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Im mit Spannung erwarteten 800m-Lauf im Rahmen des Diamond-League-Meetings in Monaco stand der Weltrekord von David Rudisha auf dem Prüfstand. Die 13 Jahre alte Bestmarke überstand den Abend, Rudishas Landsmann Emmanuel Wanyonyi fehlten letztendlich trotz einer starken Frontrun-Leistung 0,53 Sekunden auf den Weltrekord. In den vier Laufentscheidungen im Fürstentum gab es vier afrikanische Siege, doch vor allem Jimmy Gressier und Mohamed Abdilaahi sorgten im 5.000m-Lauf für europäische Highlights.
Am Ende fehlte gut eine halbe Sekunde auf den Weltrekord von David Rudisha und Emmanuel Wanyonyi musste zur Kenntnis nehmen, dass er freilich einen weiteren wichtigen Schritt in seiner saisonalen Entwicklung genommen hat, zur Krönung aber doch noch ein Stück fehlt. In einem Wettkampf, der von Patryk Sieradzki 500 Meter lang optimal angelaufen wurde (Zwischenzeit bei 400m: 49,2 Sekunden), fehlte am Ende nicht viel auf den Weltrekord, aber eben doch eine halbe Sekunde. 1:41,44 Minuten – das ist die schnellste 800m-Zeit der Saison (davor war es Wanyonyis Stockholm-Siegeszeit), ein neuer Meetingrekord (einen Hauch schneller als der dieses Mal drittplatzierte Djamel Sedjati im Vorjahr) und Wanyonyis drittschnellste Karrierezeit. Für den Weltrekord müsse er im Training noch härter puschen, wurde der Jungstar in kenianischen Medien zitiert. Er habe alles gegeben und habe sich auf den Wettkampf bestens vorbereitet. „Ich glaube, in Zukunft kann ich ihn brechen. Aber jetzt liegt mein Fokus auf der WM-Vorbereitung!“
Im Wettkampf, einer der Höhepunkte des traditionell an Höhepunkten reichen Meetings an der Cote d’Azur, zeigte der 20-jährige Olympiasieger seine Dominanz und marschierte von vorne in die zweite Runde. Nur einen Augenblick schien seine Führung durch den furios auftretenden Josh Hoey gefährdet, doch Wanyonyi hatte noch reichlich Energie für die finalen 100 Meter. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die entscheidenden Hundertstelsekunden im virtuellen Vergleich mit der Weltrekordzeit bereits verloren.

Was den Sieg für den Kenianer aber dennoch wertvoll macht, sind die Abstände auf die Konkurrenten. Hallen-Weltmeister Hoey überperformte in seinem mit Abstand besten Wettkampf und pulverisierte seine persönliche Bestleistung auf eine Zeit von 1:42,01 Minuten, nicht weit entfernt vom US-Rekord von Bryce Hoppel, der als Wettkampf-Siebter dieses Mal eine untergeordnete Rolle spielte. Doch die beiden weiteren Olympia-Medaillengewinner hatten ordentliche Verspätung. Djamel Sedjati, im Vorjahr in Monaco Sieger, hatte 0,76 Sekunden Rückstand als Dritter, Marco Arop als Fünfter 1,29 Sekunden. Der Kanadier hing noch zu Rennmitte weit hinten, fast zwei Sekunden hinter Wanyonyi, startete auf der Gegengerade eine eindrucksvolle Aufholjagd wie damals bei der WM 2023, die Hoffnung auf ein phänomenales Finale machte, doch auf der Zielgerade konnte der amtierende Weltmeister nicht mehr zulegen.
Vor Arop erreichte noch Peter Bol das Ziel, der seinen Ozeanienrekord deutlich auf eine Zeit von 1:42,55 Minuten verbesserte – 1,24 Sekunden schneller als seine erst vor wenigen Wochen aufgestellte, bisherige nationale Bestmarke.
Das Herculis Meeting in Monaco nahe dem Hauptsitz des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) ist eines der bedeutendsten und prestigeträchtigsten Meetings der Diamond League. Es wird seit 1987 jährlich im Stade Louis II ausgetragen und hat gemeinsam mit dem Diamond-League-Meeting in London seinen Fixplatz im Juli. Das Meeting ist bekannt für seine serienweise großartigen Laufleistungen.

Mit ihrem Sieg beim 1.000m-Lauf der Frauen erhielt Nelly Chepchirchir ihre Siegesserie auch nach dem fünften Wettkampf in dieser Saison noch aufrecht. Doch das größere Ausrufezeichen gelang der 22-jährigen Kenianerin mit dem Wie. In einem Wettkampf, in dem Jessica Hull den Weltrekord von Svetlana Masterkova (2:28,93) anstrebte, überholte sie die Australierin und vollendete ein grandioses Rennen mit einer Zeit von 2:29,77 Minuten. Erst drei Läuferinnen haben davor die Zeit von 2:30 Minuten in dieser selten gelaufenen Distanz unterboten. Damit schwingt sich WM-Fünfte von 2023 zur ernsthaften Medaillenkandidatin bei den Weltmeisterschaften im 1.500m-Lauf auf, in einer hinter Superstar Faith Kipyegon auf einem hohen Niveau hart umkämpften Szene. Es war bereits der vierte Sieg für Chepchirchir, die in der Trainingsgruppe mit Wanyonyi trainiert, in der diesjährigen Diamond League.
Hull, in Paris Olympia-Silbermedaillengewinnerin über 1.500m, musste sich in einer Zeit von 2:30,96 Minuten, immerhin ein Ozeanienrekord, mit Position drei zufrieden geben. „Die letzten 80 Meter waren die härtesten, die ich jemals erlebt habe“, wurde die 28-Jährige auf der Plattform „Runner’s Tribe“ zitiert. Die entfesselnd und sehr aktiv laufende Addison Wiley aus den USA belegte mit neuem Nordamerikarekord von 2:30,71 Minuten die zweite Position – fast eine Sekunde hinter der überlegenen Siegerin.

Der hochkarätige Wettkampf in Monaco war nicht die optimale Bühne für die Europäerinnen. Jemma Reekie rettete sich als Fünfte ins Ziel, beste Französin war 800m-Spezialistin Anais Bourgoin als Achte vor 1.500m-Hallen-Weltmeisterin Agathe Guillemot. Die Schweizerin Audrey Werro beendete den Wettkampf als Zehnte und damit noch zwei Positionen vor Mary Moraa. Die kenianische 800m-Weltmeisterin von Budapest 2023 enttäuschte wie bei allen ihren bisherigen Wettkämpfen in dieser Saison, ihre Form wirft zwei Monate vor den Weltmeisterschaften etliche Fragen auf.
Die Langstreckenrennen der Männer liefen in Monaco in ähnlichem Muster ab. Yomif Kejelcha aus Äthiopien und Soufiane El Bakkali aus Marokko untermauerten ihre Favoritenrollen im 5.000m- und im 3.000m-Hindernislauf mit frühen Tempoverschärfungen und führten das Rennen lange als Solisten an. Beide wurden jedoch vor dem Finale wieder eingeholt und konnten sich trotzdem im Kampf um den Sieg mit Beschleunigungen auf der Zielgerade dennoch für sich entscheiden. Die mit dieser Renngestaltung möglicherweise anvisierten Superzeiten kamen jedoch in keinem der beiden Fälle zustande.
Kejelcha hat bekannterweise seine Stärken nicht im Endspurt, deswegen war Monaco wohl auch eine Nagelprobe für ein taktisches Verhalten. Der Zusammenschluss des Feldes gelang nicht ganz, weil seine, vom Namen her, Hauptkontrahenten nicht an ihre Topform herankamen. Der Äthiopier gewann in einer Zeit von 12:49,46 Minuten mit vier Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten und überraschte laut „Let’sRun.com“ nach dem Wettkampf mit der Aussage, sich nach den Weltmeisterschaften auf die Straße konzentrieren zu wollen und möglicherweise nie mehr einen 5.000m-Lauf zu bestreiten. Der Fokus Richtung WM liege bei ihm auf der doppelten Distanz.

Hinter Kejelcha setzten sich die Europäer bestens in Szene. Jimmy Gressier verbesserte seinen eigenen französischen Rekord auf eine Zeit von 12:53,36 Minuten und wurde vor Birhanu Balew Zweiter. Dabei klagte der 28-Jährige im Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ von schweren Beinen nach dem dreiwöchigen Aufenthalt in der Höhe von Font-Romeu, dem beliebten Höhentrainingslager in den Pyrenäen. „Ich habe noch nie ein Diamond-League-Rennen gewonnen und das würde ich gerne“, so der Straßenlauf-Europameister (Halbmarathon), der sein mit Abstand stärkstes Wettkampfjahr zeigt.
Als Vierter lief Mohamed Abdilaahi in einer Zeit von 12:53,63 Minuten einen neuen deutschen 5.000m-Rekord. Damit löschte der 26-Jährige eine historische Marke: 28 Jahre lang hielt Dieter Baumann, Olympiasieger von 1992, den deutschen 5.000m-Rekord. „Seit drei Jahren versuche ich diese Marke zu knacken. Das hat mich jeden Tag im Training gepuscht“, sagte der Deutsche im Interview mit der ARD. Damit hat Abdilaahi, der die Olympischen Spiele nach einer schwierigen Saison 2024 verpasst hatte, das Limit für Tokio 2025 sicher.
Auch dem Schweizer Dominic Lobalu gelang mit Platz sechs ein Top-Resultat, Étienne Daguinos überzeugte als zweitbester Franzose mit Platz fünf. Damit rangierten trotz der Aufgabe von Stockholm-Sieger Andreas Almgren vier Europäer unter den besten sechs – ein klares Zeichen dafür, dass Europas Spitze in diesem Jahr in dieser Disziplin auf einem vielleicht nie da gewesenen Niveau in einer eindrucksvollen Breite mitkämpfen kann. Der Schwede litt unter einem Krampf in der Oberschenkelmuskulatur.
Im 3.000m-Hindernislauf lag Soufiane El Bakkali zwei Drittel der Distanz auf Kurs einer Zeit deutlich unter acht Minuten, am Ende glitt ihm diese durch die Finger (8:03,18). Für die Leistung des Tages sorgte trotz des Sieges des marokkanischen Stars sein überraschender Kontrahent an diesem Abend. Ryuji Miura sorgte für eine Sternstunde und pulverisierte seinen eigenen japanischen Landesrekord um sechseinhalb Sekunden auf eine Zeit von 8:03,43 Minuten. Erst auf den letzten Schritten ab dem letzten Hindernis konnte sich der Olympiasieger gegen den Asiaten behaupten. Beachtlich in Szene setzte sich auch Junioren-Weltmeister Edmund Serem mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 8:04,00 Minuten auf dem dritten Platz.

Gar keine Rolle spielte nach einem Sturz in der Anfangsphase Frederik Ruppert, vor eineinhalb Monaten in Rabat mit einem phänomenalen deutschen Rekord, auf Platz 14. Der Deutsche ist nach wie vor die Nummer zwei der Weltjahresbestenliste hinter El Bakkali und vor Miura. Deutlich besser lief es für seinen Landsmann Karl Bebendorf, der die große Bühne Diamond League für seinen ersten 3.000m-Hindernislauf unter 8:10 Minuten nutzte. Mit einer Leistung von 8:08,21 Minuten platzierte er sich auf Rang sieben, direkt hinter dem Äthiopier Samuel Firewu, der in dieser Saison bereits ein Diamond-League-Rennen für sich entscheiden konnte. „Fünftes Rennen in dieser Saison, fünfte Bestleistung. Besser könnte es nicht laufen“, so Bebendorf in der ARD.
🇫🇷 Beim Meeting International de Marseille, Teil der World Athletics Continental Tour Bronze, liefen Joceline Wind aus der Schweiz und Nele Weßel aus Deutschland auf die Positionen drei und vier des 1.500m-Laufs. Schneller als die beiden waren nur die beiden routinierten Spanierinnen Esther Guerrero (4:03,93) und Marta Perez. Vera Bertemes-Hoffmann markierte im 3.000m-Lauf einen neuen luxemburgischen Rekord von 8:48,84 Minuten. Einen Heimsieg gab es durch Flavien Szot im 3.000m-Lauf der Männer in einer Zeit von 7:41,63 Minuten, Yanis Meziane musste sich über 800 Meter hinter Moad Zahafi aus Marokko einreihen (1:44,64).
🇮🇹 Beim Meeting im italienischen Lignano Sabbiadoro, ebenfalls Teil der World Athletics Continental Tour Bronze, zeigte Jake Wightman mit dem Sieg im 800m-Lauf in einer Zeit von 1:44,71 Minuten vor seinem Landsmann Alex Botterill und Amel Tuka aus Bosnien Herzegowina auf. Damit befindet sich der ehemalige Weltmeister im 1.500m-Lauf, der mit neuem Coach in die Saison gegangen ist, weiter auf dem aufsteigenden Ast.
🇺🇸 Beim Ed Murphy Classic in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, ein Meeting der World Athletics Tour Silber, absolvierte Athing Mu-Nikolayev ihren zweiten 800m-Lauf nach jenem in Eugene und agierte offensiver. Sie wurde in 2:00,42 Minuten dennoch nur Sechste. Ajee Wilson musste sich als beste Amerikanerin in 1:59,53 Minuten deutlich hinter Siegerin Shafiqua Maloney aus St. Vincent und den Grenadinen einordnen (1:58,14). Im 1.500m-Lauf der Männer behielt Hallen-WM-Medaillengewinner Luke Houser in 3:34,57 Minuten knapp die Oberhand gegenüber Cooper Teare.
🇺🇸 Bei der Sunset Tour in Los Angeles, ein Meeting der World Athletics Continental Tour Silber, lief Konstanze Klosterhalfen in einer Zeit von 32:09,79 Minuten deutlich hinterher. Die Deutsche hatte eineinhalb Minuten Rückstand auf die äthiopische Siegerin Senayet Getachew (30:36,67). Josette Andrews hinterließ auf ihrer Unterdistanz einen starken Eindruck und gewann den 1.500m-Lauf in einer Zeit von 4:00,10 Minuten. Bei den Männern lief der Deutsch-Amerikaner Sam Parsons im 5.000m-Lauf eine neue persönliche Bestleistung von 13:15,09 Minuten als Wettkampf-Vierter. Isaac Updike überzeugte als Sieger des 3.000m-Hindernislaufs in 8:13,68 Minuten.
🇮🇪 Bei den Morton Games in Dublin, ein Bronze-Meeting, lief der junge Ire Cian McPhillips mit seinem Sieg im 800m-Lauf in einer Zeit von 1:44,19 Minuten nahe an den nationalen Rekord von Mark English heran. Auch Andrew Coscoran gelang ein Heimsieg über die Meile. In 3:51,12 Minuten führte er einen irischen Fünffachsieg an.
🇪🇸 Beim Meeting in Barcelona Mitte letzter Woche gewann der ehemalige Europameister Mariano Garcia den 800m-Lauf der Männer in einer Zeit von 1:44,65 Minuten knapp vor seinem Landsmann Elvis Canales, WM-Dritter in der Halle. Als Vierter schaffte Ramon Wipfli eine Woche vor der U23-EM eine persönliche Bestleistung von 1:45,03 Minuten und scheiterte nur knapp am Schweizer U23-Rekord des ehemaligen Weltmeisters André Bucher. Bei den Frauen führte Esther Guerrero in 1:59,70 Minuten einen spanischen Doppelsieg vor Daniela Garcia an.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Sonya Maleter for Meeting Herculis EBS