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Wie in Paris: Chebet holt Langstreckendoppel

Beatrice Chebet hat eine Woche nach WM-Gold im 10.000m-Lauf auch die WM-Entscheidung im 5.000m-Lauf für sich entschieden – im Spurt gegen Faith Kipyegon.
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Das direkte Aufeinandertreffen der beiden kenianischen Superstars war das Highlight im Laufbereich bei diesen Weltmeisterschaften: Beatrice Chebet gegen Faith Kipyegon. Olympiasiegerin gegen Titelverteidigerin. Der Clash der gegenwärtigen Laufgigantinnen auf der Bahn. Wenig überraschend kam es genau zu diesem Duell und Beatrice Chebet hatte in einer Zeit von 14:54,36 Minuten die Nase vorne. Damit entschied die 25-Jährige die vierte Entscheidung in einer Langstrecke auf globaler Ebene in Serie für sich, denn es war ihr zweites Langstreckendoppel binnen 13 Monaten nach jenem unter den Olympischen Ringen von Paris 2024. Auch Kipyegon und Nadia Battocletti durften in Tokio bereits zum zweiten Mal zur Siegerehrung.

Faith Kipyegon stürmte aus der finalen Kurve, Blick nach vorne gerichtet, Anstrengung im Gesicht, aber Dynamik im gesamten Körper. So wie sie es seit vielen Jahren in zahlreichen 1.500m-Rennen macht. Ob Diamond League, oder Meisterschaften. Sie gewinnt immer. Aber nicht über 5.000m, denn dort hat Faith Kipyegon ihre Meisterin gefunden. Beatrice Chebet ließ ihr auf der Zielgerade nicht den Hauch einer Chance, sie war im Endspurt dermaßen überlegen, dass die Goldmedaille mit einem dicken Ausrufezeichen zu versehen ist. In 14:54,36 Minuten holte sie sich ihren zweiten WM-Titel binnen einer Woche mit 0,71 Sekunden Vorsprung auf Kipyegon. 0,78 Sekunden war sie auf den letzten 100 Metern schneller – und erzwang so genau denselben Zieleinlauf wie vor 13 Monaten in Paris.

Ergebnis 5.000m-Lauf der Frauen, WM 2025
Gold: Beatrice Chebet (Kenia) 14:54,36 Minuten
Silber: Faith Kipyegon (Kenia) 14:55,07 Minuten
Bronze: Nadia Battocletti (Italien) 14:55,42 Minuten

 
4. Shelby Houlihan (USA) 14:57,42 Minuten
5. Gudaf Tsegay (Äthiopien) 14:57,82 Minuten
6. Josette Andrews (USA) 15:00,25 Minuten
7. Marta Garcia (Spanien) 15:01,02 Minuten
8. Hannah Nuttall (Großbritannien) 15:01,25 Minuten
9. Fantaye Belayneh (Äthiopien) 15:02,05 Minuten
10. Rose Davies (Australien) 15:03,61 Minuten
11. Linden Hall (Australien) 15:04,03 Minuten
12. Nozomi Tanaka (Japan) 15:07,34 Minuten
13. Medina Eisa (Äthiopien) 15:07,47 Minuten
14. Maureen Koster (Niederlande) 15:07,58 Minuten
15. Agnes Ngetich (Kenia) 15:13,78 Minuten
16. Joy Cheptoyek (Uganda) 15:18,98 Minuten

Duell in Freundschaft

„Mit zwei Goldmedaillen nach Hause zu reisen, macht mich richtig glücklich. Ich hatte eine überragende Saison und habe mich heute noch einmal voll motiviert, jede Herausforderung anzunehmen. Nur wenn man den absoluten Glauben an sich hat, kann man gegen Läuferinnen wie Faith und Nadia bestehen“, kommentierte die glückliche Siegerin, die ihre gute Freundschaft mit Kipyegon betonte.

© Dan Vernon for World Athletics

Die 31-jährige Kipyegon holte neben ihren fünf Goldmedaillen ihre dritte WM-Silbermedaille, womit sie zu den erfolgreichsten Leichtathletinnen der WM-Geschichte gehört – vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass sie im Gegensatz zu den Sprinterköniginnen keine Chance auf Staffelmedaillen hat. „Ich bin sehr dankbar, mit der Silbermedaille nach Hause zu kommen. Ich habe in diesem Jahr schließlich noch keinen 5.000m-Lauf bestritten“, sagte Kipyegon. Eine Niederlage gegen ihre Freundin sei kein Problem für sie: „Beatrice ist die Beste, sie hat den Weltrekord. Sie ist sehr schwer zu besiegen. Es war ein großartiges Duell mit ihr.“

Die Schlussrunden (und letzte 100 Meter) der Besten

  • 57,60 Sekunden (13,44) – Beatrice Chebet (Siegerin)
  • 58,47 Sekunden (14,22) – Faith Kipyegon (Zweitplatzierte)
  • 58,91 Sekunden (14,22) – Nadia Battocletti (Drittplatzierte)
  • 60,48 Sekunden (15,13) – Shelby Houlihan (Viertplatzierte)
  • 60,89 Sekunden (16,34) – Gudaf Tsegay (Fünftplatzierte)
  • 62,85 Sekunden (15,23) – Marta Garcia (Siebtplatzierte)
  • 63,48 Sekunden (15,98) – Josette Andrews (Sechstplatzierte)
  • 63,72 Sekunden (16,33) – Hannah Nuttall (Achtplatzierte)
  • 64,02 Sekunden (16,84) – Fantaye Belayneh (Neuntplatzierte)
  • 65,81 Sekunden (15,59) – Rosie Davies (Zehntplatzierte)
© Dan Vernon for World Athletics

Zweite Medaille für Battocletti

Die größte Kontrahentin für die beiden kenianischen Superstars war nicht etwa ihre dritte, hoch eingeschätzte Landsfrau Agnes Ngetich, die auf den Kurzdistanzen auf der Straße zur absoluten Weltklasse gehört, und auch nicht Gudaf Tsegay, 10.000m-Weltmeisterin von 2023. Ngetich, über die doppelte Distanz noch Vierte, war die offensivst laufende Kenianerin auf den ersten 4.000m und wurde dann bis auf Platz 15 durchgereicht. Äthiopiens Nummer eins war noch in der Kurve auf Platz vier mit der Medaille in Sichtweite, im Finale fehlte ihr aber der Punch – Position fünf am Ende. Wie im 10.000m-Lauf erwies sich Nadia Battocletti als die stärkste Gegnerin des kenianischen Duos.

Die Italienerin lief wie über 10.000m stetig in einer Top-Position und übernahm in der vorletzten Runde sogar die Führung. In einem Finale, das bis dato auch aufgrund der äußeren Bedingungen nicht bei höchstem Tempo abgewickelt wurde, war nun der höchste Zug drin. Kipyegon und Chebet erkannten die Zeichen der Zeit und überholten die Europameisterin auf der Gegengerade. Es war entscheidend für den Ausgang, dass die 10.000m-Weltmeisterin sich vor der letzten Kurve noch zwischen Kipyegon und Battocletti zwängen konnte.

© Dan Vernon for World Athletics

Die 25-jährige Europäerin hatte genügend Klasse, auf den letzten 200 Metern Tsegay und Houlihan deutlich hinter sich zu lassen. „Es war ein hartes Rennen, weil ich ein bisschen müde war nach den ganzen Tagen hier“, sagte Battocletti nach dem Rennen. Nach zweimal globalem Silber über die doppelte Distanz war es ihre erste Medaille im 5.000m-Lauf. Trotzdem kam in Interviews keine Euphorie auf: „Ich würde mich freuen, eines Tages die Goldmedaille zu gewinnen. Vielleicht muss ich an meiner Mentalität nachschärfen, Schritt bei Schritt.“

Houlihan und Andrews in Top-Sechs

Aus den Außenseiterrollen heraus versuchten die US-Amerikanerinnen durch die Tempogestaltung Vorteile für sich zu erarbeiten. Das gelang mit den Plätzen vier für Shelby Houlihan und sechs für Josette Andrews prächtig. Houlihan, die zu Jahresbeginn von einer viel diskutierten Dopingsperre zurückkam und mit der Silbermedaille im 3.000m-Finale der Hallen-Weltmeisterschaften von Nanjing gleich ein starkes Zeichen setzte, übernahm in der ersten Runde die Führung und hielt diese fast elf Runden lang. Für die 32-Jährige war es der bereits zweite der undankbaren vierten Plätze bei Weltmeisterschaften nach jenem im 1.500m-Lauf von Doha 2019, dazu kommt ein vierter Platz bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2018. In Tokio war diese Platzierung hinter diesen drei Top-Athletinnen aber alles andere als eine Schande.

Andrews feierte im Nationalstadion von Tokio eine starke, für sie persönlich langersehnte, WM-Premiere und belegte am Ende in einer Zeit von 15:00,25 Minuten den sechsten Platz. Für das deutsche Duo Lea Meyer und Elena Burkard war bereits im Vorlauf Schluss – wie übrigens auch für die junge Äthiopierin Birke Haylom und das britische Toptalent Innes Fitzgerald.

Die Erfolge von Beatrice Chebet

🥇🥇 Olympia-Gold (10.000m & 5.000m, Paris 2024)
🥇🥇 WM-Titel (10.000m & 5.000m, Tokio 2025)
🥈 WM-Silber (5.000m)
🥉 WM-Bronze (5.000m)
🥇 Straßenlauf-Weltmeisterin (5km)
🥇🥇 Crosslauf-Weltmeisterin

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Dan Vernon for World Athletics /

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