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Wann fällt David Rudishas Weltrekord im 800m-Lauf?

Seit 13 Jahren liegt der Weltrekord im 800m-Lauf der Männer bei einer Zeit von 1:40,91 Minuten. Zuletzt rückte die heutige Weltspitze der Marke von David Rudisha bedrohlich nahe.
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Eine erhebliche Steigerung im Kollektiv der Weltspitze hat die ewige Bestenliste im 800m-Lauf, die jahrelang von den Legenden David Rudisha, Wilson Kipketer und Sebastian Coe angeführt wurde, ordentlich umgeschrieben. Neun der Top-16 haben ihre persönliche Bestleistung in der vergangenen Saison aufgestellt. Folgt in der Saison 2025 nun der nächste Schritt? Am 11. Juli findet das Diamond-League-Meeting in Monaco statt – die Lauffans sollten genau hinblicken!

„Ich glaube, der Weltrekord wird in diesem Jahr fallen!“ Das sagte der amtierende Europameister Gabriel Tual der französischen Sportzeitung „L’Équipe“. Der 27-Jährige ist Teil einer unglaublichen Entwicklung im 800m-Lauf. Innerhalb einer Wettkampfsaison steigerte er sich um über zweieinhalb Sekunden und liegt mit seiner beim Diamond-League-Meeting in Paris 2024 erzielten Beszeit von 1:41,61 Minuten auf Platz sechs der ewigen Bestenliste im 800m-Lauf. Platz sechs belegte der französische Europameister auch im Olympischen Finale von Paris 2024. Dass er selbst nicht für den Weltrekord infrage kommt, obwohl auch ihm nur 0,7 Sekunden fehlen, scheint ihm bewusst. Aber: „Es ist sehr aufregend, Teil dieser Entwicklung zu sein.“

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Eine Dynamik mit zwei Hauptdarstellern

Die Entwicklung ist tatsächlich aufregend. Vor der Saison 2024 waren 18 der schnellsten 20 800m-Zeiten der Geschichte mindestens zehn Jahre alt. Doch plötzlich wandte sich das Blatt im vergangenen Jahr komplett. Neues Schuhmaterial, neue Bahnbelege, präziseres Pacing dank der Wavelight-Technologie und revolutionäre Ernährungstechniken mit Natriumbicarbonat werden immer wieder abseits der individuellen Talente als Gründe genannt. Auch wenn die Steigerungen im Kollektiv passierten – die Spitzenleistungen von Djamel Sedjati, Olympia-Dritter, der neue US-Rekord von Bryce Hoppel und der neue spanische Rekord von Mohamed Attaoui, um drei Beispiele zu nennen: Die Jagd auf den Weltrekord von David Rudisha wird wohl ein Fall für zwei: Emmanuel Wanyonyi und Marco Arop.

Die ewige Weltbestenliste im 800m-Lauf der Männer

  • 1:40,91 Minuten – David Rudisha (Kenia), Olympische Spiele 2012
  • 1:41,11 Minuten – Wilson Kipketer (Dänemark), Köln 1997
  • 1:41,11 Minuten – Emmanuel Wanyonyi (Kenia), Lausanne 2024
  • 1:41,20 Minuten – Marco Arop (Kanada), Olympische Spiele 2024
  • 1:41,46 Minuten – Djamel Sedjati (Algerien), Monaco 2024
  • 1:41,61 Minuten – Gabriel Tual (Frankreich), Paris 2024
  • 1:41,67 Minuten – Bryce Hoppel (USA), Olympische Spiele 2024
  • 1:41,73 Minuten – Sebastian Coe (Großbritannien), Florenz 1981
  • 1:41,73 Minuten – Nijel Amos (Botswana), Olympische Spiele 2012
  • 1:41,77 Minuten – Joaquim Cruz (Brasilien), Köln 1984

In Rudishas Fußstapfen

Emmanuel Wanyonyi ist Kenias Hoffnung auf der kürzesten Mittelstrecke. Erst 20 Jahre alt, hat er fast alle wichtigen Ziele bereits erreicht. Er ist Olympiasieger, zweifacher Sieger des Diamond-League-Finals, Junioren-Weltmeister, Crosslauf-Weltmeister mit der Staffel. Es fehlt nur noch der WM-Titel – und der Weltrekord. Beim Diamond-League-Meeting in Lausanne im August 2024 verpasste er Rudishas Marke gerade einmal um zwei Zehntelsekunden. Schon kurz davor, bei den Olympischen Spielen von Paris, wackelte der Weltrekord in einem denkwürdigen Rennen.

In einem in mehreren kenianischen Medien zitierten Interview nahm Wanyonyi den Druck raus. Er setze sich bezüglich des Weltrekords nicht unter Druck. Die Öffentlichkeit hilft ihm dabei nicht, zu nahe ist er dem Weltrekord im letzten Jahr bereits gekommen, zu sehr ist das Entwicklungspotenzial eines 20-jährigen Ausnahmetalents offensichtlich. Das schürt die allgemeine Erwartungshaltung. David Rudisha nutzte einen öffentlichen Auftritt im Rahmen eines Crosslaufs in Kenia dazu, seinen jungen Landsmann über den grünen Klee zu loben und eine Einschätzung abzugeben, dass eine Verbesserung seines Weltrekords bald möglich wäre. Bereits bei einem Auftritt im Rahmen von Paris 2024 sagte der zweifache Olympiasieger, der Weltrekord sei da um gebrochen zu werden.

Besondere Vorgeschichte, besonderes Talent

Wanyonyi stammt aus extrem ärmlichen Verhältnissen, wie die BBC in einem Porträt im November 2024 erzählt, und ist, abseits der bekannten Laufzentren Kenias, im westlichen Landesteil als eines von elf Kindern der Familie aufgewachsen. Bereits im Alter von zehn Jahren musste er als Hirte Geld verdienen, manchmal weniger als umgerechnet 2 Euro im Monat. Als sein Vater im Jahr 2018 verstarb, fielen dem 14-jährigen Burschen familiäre Pflichten zu. Im Laufen fand er eine Inspiration, die ihn fesselte. Und ihm eine Perspektive bot. Heute ist der 20-Jährige Olympiasieger. Sein Trainer, Claudio Berardelli, bezeichnet ihn im BBC-Artikel als „unglaubliches Talent“ mit einer „einzigartigen Kombination von Geschwindigkeit und Ausdauer“. Der Italiener muss es wissen: Kaum ein Trainer hat in den letzten Jahren so viele ostafrikanische Ausnahmeathleten zu internationalen Erfolgen begleitet wie er.

Damit ist Wanyonyi in einer außergewöhnlichen Situation, wie zum Beispiel auch seine berühmte Landsfrau Faith Kipyegon. Denn in der Trainingsgruppe von Berardelli trainieren hauptsächlich Marathonläufer. Daher stehen bei Wanyonyi laut der kenianischen Plattform „Pulse Sports“ auch regelmäßige LongRuns mit einer Distanz von über 20 Kilometer auf dem Programm. Der Athlet selbst beteuerte in diversen Wortmeldungen in kenianischen Medien, dass sein Hauptfokus in dieser Saison nicht auf dem Weltrekord, sondern auf dem WM-Titel in Tokio liegt. Dieser Titel fehlt ihm noch in seiner wertvollen Sammlung, die Niederlage von Budapest schmerzt wohl noch immer.

„Der Weltrekord wird fallen“

Kandidat Nummer zwei ist Marco Arop, Kanadier mit südsudanesischen Wurzeln. Als er drei Jahre alt war entfloh seine Familie dem Bürgerkrieg in der Heimat Richtung Ägypten und ließ sich Jahre später in Edmonton nieder. Arop, dank seiner Körpergröße von über 1,90 Metern auch ein talentierter Basketballspieler, studierte an der Mississippi State University im Süden der Vereinigten Staaten, wo er sich voll auf die Leichtathletik konzentrierte.

Der Nordamerikarekordhalter schlug Wanyonyi 2023 bei der WM in Budapest. In Paris 2024 fehlte eine einzige Hundertstelsekunde auf den Olympiasieg – und nur 0,29 Sekunden auf den Weltrekord von Rudisha. Kurz darauf sagte er in einem Interview mit dem „Canadian Running Magazine“: „Wir sind definitiv in der Lage, den Rekord in diesem (2024, Anm.) oder nächsten Jahr zu brechen.“ Der 26-Jährige ließ wie Wanyonyi die Hallensaison 2025 aus und startete dann in der Grand Slam Track Serie in Nordamerika, wo er alle drei 800m-Läufe sicher und teilweise auch mit guten Leistungen für sich entscheiden konnte. In Kingston ließ er auch Wanyonyi klar hinter sich, der sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht in Topform befand.

Weltrekord als klares Ziel

Das „Canadian Running Magazine“ berichtete Anfang Mai über das Training von Marco Arop und spezifisch voller Erstaunen über die Härte. Es läuft das „Project 99“, also das Streben nach der Zielsetzung einer 1:39er Zeit im 800m-Lauf – es wäre ein historischer Meilenstein. Im Podcast mit „Citius Mag“ sagte der 26-Jährige: „Den Weltrekord hab ich schon seit Jahren im Hinterkopf. Auch als mir noch einige Sekunden darauf fehlten. Jetzt sind wir deutlich näher dran, eine Zeit von 1:40 Minuten laufen zu können.“ Arop hatte bereits früher in Interviews betont, auf den Weltrekord abzuzielen – auch in der Sorge, dass ihm vielleicht ein Konkurrent zuvorkommen könnte. Beim Diamond-League-Finale in Brüssel 2024 unternahm der Kanadier den ersten ernsthaften Versuch den Weltrekord zu knacken. Er scheiterte allerdings. Emmanuel Wanyonyi gewann in 1:42,70 Minuten, Arop wurde nur Dritter.

Der Weltrekord im 800m-Lauf gilt historisch als schwer zu brechen. Bei den Frauen hält Jarmila Kratochvilova den ältesten heute noch gültigen Weltrekord in der Leichtathletik bereits seit über vier Jahrzehnten. Bei den Männern überdauerten die Weltrekorde von Sebastian Coe 16, von Wilson Kipketer 13 und David Rudisha – mindestens – 13 Jahre.

Ein faszinierendes Duell in Monaco

Bisher fehlen die hochkarätige Aufeinandertreffen der beiden Topstars in dieser Saison. In den vergangenen Jahren gab es zwölf (Vorläufe nicht berücksichtigt), viele waren Hundertstelkrimis, etliche Duelle um den Sieg. Der Kenianer führt in der persönlichen Bilanz mit 7:5. Seit gestern ist bekannt: Beim Diamond-League-Meeting am 11. Juli in Monaco stehen die beiden das nächste Mal gemeinsam an der Startlinie. Damit könnte der Weltrekord in diesem Wettkampf zur Disposition stehen.

Wanyonyis Formkurve stieg zuletzt drastisch an, in Stockholm blieb er zum fünften Mal in seiner Karriere unter 1:42 Minuten. Danach zeigte er sich in Interviews unzufrieden über seine Geschwindigkeit auf der finalen Geraden, an der er nun im Training gezielt arbeiten wolle. Arop, der seinen Start bei den kanadischen Meisterschaften zum Monatswechsel zwischen Juli und August angekündigt hat, hat zuletzt einen Trainingsblock eingelegt.

Die Möglichkeit zur Revanche

Auch bei den Weltmeisterschaften von Tokio wird das Duell faszinieren – vielleicht ist dann einer der beiden bereits neuer Weltrekordhalter. Es wäre nicht der erste Weltrekord, der im Fürstentum aufgestellt würde. Der Kenianer hält den Ball flach. Auch der Kanadier betonte gegenüber dem kanadischen Fernsehsender „CBC“, in all dem Streben nach dem Weltrekord keine Schritte setzen zu wollen, die wichtigere Ziele wie die Titelverteidigung bei der WM oder die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gefährden könnten. Beides wirkt wie Ablenkungsmanöver.

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