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Weltjahresbestleistung in großer Dominanz für Sawe

Topstar Sabastian Sawe triumphierte auch in seinem dritten Marathon und ignorierte auf dem Weg zu einer eindrucksvollen Siegerzeit die schwierigen Bedingungen.
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Sie schwitzten alle – und das nicht zu wenig. Bei Temperaturen von über 20°C bereits zum Startschuss und direkter Sonneneinstrahlung war der BMW Berlin Marathon 2025 eine besondere Herausforderung. Über eine Million Zuschauer nutzten das Kaiserwetter zum Anfeuern und beflügelten auch Sabastian Sawe auf seinem Weg zu einer beeindruckenden Siegerzeit von 2:02:16 Stunden. In diese Euphorie kamen Österreichs Topläufer nie.

Es mag zwar „nur“ der neuntschnellste Marathon aller Zeiten gewesen sein und „nur“ der viertschnellste Marathon in der Geschichte des Berlin Marathon – doch der 42,195 Kilometer-Lauf von Sabastian Sawe geht als eine der außergewöhnlichsten Marathonleistungen in die Geschichte dieser Sportart ein. Trotz der absolut nicht idealen Laufbedingungen orientierte sich der Kenianer an seinem Plan, den Streckenrekord von Eliud Kipchoge (2:01:09, der ehemalige Weltrekord) mit der Option auf eine Weltrekord-Attacke zu unterbieten. Seine Klasse hatte er bereits bei seinem Debüt in Valencia im Dezember (2:02:05) und beim Sieg im April in London (2:02:27) unter Beweis gestellt, der Auftritt als Topstar beim Berlin Marathon sollte den nächsten Karriereschritt bringen.

Sabastian Sawe:
Halbmarathon-Splits: 1:00:16 / 1:02:00 Stunden
5km-Teilzeiten: 14:09 / 14:17 / 14:25 / 14:18 / 14:23 / 14:34 / 14:44 / 15:00 / 6:26 (2,195 km) Minuten

Und obwohl in einer Zeit von 2:02:16 Stunden weder Streckenrekord noch Bestleistung gelangen, war Sabastian Sawe der große Star des Berlin Marathon 2025 – übrigens mit Weltjahresbestleistung, die er durch seinen London-Sieg schon vorher inne hatte.

BMW Berlin Marathon 2025

Große Freude bei Sawe

Sabastian Sawe trotzte den hohen Temperaturen und lieferte auch im Rahmen der Tatsache, dass seine Tempomacher ob des hohen Tempos frühzeitig schon mit ihrer Arbeit aufhören mussten und der spätere Sieger schon bei der Zwischenzeit bei Kilometer 25 alleine unter der Berliner Sonne laufen musste, eine Topleistung ab. Der beste Deutsche des Tages, Hendrik Pfeiffer, mutmaßte im RTL-Interview sogar: „Wenn der mit der gleichen Form und Tagesverfassung hier bei 12°C gelaufen wäre, wäre die Zwei-Stunden-Marke gefallen!“

© Sebastian Wells/OSTKREUZ

Sawe ließ sich im Interview mit der übertragenden TV-Anstalt RTL zu keinen dergleichen Aussagen hinreißen, sondern sprach lieber über einen gelungenen Marathon-Tag: „Freilich war es hart, aber ich war gut vorbereitet, habe mein Bestes gegeben und freue mich sehr über meine Leistung. Am Wetter kann man nichts ändern.“ Wie außergewöhnlich seine Leistung war, demonstriert auch der rekordverdächtige Abstand von fast vier Minuten zum Zweitplatzierten – und der Vergleich zu anderen Topläufern, die viel weiter von ihren persönlichen Bestleistungen wegblieben als Sawe.

Ergebnis BMW Berlin Marathon 2025 der Männer
1. Sabastian Sawe (Kenia) 2:02:16 Stunden
2. Akira Akasaki (Japan) 2:06:15 Stunden
3. Chimdessa Debele (Äthiopien) 2:06:57 Stunden
4. Guye Adola (Äthiopien) 2:07:11 Stunden
5. Yuhei Urano (JPN) 2:07:35 Stunden
6. Hassan Chahdi (Frankreich) 2:07:35 Stunden
7. Shin Kimura (Japan) 2:08:37 Stunden
8. Hendrik Pfeiffer (Deutschland) 2:09:!4 Stunden
9. Joseph Panga (Tansania) 2:09:35 Stunden
10. Ahmed Ouhda (Italien) 2:10:39 Stunden
11. Johannes Motschmann (Deutschland) 2:10:40 Stunden

21. Erik Hille (Deutschland) 2:16:40 Stunden
34. Mario Bauernfeind (Österreich) 2:20:01 Stunden

Japanischer Jubel

Einzig Vorjahressieger Milesa Mengesha ging das hohe Tempo Sawes mit. Gabriel Geay, der über eine Bestleistung von 2:03:00 Stunden verfügt, unterließ den Versuch bereits nach einigen Kilometern, pendelte sich im Verfolgerfeld ein und musste das Rennen später verlassen. Mengesha verlor den Kontakt zu Sawe kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer 15. Noch vor Kilometer 30 stieg der Äthiopier aus, nachdem der Abstand nach vorne rasant größer und nach hinten kontinuierlich kleiner geworden war.

Die Verfolgergruppe bildeten Chimdessa Debele, Daniel Mateiko und Guye Adola, der den Berlin Marathon ebenfalls bereits einmal gewonnen hat. Dahinter entwickelte sich aber eine Überraschung, die auf den letzten Kilometern real wurde. Akira Akasaki, der sich bereits bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 als hitzeresistent präsentierte und damals den beachtlichen sechsten Platz belegte, übernahm wenige Kilometer vor dem Ziel den zweiten Platz und verteidigte diesen mit einer Zeit von 2:06:15 Stunden bis zum Zielstrich hinter dem Brandenburger Tor. Damit verwies der 27-Jährige Debele (2:06:57) und Adola (2:07:11) noch deutlich auf die nächsten Plätze. Neben dem Spitzenplatz durfte er sich auch über eine neue persönliche Bestleistung freuen.

Akira Asasaki
Halbmarathon-Splits: 1:02:59 / 1:03:16 Stunden
5km-Teilzeiten: 14:53 / 15:54 / 14:57 / 14:58 / 15:06 / 14:58 / 14:46 / 15:09 / 6:34 (2,195 km) Minuten

Überhaupt war der Marathon-Tag in Berlin ein erfolgreicher für Japans Laufszene: Yuhei Urano, im Frühling 13. in Tokio, belegte in einer Zeit von 2:07:35 Stunden den fünften Platz, Shin Kimura in 2:08:37 Stunden den achten Platz. In der Auflistung fehlt dabei noch der intendierte Spitzenplatz des nationalen Rekordhalters Kengo Suzuki, der als 19. unter Wert geschlagen wurde.

Pfeiffer mit historisch gutem Abschneiden

Bester deutscher Marathonläufer des Tages war Hendrik Pfeiffer, der in einer Zeit von 2:09:14 Stunden als Achter ins Ziel kam und die nationale Rangliste vor Johannes Motschmann (2:10:40, 11.) anführte – beides starke Leistungen angesichts der Umstände. „Top-Ten wäre geil gewesen, so wie in London letztes Jahr. Aber wenn man als 38. in der Meldeliste ins Rennen geht und als Elfter herauskommt, ist das positiv“, sagte Motschmann, der seine persönliche Bestleistung um eine Sekunde verbesserte. Der 31-Jährige bewertete die Stimmung als „die beste, die ich je erlebt“ habe und hatte trotz unglaublich zäher letzter Kilometer Spaß am Marathon.

© SCC Events / Petko Beier

Diesen vermittelte auch Pfeiffer, der von einem der größten Erfolge seiner Karriere sprach: „Top-Ten bei einem World Marathon Major ist ein Wahnsinn.“ Dennoch herrschten bei ihm gemischte Gefühle vor: „Unglaublich happy über die Leistung, aber im Hintergrund habe ich Angst wegen der Förderung.“ Ohne Marathonzeit unter 2:07 Stunden in diesem Jahr droht ihm das Herausfallen aus einem wichtigen Fördertopf. „Sub-2:07 ist bei diesen Bedingungen einfach absurd, ich hätte heute nicht mehr machen können.“ Für Pfeiffer wäre das nach den Nicht-Nominierung für die Weltmeisterschaften in Tokio auf DLV-Entschluss ein weiterer bitterer Rückschlag. Dabei war kein deutscher Marathonläufer beim Berlin Marathon so gut platziert wie der 32-Jährige seit dem dritten Platz von Jörg Peter im fernen Jahr 1990.

Sebastian Hendel und Haftom Welday, die lange Zeit in der großen Gruppe mit Pfeiffer liefen, erreichten das Ziel dagegen nicht.

Kein rot-weiß-rotes Happy-End

Keine Erfolgsmeldung lieferte der wichtigste deutsche Marathon für die österreichische Marathonspitze. Peter Herzog (Union Salzburg LA) gab das Rennen kurz nach dem Halbmarathon auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn Mario Bauernfeind (ÖBV Pro Team) bereits überholt. Doch auch der Wiener hatte mit den hohen Temperaturen zu kämpfen und erreichte in einer Zeit von 2:20:01 Stunden und Platz 34 nicht jenes Ergebnis, das er sich erwünscht hätte: „Ich bin mit beidem absolut unzufrieden. Ab Kilometer 26 war es ein extrem zähes Rennen, ich habe nicht genug Luft bekommen.“

Mario Bauernfeind
Halbmarathon-Splits: 1:06:49 / 1:13:12 Stunden
5km-Teilzeiten: 15:45 / 15:52 / 15:59 / 15:47 / 16:04 / 16:45 / 17:49 / 18:29 / 7:31 (2,195 km) Minuten

Der 34-Jährige zeigte sich im Telefonat mit RunUp.eu wenige Stunden nach seiner gestrigen Zielankunft ziemlich überrascht, wie rasch er „explodiert“ sei – und das obwohl er sich angesichts der Wetterbedingungen für eine defensive Angangsstrategie eines Tempos von rund 3:10 Minuten pro Kilometer entschieden hatte. „Bis Kilometer zehn habe ich mich extrem gut gefühlt. Ich hab auch mit der Halbmarathon-Durchgangszeit noch Vorlieb genommen, auch wenn ich langsamer unterwegs war als erhofft. Vor Kilometer 25 geht es minimal bergauf und da hat mich die volle Breitseite erwischt. Keine Wolke am Himmel, die heiße Luft ist gestanden, es ging kaum mehr etwas. Ins Ziel zu kommen war ab da die einzige Priorität“, erzählte der Wiener.

© SIP / Johannes Langer

Er hätte sich nie vorstellen können, so viel Zeit zu verlieren, dementsprechend groß sei die Enttäuschung – besonders nach dem guten Sommertraining. Die „geniale Anfeuerung“ vom Streckenrekord habe ihn ins Ziel gerettet, das er bei seinem Major-Debüt unbedingt erreichten wollte. „Ich habe schließlich viel hineingesteckt. Da ohne Ergebnis zurückzureisen, wäre bitter gewesen.“ Das Marathon-Erlebnis Berlin und die Vorbereitung darauf, inbesondere hinblicklich der Trainingssteuerung, sowie die Wettkampfbedingungen seien ein gewaltiger Lerneffekt. „Ich bin in der Südstadt super betreut , habe die besten Trainingsdaten meiner Laufbahn. Aber davon kann ich mir nichts kaufen, es geht darum, an Tag X die Trainingsverfassung auf die Straße zu bringen.“ Das sei ihm nicht zufriedenstellend gelungen: „Die Enttäuschung ist groß!“

Herzog früh erschöpft aus dem Rennen

Keine Zielankunft vorweisen kann Peter Herzog, der sich noch vor der Zwischenzeit bei Kilometer 25 entschied, aus dem Rennen auszusteigen. „Normalerweise habe ich immer durchgekämpft. Man will nach Monaten des zielgerichteten Trainings und des ganzen Einsatzes nicht mit leeren Händen da stehen. Aber heute war es aussichtslos“, schilderte der Salzburger. Bereits bei Kilometer 15 fühlte sich der Marathon so schwer an, wie er es normalerweise erst ab Kilometer 30 tut. Noch ungünstiger: Das Gefühl wurde rasant noch schlimmer, von Minute zu Minute. „Es war ein mentaler Krieg, aber ich habe den Sinn nicht mehr darin gesehen, weiterzulaufen. Ich bin in keinen kompetitiven Rhythmus gekommen.“

© SIP / Johannes Langer

Multiple Dinge hätten nicht funktioniert: keine gute Gruppe, kein flotter Rhythmus und die Muskeln sind an diversen Körperstellen früh schon fest geworden, von der Hüfte bis zur Achillessehne. Im Gegensatz zu Bauernfeind nahm Herzog in der Tempogestaltung durchaus Risiko in Kauf, doch sein geplantes Tempo von 3:06 Minuten pro Kilometer konnte er nur rund zehn Kilometer halten. „Du meldest dich für den Berlin Marathon an, weil du hier schnell laufen willst. Ich war sehr gut vorbereitet und sehr fit, das wollte ich auf jeden Fall zeigen. Aber es war zu früh zu viel, was nicht geklappt hat“, so der 38-Jährige, der viele tolle Erinnerungen mit dem Berlin Marathon verbindet – bei seinem möglicherweise letzten Antritt mit spitzensportlichem Anspruch in der deutschen Hauptstadt sammelte er leider keine positive.

Sabastian Sawe

Sabastian Kimaru Sawe ist ein Späteinsteiger in den Laufsport. Erste internationale Wettkämpfe im Straßenlauf bestreitet er erst seit 2022, damals war er 27. Sein Trainer Claudio Berardelli ist überzeugt von seinem Talent und seinen Fähigkeiten. Rasant entwickelten sich die beiden über den 10km-Lauf und den Halbmarathon zu einem Top-Athleten auf der globalen Bühne, seit knapp einem Jahr auch im Marathon.

Das Talent bekam Sawe auch durch seine Gene mit auf seinen Weg. Seine Mutter war eine Sprinterin, sein Onkel ein 800m-Läufer. Abraham Chepkirwok hält noch heute den 800m-Rekord für Uganda in 1:43,72 Minuten und verpasste 2007 nur knapp eine WM-Medaille. Seine wichtigste Bezugsperson auf emotionaler Ebene war die Großmutter. Seit sieben Monaten ist Sabastian Sawe selbst Vater.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer, © Sebastian Wells/OSTKREUZ & © SCC Events / Petko Beier

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