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Ruth Chepngetich unter Dopingverdacht

Wie die Athletics Integrity Unit (AIU) bekannt gab, hat Marathon-Weltrekordhalterin Ruth Chepngetich wegen einer positiven Dopingprobe eine provisorische Suspendierung akzeptiert.
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Die Sportwelt hat voraussichtlich einen neuen, höchstprominenten Dopingskandal. Falls sich das positive Ergebnis der am 14. März abgenommenen Dopingprobe bei Ruth Chepngetich in einem Dopingfall bestätigt, muss nicht nur die Geschichte ihrer sportlichen Laufbahn drastisch umgeschrieben werden. Vielleicht auch jene Erzählungen über den erstaunlichen Meilenstein, den die Kenianerin am 13. Oktober 2024 in Chicago erreicht hat: den ersten Marathonlauf einer Frau unter 2:10 Stunden.

Gestern Nachmittag gab die Athletics Integrity Unit (AIU) die provisorische Suspendierung von Ruth Chepngetich aufgrund einer am 14. März abgenommenen Dopingprobe, bei deren Analyse die verbotene Substanz Hydrochlorothiazid entdeckt wurde, offiziell bekannt. Die Athletin habe der provisorischen Suspendierung für die Zeit weiterer Ermittlungen zugestimmt, so AIU-Chef Brett Clothier, deren Vertreter im April für die Anhörung der 30-Jährigen nach Kenia gereist sind. Eine provisorische Suspendierung ist laut den Regularien der Welt Anti Doping Agentur (WADA) bei gewissen Diuretika und maskierenden Substanzen gar nicht zwingend vorgesehen, erklärt die AIU.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die globale Medienlandschaft. Bis zu einer endgültigen Entscheidung hat die Athletin noch das Recht auf Einspruch. Die Ermittlungen von Seiten der AIU laufen seit Monaten.

Späte Nachwehen des Weltrekords

Nach dem Chicago Marathon 2024 stellte Let’sRun.com-Gründer Robert Johnson bei der Pressekonferenz eine verallgemeinerte Frage zu Doping, um eine Reaktion von Neo-Weltrekordhalterin Ruth Chepngetich zu erfahren. Diese Episode erweckte in Kenia eine Posse, die sogar das kenianische Parlament erreichte, das umgehend eine offizielle Entschuldigung des US-Journalisten forderte, die natürlich nicht kam. Vor wenigen Tagen reagierten sowohl das kenianische Parlament als auch der kenianische Verband auf einen von „Marathon Handbook“ veröffentlichten Artikel, der die Unglaubwürdigkeit der Weltrekordleistung von Chepngetich indirekt mit dem Begriff Doping verband. Nun könnten diese außergewöhnlichen Ereignisse unter anderem Licht erscheinen.

Let’sRun.com ließ gestern in der Berichterstattung über die News von Chepngetichs Suspendierung erkennen, dass viele in der Laufszene über die Neuigkeiten nicht schockiert sein würden und erinnerten nicht nur an die gewaltige Verbesserung des Weltrekords im Marathon durch Chepngetich, sondern auch an die prominenten Dopingfälle von Rita Jeptoo und Rio-Olympiasiegerin Jemima Sumgong, die wie Chepngetich von Manager Federico Rosa vertreten wurden.

Hydrochlorothiazid

Hydrochlorothiazid ist ein harntreibendes Diuretikum, welches für rasante Gewichtsreduktion eingesetzt werden kann – und zum Verschleiern der Verwendung anderer im Sport verbotener, weil leistungssteigernder Substanzen. Daher ist die Verwendung dieses Diuretikums im Sport laut WADA-Code verboten. Bei Ruth Chepngetich wurde die fast 200fache Konzentration der von der WADA erlaubten Menge im Urin entdeckt.

Freiwillige Suspendierung

Die positive Dopingkontrolle wurde am 14. März 2025 bei einem so genannten „Out-of-Competition“-Test abgenommen. Fünf Tage zuvor hatte die Kenianerin den Lissabon Halbmarathon bestritten und dabei als Zweite in einer Zeit von 1:06:20 Stunden einen nicht unbedingt astronomischen Wettkampf bestritten. Die neuen Erkenntnisse erklären nun auch die überraschende, kurzfristige Absage des Starts beim London Marathon 2025 Ende April – damals hatte sie ihre provisorische Suspendierung bereits akzeptiert.

Unabhängig der weiteren Ereignisse scheint es unwahrscheinlich, dass der Weltrekordlauf von Chicago in einer Zeit von 2:09:56 Stunden zur Disposition steht. Er wurde bereits von World Athletics offiziell ratifiziert. Der Veranstalter des Bank of America Chicago Marathon wies darauf hin, dass alle bei World Marathon Majors startende Eliteläufer*innen einem Testingpool entstammen. Chepngetich hat alleine beim Chicago Marathon 2024 ein Preisgeld von 150.000 US-Dollar (umgerechnet ca. 129.000 Euro) gewonnen.

Dopingseuche in Kenia

Sollte sich der Dopingfall Ruth Chepngetich nach den üblichen gerichtlichen Prozessen bewahrheiten, droht der 30-Jährigen eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Sie würde als eine der prominentesten Dopingfälle in die Sportgeschichte eingehen.

Für das Zeugnis der kenianischen Leichtathletik ist der Fall Ruth Chepngetich mit ihrer Prominenz ein neuerlicher niederschmettender Rückschlag. 141 Fälle von kenianischen Athlet*innen stehen nun auf der Sanktionsliste der Athletics Integrity Unit (AIU), die vor Indien mit Abstand meisten weltweit – und unter den rund 660 momentan nicht startberechtigten Athlet*innen ein beachtlicher Gutteil. Wie Let’sRun.com unter Berufung auf die AIU berichtete, wurden die kenianischen Olympia-Teilnehmer*innen von 2024 im Vorfeld im Schnitt neunmal außerhalb von Wettkämpfen getestet – das ist der dritthöchste Wert weltweit hinter Äthiopien und China und doppelt so häufig wie beispielsweise Athlet*innen aus den USA und Deutschland (Höchstwert unter europäischen Athlet*innen).

Nur drei Tage vor der Bekanntgabe der Suspendierung Chepgnetich veröffentlichte die Athletics Integrity Unit (AIU), dass 97,8% der Leichtathlet*innen, die an den Olympischen Spielen 2024 teilgenommen haben, im Vorfeld Dopingtests absolvieren mussten. Bei den Medaillengewinner*innen lag der Wert laut dem Jahresbericht 2024 bei 100%. Auch hier lagen die afrikanischen Athlet*innen klar an der Spitze vor den europäischen.

Fünf Jahre Sperre für Kipkorir

Die Dopingjäger in der Welt der Leichtathletik sind also weiterhin bemüht, Betrüge aufzudecken – und das gelingt auch regelmäßig. Nicht immer so prominent wie bei Ruth Chepngetich, aber durchaus erwähnenswerte Fälle. Vor wenigen Tage wurde die zweijährige Sperre des kenianischen Marathonläufers Felix Kirui, kein internationaler Topläufer, bekannt gegeben. Dieselbe Sanktion ereilte Brian Kipsang, Fünfter des letztjährigen Toronto Marathon, ein Jahr mehr erhielt Nehemiah Kipyegon. Prominenter ist der Name von Brimin Kipkorir, zweifacher Sieger des Frankfurt Marathon. Der 36-Jährige, schon eine Zeitlang suspendiert, wurde für fünf Jahre gesperrt. Im Juni wurde Benard Kibet Koech, in Paris Olympia-Fünfter im 10.000m-Lauf, wegen Auffälligkeiten im biologischen Pass suspendiert.

Olympia-Siebte von Paris gedopt

Aber auch in Europa gab es in den letzten Monaten beachtenswürdige Dopingfälle, wenngleich mit Afrikabezug. Die für Rumänien startende, kenianische Marathonläuferin Delvine Meringor muss drei Jahre zuschauen, weil ihr Blutprofil auf Dopingmissbrauch hingewiesen hat. Die 32-Jährige wurde Siebte im Olympischen Marathonlauf von Paris, ein Ergebnis, das sie nun verloren hat, wodurch auch ÖLV-Rekordhalterin Julia Mayer im Klassement einen Platz aufgerückt ist.

Spanischer Meister erwischt

Der in Marokko geborgene, spanische Läufer Ouassim Oumaiz bekam im Mai eine vierjährige Sperre von der spanischen Anti-Doping-Behörde aufgebrummt, weil er ein synthetisches Peptid eingenommen hatte, welches Wachstumshormone anstachelt. Seine Landsleute Hamid Ben Daoud und Abdelaziz Merzougui, beides erfolgreiche Marathonläufer, wurden wegen Unregelmäßigkeiten im Blutprofil vom Wettkampfgeschehen verbannt, Ben Daoud verlor den beim Barcelona Marathon somit unrechtmäßig errungenen spanischen Meistertitel durch Disqualifikation.

Positiv getestet wurde auch die mexikanische Olympia-Teilnehmerin und Siegerin der PanAmerica Games 2023 im Marathon, Citali Cristian Moscote. Ihr 26. Platz von Paris 2024 bleibt jedoch in der Wertung.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Stefan Schweihofer / Pixabay – Symbolbild

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