit dem siebten globalen Titel im 1.500m-Lauf arbeitet Faith Kipyegon weiter fleißig an ihrem Legendenstatus. Im WM-Finallauf von Tokio über ihre Spezialdistanz dominierte sie wie eh und je mit einem Start-Ziel-Sieg und stürmte in einer eigenen Liga zum vierten WM-Gold und zur bereits sechsten WM-Medaille.
Sie ist das gegenwärtige Vorbild der weiblichen Laufszene, eines der weiblichen Gesichter der Leichtathletik. Faith Kipyegon ist seit gestern die erst zweite Läuferin nach Tirunesh Dibaba, die bei Weltmeisterschaften fünf Goldmedaillen gewonnen hat – die Chance zur sechsten folgt im Laufe der Woche im 5.000m-Lauf.
Zum vierten Mal gewann die Kenianer den 1.500m-Lauf, dazu kommen die beiden Silbermedaillen aus den Jahren 2015 und 2019. Ihr bereits bestehender Legendenstatus, zu dem auch diverse Weltrekordläufe beigetragen haben, wurde bei den Weltmeisterschaften in Tokio ein weiteres Mal zementiert. In einer Siegerzeit von 3:52,15 Minuten trotz 28°C Lufttemperatur am späten Tokioter Abend mit einer Luftfeuchtigkeit von 79% auch standesgemäß. Nur eine WM-Entscheidung war jemals schneller: als Sifan Hassan 2019 in Doha in 3:51,95 Minuten selbst den kenianischen Superstar selbst düpierte.
„Es fühlt sich nach einem speziellen Ereignis an, meinen Titel neuerlich zu verteidigen und bereits zum vierten Mal Weltmeisterin im 1.500m-Lauf zu werden. Der Weltrekord von Eugene hat mich noch einmal motiviert, hier zu gewinnen. Ich hatte alles unter Kontrolle“, kommentierte die 31-jährige Siegerin. Superlativen sind in der Karriere von Faith Kipyegon längst alle aufgebraucht. Ihre Erfolge erstaunen. In der laufenden Wettkampfsaison ist sie noch ungeschlagen, sie bestritt nicht übertrieben viele.
Aber die Siegesserie dauert noch viel länger: Seit über vier Jahren ist die Kenianerin im 1.500m-Lauf unbesiegt. Nur bei den Olympischen Spielen 2024 im 5.000m-Lauf (Silber) und bei der Straßenlauf-WM 2023 über die Straßenmeile (Bronze) musste sie Kontrahentinnen den Vortritt lassen – unvergleichlich im Laufsport. Eine Frage des Mindsets, wie sie oft betont. Wohl auch eine Frage des Ausnahmetalents und des perfekten Trainingsumfelds im Team von Startrainer Patrick Sang in Kaptagat im kenianischen Hochland.
Kipyegon gewann das WM-Finale in jenem Stadion, in dem sie vor vier Jahren zum zweiten von drei Malen Olympiasiegerin wurde, mit Stil. Vom ersten bis zum letzten Schritt führte sie, steigerte das Tempo kontinuierlich über die Distanz und dominierte das Feld in der Schlussrunde mit dem Ergebnis einer Superzeit: Gerade einmal drei Sekunden fehlten zu ihrem eigenen Weltrekord mit Pacemaker-Unterstützung. Souveräner kann man nicht gewinnen, der Abstand von fast drei Sekunden auf die weiteren Medaillenränge untermalt das ebenfalls.
🥇🥇🥇 bei Olympischen Spielen (2016, 2021, 2024)
🥇🥇🥇🥇 bei Weltmeisterschaften (2017, 2022, 2023, 2025)
🥈🥈 bei Weltmeisterschaften (2015, 2019)
Auch die Konkurrenz verneigt sich regelmäßig. „Es ist dermaßen eine Ehre im selben Team zu laufen wie Faith. Sie ist so eine bescheidene Frau. Aber sie motiviert und inspiriert uns alle, unser Bestes zu geben“, adelte die viertplatzierte Nelly Chepchrichir sie. Nach Erfolgen in der diesjährigen Diamond League hatte auch sie auf eine Medaille gespitzt: Trotz einer persönlichen Bestleistung von 3:55,25 Minuten verpasste sie Bronze im Duell mit der auf der Zielgerade auf letzter Rille kämpfenden Jessica Hull haarscharf. Was auch daran lag, dass ihre Landsfrau Dorcus Ewoi mit einer Fabelbestzeit von 3:54,92 Minuten ihren Durchbruch auf internationaler Ebene vollendete und mit Silber dekorierte. Für Chepchirchir war es nach Platz fünf in Budapest die zweite WM-Topleistung ohne Belohnung in Form von Edelmetall.
Sie war aber Teil der kenianischen Dominanz in Tokio. Dorcas Ewoi lieferte mit der Silbermedaille die Sensation des Rennens. Von der 28-Jährigen hat auf der globalen Bühne lange niemand so wirklich Notiz genommen, die Kenianerin studiert in den USA. Die Leistungssteigerungen in den letzten beiden Jahren waren enorm. Der absolute Durchbruch gelang in diesem Jahr mit einer Zeit unter vier Minuten beim Diamond-League-Meeting in Rabat. Bei den Kenya Trials qualifizierte sie sich als Dritte für die WM in Tokio, wo sie besonders im Halbfinale schon aufzeigte. Im Finale verbesserte Ewoi ihre persönliche Bestleistung um sensationelle vier Sekunden auf eine Zeit von 3:54,92 Minuten – und lieferte damit die Leistung des Tages neben ihrer Landsfrau Kipyegon.
Jessica Hull schaffte ihren großen Erfolg vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen von Paris, als sie Silber gewann. Für das Finale in Tokio hatte sich die Australiern viel vorgenommen. Nach der Startphase setzte sie sich in den Windschatten der Favoritin und versuchte auf seriöse Art und Weise, Kipyegon zu fordern. Und tatsächlich klebte sie vielleicht etwas länger an den Fersen der vierfachen Weltmeisterin, als viele das erwartet hätten. Gerade einmal drei Zehntelsekunden betrug der Abstand 200 Meter vor dem Ziel, die weiteren Kenianerinnen hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon um eine Sekunde abgehängt.
Beinahe hätte die 28-Jährige es aber übertrieben. Auf der Zielgerade ging die Australierin ein und hätte beinahe alles verloren. Dorcus Ewoi musste sie passieren lassen, mit letzter Kraft hielt sie Nelly Chepchirchir hinter sich und holte sich in einer Zeit von 3:55,16 Minuten immerhin ihre erste WM-Medaille – in Bronze. „Die letzten 20 Meter musste ich wirklich hart kämpfen. Dieser Kampf macht mich stolz“, sagte sie. Sie sei glücklich, sich mit der neuerlichen Medaille in der Weltspitze etabliert zu haben. „Konstanz ist die Folge davon, nie absolut zufrieden zu sein. Es geht darum, immer und immer weiter zuarbeiten.“

Kipyegons Tempogestaltung und das folglich schnelle Rennen hatte insgesamt vier persönliche Bestleistungen zur Konsequenz, darunter von den beiden besten Europäerinnen im Feld. Klaudia Kazimierska aus Polen lief als Siebte erstmals unter 3:58 Minuten knapp gefolgt von Sarah Madeleine aus Frankreich. Besonders die Leistung von der 24-jährigen Polin verblüfft: Die Olympia-Zehnte von Paris 2024 steigerte ihre persönliche Bestleistung um 1,71 Sekunden, Madeleine gelang ein Sprung von einer Sekunde gegenüber ihrer bisherigen Bestleistung.
In Topform zum Saisonhöhepunkt: Madeleine verzeichnete den zweitbesten Split auf den letzten 100 Metern hinter Kipyegon, Kazimierska den drittbesten. Kazimierska erzielte die bereits zwölfte Top-Acht-Platzierung für Polen in diesem Event, Madeleine das zweitbeste Resultat aller Zeiten für Frankreich hinter der Bronzemedaille von Bouchra Benthami-Ghezielle 2005.
Beste US-Amerikanerin war erwartungsgemäß Nikki Hiltz, die als Fünfte irgendwie die Rolle „Best of the Rest“ übernahm. Die 30-Jährige beendete einen starken Wettkampf in einer Zeit von 3:57,08 Minuten und erzielte das beste US-Resultat auf der „metrischen Meile“ bei Weltmeisterschaften seit sechs Jahren. Die Deutsche Nele Weßel, die vom Wettkampfgericht ins Finale nominiert wurde, hatte erwartungsgemäß keine Chance.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Christel Saneh & Mattia Ozbot for World Athletics