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„Wir befinden uns in einem Experience-Hunting Boom!“

Die Hauptbewerbe des Vienna City Marathon sind längst ausgebucht. Geschäftsführerin Kathrin Widu spricht im RunUp.eu-Interview über den Trend.
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Vor Weihnachten musste der Vienna City Marathon die Voranmeldung für die Marathon-Distanz schließen. Ausgebucht. Bereits Ende November war das Kontingent der Halbmarathon-Startplätze vergriffen. Auch die Voranmeldung für den Staffelmarathon ist längst geschlossen. Das alles, obwohl der Veranstalter seine Kontingente im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Der gegenwärtige Laufboom hat größere Dimensionen. Auf Wartelisten hoffen nun viele, doch noch ins Starterfeld zu rücken und sich das Lauferlebnis Vienna City Marathon am 6. April gönnen zu dürfen.

Ein neuer Anmelderekord ist der größten Laufveranstaltung Österreichs damit de facto sicher. Er führt den Trend fort, von dem die größten heimischen Laufveranstaltungen im Herbst, der Graz Marathon und der 3-Länder-Marathon, bereits profitiert haben und auch der Linz Marathon sowie der Salzburg Marathon im Lauffrühling 2025 profitieren wollen.

© VCM / Roman Pfeiffer

„Der Laufsport ist jünger“

Den gegenwärtigen Laufboom verspürt der Vienna City Marathon auch bei den VCM Winterläufen. Rund 1.500 Anmeldungen gingen für den ersten Event der dreiteiligen Serie am 15. Dezember ein – und damit so viele wie noch nie zu diesem vorweihnachtlichen Termin. „Der Laufsport wird jünger und immer mehr Frauen nehmen teil. Werte wie Gesundheit, Gemeinschaft, soziale Kontakte und Erlebnisse sowie die persönliche Herausforderung sind wichtige Aspekte für diese Entwicklung“, fasst VCM-Geschäftsführerin Kathrin Widu den Trend zusammen. Der zweite VCM-Winterlauf am kommenden Sonntag wird kaum kleiner als der erste.

Mit diesem Trend beschäftigt sich die gesamte Laufveranstalterszene in Europa und den USA intensiv. So wurde im Vorjahr gleich mehrfach der Rekord für die meisten Finisher*innen bei einem Marathonlauf verbessert, der New York City Marathon holte ihn sich letztlich im November zurück. Diese positive Entwicklung und die damit einhergehenden Herausforderungen und Fragen waren auch ein wichtiger Programmpunkt bei der European Running Business Conference Mitte November in Athen (siehe RunUp.eu-Bericht). Kathrin Widu hielt dort genau zu diesem Thema einen Vortrag. Im Interview mit RunUp.eu analysiert sie den gegenwärtigen Laufboom.

Eine Welle der Laufbegeisterung bewegt sich auch am 6. April wieder über die Reichsbrücke. © VCM / Finisher Pix

RunUp.eu: Kathrin, die heimischen Laufevents erfahren einen großen Aufschwung bei den Anmeldezahlen. Diesen Laufboom spürt ihr beim VCM gerade deutlich.

Kathrin Widu: „Wir verzeichnen tatsächlich einen Boom bei unseren Veranstaltungen wie nie zuvor. Das gilt für den Vienna City Marathon genauso wie für die VCM Winterläufe. Die drei Sonntagsbewerbe – Marathon, Wiener Städtische Halbmarathon, Powerade Staffelmarathon – waren trotz erhöhter Kapazitäten schon vor Weihnachten ausgebucht. Dieser Laufboom ist international. Wir hoffen, dass diese Laufbegeisterung auf viele weitere Veranstaltungen auch in Österreich durchschlägt.

Welche Gründe siehst du für diesen Trend als entscheidend?

Bei unseren Läufern sehen wir eine enorme Steigerung bei 20- bis 30-jährigen Läufer*innen und kontinuierliche Zuwächse bei den Frauen. Ältere Läufer*innen fallen deshalb nicht weg. Sie bleiben, die Jungen kommen dazu. Lauf-Communities spielen dabei eine zentrale Rolle. Laufen ist eine tolle Möglichkeit, Leute zu treffen und kennenlernen. Zugespitzt kann man sagen: Nachtclubs bleiben zunehmend leer, Laufclubs boomen. Junge Menschen haben ein stärkeres Bewusstsein für die körperliche und mentale Gesundheit. Laufen ist ein ideales Mittel dafür. Eine Superpower!

Dazu kommt, dass Reisen wieder voll zurück sind. Wien profitiert davon als ein hochattraktives Tourismusziel. Die Menschen wollen sich positive Erlebnisse, Spaß und Freizeit nicht nehmen lassen.
Wir haben als Veranstalter selbst auch viel dazu beigetragen, um den Event qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln und ihm einen Festival-Charakter zu geben. Das Entertainment, die Stimmung, die Einbindung von Laufcommunities, die neue After-Race-Party, die einzigartige Kombi von Laufen und Musik – all das sind wichtige Punkte.

VCM-Geschäftsführerin Kathrin Widu. © emba

Wir sind international und in Österreich bei Events präsent und suchen den direkten Austausch mit den Läufer*innen. Wir bieten wöchentliche Training Runs in Wien an, organisieren Bewerbe wie die VCM Winterläufe und die adidas Runners Vienna Night Mile, wir bieten den österreichischen Top-Athlet*innen beste Möglichkeiten und arbeiten mit Partnerläufen in ganz Österreich zusammen. So wollen wir den Laufboom nachhaltig gestalten.“

Welches sind heute die zentralen Argumente, die Laufbegeisterte zur Anmeldung bei Laufevents bewegen?

„Es ist immer ein Mix aus Faktoren, die zu einem Gesamterlebnis beitragen. Viele Entscheidungen werden von Social Media beeinflusst. Mindestens so wichtig bleibt aber die persönliche Erfahrung und Empfehlung, die jemand macht und weitergibt.“

Du hast betont: Das Laufen wird jünger. Wie harmoniert das Laufen mit den Prioritäten im Leben der jungen Generation, die verstärkt einen bewussten Lebensstil anstrebt?

„Laufen ist ein nachhaltiger Sport. Man braucht nicht viel und kann loslegen. Es ist das Natürlichste, was ein Mensch machen kann. Laufen ist flexibel, es kostet wenig Zeit. Laufen ist Bewegung ,pur‘. Wer will, kann es stylisch und technologisch upgraden. Auch innovative Gadgets sind für Viele ein Antrieb. Laufen bietet die Möglichkeit zum Naturerlebnis und Freiheitsgefühl. Das entspricht der Lebensweise und den Bedürfnissen vieler Menschen.“

Welche Rolle übernehmen die digitalen Möglichkeiten für die Beliebtheit des Laufens, zum Beispiel die Communities in Social Media und Influencing?

„Eine große Rolle! Vorbilder, die man cool findet, spornen an. Social Media beschleunigt und intensiviert das. Online-Communities bieten viel mehr Vernetzungen, Vergleichsmöglichkeiten und Challenges. Das motiviert. Informationen sind erheblich leichter zugänglich geworden. Läufer*innen sind heute in der Breite deutlich besser informiert und haben viel mehr Know-How über Training als vor 30 Jahren. Wichtig ist aber, mehr denn je, die richtige Einordnung von Fachleuten, weil nicht jeder Fitnesstrend für jede*n zu empfehlen ist.“

Welche gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahre haben vermutlich diesen Laufboom befeuert?

„Wir befinden uns in einem Experience-Hunting Boom. Erlebnisse sind wichtiger als klassische Statussymbole. Der Stellenwert für Gesundheit im umfassenden Sinn ist sicher gewachsen. „Alcohol is out, healthy running nights are in“ – solche Claims für Laufevents im englischsprachigen Raum zeigen ganz klar die Entwicklung auf. Statt Bier gibt es Kaffee, Smoothies, Bowls und Matcha Tee nach dem Lauf.

Das ist vielleicht ein urbanes Phänomen, aber ein sehr starkes. Laufen ermöglicht das Zusammensein und den direkten Austausch mit Menschen. Dafür gibt es ganz sicher ein großes Bedürfnis. Gemeinsame Aktivitäten, auf ein Ziel hinarbeiten, Teil einer Community sein und Anerkennung finden, das trägt zur Motivation bei. Es zeichnet auch attraktive Arbeitgeber aus, wenn solche Aktivitäten gefördert werden. Jungen Menschen geht es darum, etwas Sinnstiftendes und Positives zu machen.“

Logischerweise freuen sich die Veranstalter über den Boom der Anmeldezahlen. Welche Herausforderungen bringt dieser für die Eventorganisation mit sich?

„Ein neues Thema ist jedenfalls, wie wir als Veranstalter mit Läufer*innen umgehen, die enttäuscht sind, weil sie keinen Platz mehr bekommen. Generell stellen wir uns Fragen nach den Maximalkapazitäten der Veranstaltung. Welche neuralgischen Punkte gibt es und welche Möglichkeiten können wir für Erweiterungen finden?

Wir arbeiten deshalb mit dem Crowd-Science-Experten Marcel Altenburg von der Manchester University zusammen. Auf ihn vertrauen auch die World Marathon Majors. Es müssen alle Bereiche für Wachstum ausgelegt sein. Das ist gerade in einer Stadt mit vielen Ansprüchen an den öffentlichen Raum nicht selbstverständlich. Es geht darum, den „Sweet Spot“ zu finden, möglichst vielen Menschen bei bester Erlebnisqualität die Teilnahme zu ermöglichen.“

Text & Interview: RunUp.eu
Bilder: © VCM / Roman Pfeiffer, VCM / Finisher Pix, emba

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