Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter
Fünf Jahre ist das Rennen nun her, das wohl als dunkelste in der Doping-Geschichte der Leichtathletik einging. Der 1.500m-Lauf der Damen bei den Olympischen Spielen 2012 im Queen Elizabeth Olympic Park von London. Vier Läuferinnen, darunter die ehemaligen Gold- und…
Fünf Jahre ist das Rennen nun her, das wohl als dunkelste in der Doping-Geschichte der Leichtathletik einging. Der 1.500m-Lauf der Damen bei den Olympischen Spielen 2012 im Queen Elizabeth Olympic Park von London. Vier Läuferinnen, darunter die ehemaligen Gold- und Silbermedaillengewinnerinnen Asli Cakir Alptekin und Gamze Bulut aus der Türkei, sind mittlerweile wegen Dopings disqualifiziert worden. Maryam Jusuf Jamal wird wohl die Goldmedaille erben. Gegen weitere Läuferinnen gab es zu anderen Zeitpunkten ihrer Karriere zumindest Doping-Verdächtigungen.
Fünf Jahre später schickt sich der 1.500m-Lauf an, der Lauf-Höhepunkt bei den Damen dieser Weltmeisterschaften zu werden. Die Vor- und Halbfinalläufe haben den Eindruck einer breiten Spitze und einer langen Favoritinnenliste für Medaillen bestätigt. Der Kampf um die besten Plätze verspricht ein Spektakel mit herausragenden Protagonistinnen: Olympiasiegerin Faith Kipyegon, Titelverteidigerin und Weltrekordhalterin Genzebe Dibaba, die mit Abstand Jahresschnellste Sifan Hassan, 800m-Superstar Caster Semenya, Ex-Weltmeisterin Jennifer Simpson und last but not least Lokalmatadorin Laura Muir. Eine Aufstellung, die sich liest wie ein Gedicht und ein fantastisches Finale verspricht.
Bewerb: 1.500m-Lauf der Damen
Startzeit: Montag, 6. August um 21:50 Uhr Ortszeit (22:50 Uhr MEZ)
Olympiasiegerin 2016: Faith Kipyegon (Kenia)
Titelverteidigerin: Genzebe Dibaba (Äthiopien)
Rekord-Weltmeisterin: Maryam Yusuf Jamal (Bahrain) und Tatyana Tomashova (Russland) (je zwei Titel)
Erfolgreichste Nation: Russland (vier WM-Titel inkl. 1 für die UdSSR)
WM-Rekord: Tatyana Tomashova (Russland) in 3:58,52 Minuten (Paris 2003)
Weltjahresbestleistung 2017: Sifan Hassan (Niederlande) in 3:56,14 Minuten (Hengelo)
Favoritinnen: Sifan Hassan (Niederlande), Faith Kipyegon (Kenia), Laura Muir (Großbritannien), Genzebe Dibaba (Äthiopien)
Deutsche Teilnehmerin: Hanna Klein

Eine, die immer noch den Kopf schüttelt, wenn sie an die Olympischen Spiele 2012 erinnert wird, ist Jennifer Simpson. Als amtierende Weltmeisterin flog sie als Letzte im Halbfinallauf raus, auch als Opfer von Dopingsünderin. Seither hat sich die Amerikanerin, die bei der WM 2013 Silber holte und 2016 bei den Olympischen Spielen Bronze, verbal immer ausdrücklich für Opfer von Dopingbetrügerinnen eingesetzt. Dennoch überwiegen bei ihrer Rückkehr nach Großbritannien die positiven Gefühle. „Man darf nicht vergessen: Das größte Erbe unserer Disziplin wurde von britischen Läufern mitgetragen. Ich denke an Steve Ovett und Sebastian Coe. Sie waren meine Vorbilder und haben mich inspiriert“, philosophiert sie. „Außerdem bin ich dankbar, noch einmal eine Chance zu bekommen, in London zu laufen. Ich will die perfekte Organisation und die Atmosphäre im Stadion genießen.“ Simpson ist die einzige Amerikanerin im Finale, nachdem Kate Grace und Sarah Vaughn, Mutter und WM-Starterin mit beruflicher Vollzeitbelastung und daher neues Vorbild für Tausende Hobbyläuferinnen weltweit, ausgeschieden sind. Ihre Statistik ist beeindruckend: Immer, wenn sie in großen Finals stand und nicht einen Schuh (Peking) verlor, holte sie eine Medaille.
Als Olympia-Dritte ist Simpson automatisch eine Mitfavoritin, aufgrund ihrer bisherigen Saisonleistungen aber eher eine Außenseiterin. Stark präsentierte sich auch in den Tagen von London Olympiasiegerin Faith Kipyegon, die im Halbfinale die schnellste Zeit erzielte. Der 23-Jährige ist ein Ausnahmetalent, das bereits zu Juniorinnenzeiten ihr unfassbares Potenzial aufdeckte und gegen die gleichaltrigen Mitstreiterinnen nach Belieben dominierte. Bereits mit 18 wurde sie Olympionikin, mit einer Leistungssteigerung gelang 2015 der Aufstieg zur größten Herausforderin der damals unschlagbaren Genzebe Dibaba. WM-Silber war der Lohn als Vorstufe eines genialen Auftritts bei den Olympischen Spielen von Rio, den sie vergoldete. Der Aufschwung kam, als sie den Holländer Bram Som, ehemaliger Europameister und weltweit gefragtester Pacemaker im 800m-Lauf, als Trainer einstellte. „Physisch ist sie ein kleines Wunder. Sie hat die Fähigkeit, im Training Innovationen extrem schnell zu adaptieren und erholt sich viel schneller als die Durchschnittsläuferin“, schwärmt der Holländer und vergleicht die Kenianerin mit ihrem Landsmann Eliud Kipchoge, der es vom Weltmeister auf der Bahn in jungen Jahren zum Marathon-Olympiasieger in einer zweiten Karriere gebracht hat.
Vielleicht ist in London nicht Genzebe Dibaba die größte Herausforderin Kipyegons, sondern Sifan Hassan. 3:56,22 – 3:56,14 – 3:57,10 Minuten, so lauten die in chronologischer Reihenfolge erzielten Bestzeiten der Holländerin in dieser Saison, an die keine andere Athletin herankam. Die WM-Dritte von Peking, die seit Anfang des Jahres in Oregon bei Alberto Salazar trainiert (siehe RunAustria-Bericht), hinterließ in den Vor- und Halbfinalläufen einen bestechenden Eindruck, lief locker und scheint noch unheimliche Reserven zu haben. Dagegen zeigte Genzebe Dibaba, die die Entry List mit fünf Sekunden Vorsprung auf Muir anführt, im Halbfinale eine überraschende Schwäche. Nach Vorlauf-Bestzeit ging ihr in der Schlussphase der Saft aus und die 26-Jährige, die sich in Italien auf die WM vorbereitet hatte, hatte Glück, dass sie über die Zeitregel ins Finale rutschte. Obwohl sie nie eine positive Dopingprobe abgegeben hat, absolvierte die Äthiopierin aufgrund ihres Vertrauensverhältnisses zum sehr umstrittenen Coach Jama Aden „eine Karriere zwischen Licht und Schatten“, wie die „Gazetta dello Sport“ vor einigen Wochen getitelt hat. Will Dibaba eine Medaille holen oder sogar ihren Titel verteidigen, muss sie sich im Finale deutlich steigern – die bisherigen Saisonleistungen boten rein sportlich mehr Schatten als Licht. Überhaupt wird das Finale über 1.500m, mit erst zwei WM-Medaillen eine traditionelle Sorgendisziplin der Äthiopierinnen, ein schwieriges für Äthiopien. Gudaf Tsegaye stürzte im Halbfinale und muss daher zuschauen.
Geht es nach den britischen Fans, die erneut für ein ausverkauftes Haus und fantastische Stimmung sorgen werden, soll die Goldmedaille um den Hals von Laura Muir gehängt werden. Der Veranstalter hat das Finale im 1.500m-Lauf der Damen ähnlich wie jenes im 10.000m-Lauf der Herren am Freitag als programmtechnischen Höhepunkt der Abendsession eingeplant. Die designierte Nachfolgerin Mo Farah soll es dem britischen Laufheld gleichtun (siehe RunAustria-Bericht). Während die Engländerin Laura Weightman mit der Finalteilnahme bereits alle realistischen Wünsche erfüllt hat, ist die Schottin, die hinter Dibaba die zweitbeste Bestleistung hat, noch nicht am Ende ihrer Ziele. Mit ihrem Kampfgeist gepaart mit ihrer Fähigkeit ist sie eine absolute Medaillenkandidatin. Die bisherigen Auftritte in London waren umsichtig und hoch konzentriert, wirkten aber nicht ganz so entspannt wie von manch anderer Konkurrentin. Aber eines ist sicher, das Publikum wird Muir durch das Finale tragen. Ein entscheidender emotionaler Vorteil, wenn sie mit den Erwartungsdruck umgehen kann.
Und dann wäre da noch die große Unbekannte: Zum ersten Mal ist Caster Semenya in einem großen Finale über 1.500m. Die 800m-Dominatorin kann wahrscheinlich das höchste Tempo der zweiten Rennhälfte gehen, womit man ihr durchaus einen Gefallen tun würde, wenn das Rennen langsam beginnen würde. Bei so viel Qualität und derartig vielen realistischen Medaillenkandidatinnen ist es durchaus möglich, dass keine den Federhandschuh hinschmeißen und das Risiko eingehen möchte, am Ende mit Zitronen zu handeln. Andererseits laufen Kipyegon, Dibaba oder Muir am liebsten mit hohem Tempo von vorne. Besonders die Britin hat dies in vielen vergangenen Rennen geübt. Ist das Tempo hoch, könnte Semenya der Zahn gezogen werden. Wie gut die Südafrikanerin über 1.500m ist, weiß niemand. Dass die Bestleistung von 4:01,99 Minuten keine verlässliche Referenz darstellt, gilt als sicher.
Als Außenseiterin hat sich Hanna Klein verdient ins Finale gekämpft und in der Vorausscheidung sogar die Titelverteidigerin geschlagen. Die 24-Jährige feierte damit den größten Erfolg in ihrer Karriere und hat im Finale nichts zu verlieren. Das gilt auch für die Marokkanerinnen Rababe Arafi und Malika Akkaoui sowie die Britin Laura Weightman. Nach einem starken Halbfinale hat Meraf Bahta aus Schweden auf sich aufmerksam gemacht. Und die polnische Europameisterin Angelika Cichocka verfügt über ein hervorragendes Finish. Diese Fähigkeit könnte sie in bestimmten Rennsituationen favorisieren. Die zweite deutsche WM-Teilnehmerin über die „metrische Meile“, Konstanze Klosterhalfen ist nach einer missglückten Taktik im Halbfinale ausgeschieden (siehe RunAustria-Bericht). Auch die zweite Kenianerin, Winny Chebet schaffte es nicht ins Finale.
Der Zeitplan der WM 2017
IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London