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Von 0 auf 42,195 km in einem Jahr

Einen Marathon zu laufen kam für mich nie in Frage. Laufen war ohnehin nichts für mich. Bis zu dem Tag, wo sich Einiges in meinem Leben änderte. Das unwiderstehliche Ziel, die Marathondistanz zu schaffen, kam in greifbare Nähe. Hier meine Story …

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Einen Marathon zu laufen kam für mich nie in Frage. Laufen war ohnehin nichts für mich. Bis zu dem Tag, wo sich Einiges in meinem Leben änderte. Das unwiderstehliche Ziel, die Marathondistanz zu schaffen, kam in greifbare Nähe. Hier meine Story …

Wenn mich vor fünf Jahren jemand gefragt hätte, ob ich jemals einen Marathon laufen würde, hätte ich freundlicher Weise nur den Kopf geschüttelt. Wie sollte ich jemals einen Marathon laufen? Vor etwa 10 Jahren war ich deutlich übergewichtig, ohne dass es mir selbst bewusst war. Von Sport keine Rede. Laufen, was sollte das? Ich muss zugeben, ich hielt Läuferinnen und Läufer für etwas eigenartig. Zu unvorstellbar und fern meiner eigenen Welt. Eine Blinddarm-OP mit anschließenden Darmbeschwerden hinterließ allerdings seine Spuren. Mein Körpergewicht reduzierte sich binnen weniger Wochen um mehr als 20 kg.

Eine außergewöhnliche Begegnung

Aufgrund meiner damaligen beruflichen Tätigkeit war ich mehrmals pro Jahr in Kalifornien. Eine dieser Reisen war eine besondere. Sie führte mich nach Big Bear, CA, in die Lodge des Unternehmensgründers. Er hatte jedes Jahr recht illustre Menschen eingeladen, auch diesmal war es so.

Thomas Albrecht_Expertenbild Thomas W. Albrecht ist international renommierter Redner und Life-Coach für Rhetorik & Kommunikation.

Dort war ein kleiner weißhaariger Mann mit stark australischem Akzent mit seiner Frau zugegen. Er stellte sich als Stewart Emery vor. Wir kamen ins Plaudern und erzählten einander, wie wir hierhergekommen seien. Ok, dachte ich mir, wer war dieser Mann? Am Abend erklärte er mir, ich stünde vor einer großen persönlichen Transformation. Ich war zugegebener Weise sehr überrascht von dieser Äußerung. Woher wusste er, wie es aktuell um mein Leben bestellt war?

Drei Monate nach diesem Aufenthalt in Big Bear stand ich auf einer wunderbaren Terrasse auf Tiburon, CA. Stewart hatte mich eingeladen, bei ihm vorbeizuschauen. Er hatte mir angeboten, mich zu coachen. Dieses Angebot nahm ich gerne an, denn mittlerweile wusste ich, dass Stewart Emery ein weltbekannter Life Coach ist. Was hatte ich zu verlieren? Das Coaching ging sehr tief. Ich hatte das Gefühl, mich das erste Mal in meinem Leben wirklich selbst zu spüren. Drei Monate später, bei meinem nächsten Treffen mit Stewart, vollzog sich eine spürbare Veränderung. Ich sah die Welt mit anderen Augen und fühlte mich wieder so stark wie früher.

Ein Unfall und seine Folgen

In der Zwischenzeit sind wir von Wien nach Niederösterreich übersiedelt. Meine Schwiegereltern waren nun beide leider verstorben. Wir entschieden uns als Familie, das Haus zu behalten und dort zu wohnen. Es war eine gute Entscheidung. Doch eines Tages passierte ein Unfall, der mein „sportliches Leben“ deutlich verändern sollte. Meine Frau und ich fingen an, uns zu bewegen. Wir starteten mit Nordic Walking und dann mit Laufen. Ich erinnere mich gut an jenen Tag, an dem ich die Runtastic-App auf mein iPhone geladen hatte. Mein erstes Trainingsprogramm war 1 Minute laufen, 1 Minute gehen, das Ganze zehnmal hintereinander. Ich gebe zu, ich war erschöpft.

Außerdem ließ mir meine Begegnung mit Steward einfach keine Ruhe. Ich wollte lernen, was er mit mir gemacht hatte. Es war mir klar, es hatte irgendetwas mit NLP (Neuro-Linguistischem Programmieren) und Hypnose zu tun. Ein paar Grundkenntnisse hatte ich damals schon, also wusste ich, dass sich NLP nicht auf schlechte Manipulationsversuche in der Politik fokussierte, sondern vielmehr ein geeignetes Tool zur Selbstmotivation ist. Doch mehr wusste ich noch nicht. So machte ich mich auf die Suche und buchte einige Ausbildungskurse. Eine neue Welt eröffnete sich. Ich erfuhr, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Mir wurde klar, dass ich selbst steuern kann, was und wie ich denke, wie ich meine Sinneswahrnehmungen bewerte.

Ein „verrücktes“ Ziel

Es war Anfang des Jahres 2017, die ersten Sonnenstrahlen begannen, den kalten Winter zu verdrängen. Es war die Zeit meiner ersten Lauf-Trainingsprogramme und es war die Zeit inmitten meiner NLP- und Hypnose Trainerausbildung. Ich fasste einen Entschluss, für den mich alle für verrückt hielten. Ich setzte mir das Ziel, den Vienna City Marathon zu absolvieren, und zwar die volle Distanz. Von 0 auf 42,195 km meine Fähigkeiten zu entwickeln, und dies nur innerhalb eines Jahres.

Ich erarbeitete mir einen Trainingsplan. Die diversen Lauf-Apps waren eine große Unterstützung dabei. Aufgrund meiner, bis dato absoluten Unsportlichkeit entschied ich mich, einen Sportmediziner aufzusuchen. Ich stellte meine Ernährung um und steigerte systematisch mein Training.

Meine ersten Laufdistanzen waren kurz, nicht mehr als 5 Kilometer. Schon bald nahm ich an den ersten Wettbewerben teil. Zunächst 10 km Läufe und dann zwei Halbmarathons. Meine Laufgeschwindigkeit war vergleichsweise langsam und ich wusste, das wird noch ein steiniger Weg. Doch je steiniger und schwieriger es wurde, desto mehr wollte ich.

Je näher der Tag des Marathons kam, desto mehr wurde mir abgeraten, dieses Wagnis tatsächlich in die Tat umzusetzen. Doch meine neu gewonnenen Fähigkeiten mittels Selbsthypnose und einem Tool, das sich „Submodalitäten“ nennt, meinen inneren Schweinehund zu überlisten, brachten mich immer näher an mein Ziel.

Der Tag der Wahrheit

Es war der 22. April 2018. Um 5:39 setzte ich mich in den Zug nach Wien. Es war ein ungewöhnlich warmer Tag für diese Jahreszeit, und etliche Läuferinnen und Läufer sollten dies noch zu spüren bekommen. Ich hatte mich gut vorbereitet, mental stark und mit dem unbändigen Willen, diese Distanz zu schaffen. Mir war schon klar, es wird keine Spitzenzeit werden, es ging mir ums Durchkommen.

In Wien angekommen war es nun Zeit, mich in den Startbereich zu begeben und auf den Startschuss zu warten. Hatte ich doch noch immer die Möglichkeit, einfach bei der Halbmarathon-Distanz meinen Lauf zu beenden, und trotzdem dabei gewesen zu sein.

Der Startschuss fiel und nach 20 Minuten kam auch mein Startblock an die Reihe loszulaufen. Es war einfach herrlich und ich ging es langsam an. Doch bereits auf der Wienzeile, ungefähr bei Kilometer 10, gab es viele Ausfälle. Die Hitze machte den Läufer*innen schwer zu schaffen. Rettung und Sanitäter hatten vollen Einsatz. Mittels Selbsthypnose ging ich in eine Art Trancezustand, die es mir ermöglichte ohne nachzudenken einen Schritt nach dem anderen zu tun und meine volle Aufmerksamkeit darauf und nur darauf zu richten.

Je näher ich an den Entscheidungspunkt „Halbmarathon oder volle Distanz“ am Ende der Mariahilferstrasse kam, desto klarer wurde mir: Ich halte durch! Ich bog links ein auf den Museumsplatz, raus aus der Menge in eine gewisse Einsamkeit. Doch ein paar Unbezwingbare waren wir, das Hauptfeld war schon weit vor uns.

Mit der Technik der Submodalitäten gelang es mir auch nach dieser langen Distanz, die Schmerzen in meinen Beinen bildlich immer wieder aus meinem Körper rauszunehmen.

Nach 5 Stunden, 53 Minuten und 55 Sekunden überquerte ich die Ziellinie vor dem Rathaus. Ich hatte es geschafft. Allen zum Trotz. Ein absolutes Highlight in meinem Leben, von dem ich vor gut einem Jahr noch glaubte, es sei fern jeder denkbaren Möglichkeit. Jetzt ist es Realität.

Autor: Thomas W. Albrecht
Bilder: Picture People

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