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WM 2017: Ajee Wilson fordert die Elite

Als Ajee Wilson beim Diamond League Meeting in Monaco Seite an Seite mit Caster Semenya und Francine Niyonsaba die Zielgerade hinunter spurtete und den US-Rekord ihrer Landsfrau Jearl Miles Clark in einer Zeit von 1:55,61 Minuten um fast eine Sekunde…

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Ajee Wilson bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2016, wo sie Silber gewann. © Getty Images for IAAF
Ajee Wilson bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2016, wo sie Silber gewann. © Getty Images for IAAF
Als Ajee Wilson beim Diamond League Meeting in Monaco Seite an Seite mit Caster Semenya und Francine Niyonsaba die Zielgerade hinunter spurtete und den US-Rekord ihrer Landsfrau Jearl Miles Clark in einer Zeit von 1:55,61 Minuten um fast eine Sekunde steigerte, hatte die 23-Jährige ihr seit Jahren von den US-amerikanischen Leichtathletikfans erhofftes Meisterstück abgeliefert. Schließlich schwärmt man in den USA schon seit Jahren vom Talent Wilsons, die vor drei Jahren, also vor dem zweiten Frühling Caster Semenyas, schon einmal eine Weltjahresbestleistung markiert hatte. Der nackte Fakt dokumentiert, diese Ajee Wilson, die in Rio noch im Halbfinale gescheitert war, ist die beste Ajee Wilson aller Zeiten. „Ich habe hart trainiert und fühle mich großartig. Schön, dass sich das in den Ergebnissen niederschlägt“, kommentiert sie. Ihr Trainer Derek Thompson lobt sie besonders und glaubt, dass noch nicht einmal das gesamte Potenzial ausgeschöpft ist.
Doch diese Aussagen haben einen Schönheitsfehler. Eine positive Dopingprobe aus dem Februar auf die bis dato im Spitzensport unbekannte Substanz Zeranol. Die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) nahm Wilson ihren US-Rekord in der Halle, den sie in New York am Tag der positiven Probe markiert hatte. Sperre verhängte sie keine. Ajee Wilsons Verteidigung konnte auf Basis eines Ernährungsplans der Athletin einem Gericht glaubhaft versichern, dass die verbotene Substanz über kontaminiertes Fleisch – in den USA tatsächlich durchaus im Umlauf – in ihren Köper gekommen war. Eine plausible Stragie und bei weitem die einfallsreichste Erklärung für eine positive Dopingprobe eines US-amerikanischen Leichtathleten in dieser Saison, die eine Sperre verhinderte. Ein fader Beigeschmack bleibt und nicht alle glauben an ihre Unschuld. Denn warum ist noch nie ein anderer Sportler in den USA über gängiges, kontaminiertes Fleisch gestolpert?

Spaziergang ins Halbfinale

Bei der WM in London ist Ajee Wilson wohl die einzige Läuferin, die das seit der Aushebelung der Hormontherapie-Regelung für Läuferinnen mit biologisch bedingtem, höheren Testosteron-Level dominierende Triumvirat Caster Semenya, Francine Niyonsaba und Margaret Wambui fordern kann. Im Halbfinallauf gelang ihr ein mehr als beeindruckender, sichtlich lockerer Lauf ins Finale. Alle 700 Meter nach der Zusammenkunft des Feldes am Ende der ersten Kurve bestritt sie von vorne, im Finale ließ sie sich Reserven und gewann in 1:59,21 Minuten. Die kanadische Vize-Weltmeisterin Melissa Bishop musste mehr Einsatz zeigen, wurde aber souveräne Zweite. Auch Noélie Yarigo aus dem Benin, Rose Mary Almanza aus Kuba und die Norwegerin Hedda Hynne blieben unter zwei Minuten. Für alle drei ein Muster ohne Wert…

Büchel ohne Chance auf das Finale

Nur allzu gerne hätte Selina Büchel nach ihren knappen Ausscheiden bei den letzten Weltmeisterschaften in Peking und bei den Olympischen Spielen von Rio dieses Mal das Finale erreicht. Doch die Schweizerin scheiterte erneut an ihrem Finish, das nicht die Qualität hat wie das von vielen Konkurrentinnen. „Am Schluss war ich leer und habe mich auch noch verkrampft. Aber ich konnte nicht mehr zusetzen“, kommentierte die Schweizerin auf der Website des Schweizer Leichtathletik-Verbandes (Swiss Athletics). Die 26-Jährige postierte sich gut und übernahm Rang vier im Feld direkt vor Caster Semenya. Büchel suchte sich den kürzesten Weg und verteidigte die Innenbahn auf im Schlussspurt. Die Eidgenössin holte alles aus sich heraus, wurde aber außen von Angelika Cichocka überspurtet und am Ende nur Vierte im Vorlauf. In einer Zeit von 1:59,85 Minuten fehlten am Ende 0,14 Sekunden, um über die Zeitregel aufzusteigen. Als Neuntschnellste und Elfte in der Endabrechnung war das Aus erneut sehr knapp. „Es war auf dem Servierteller serviert, aber ich konnte nicht zupacken“, gestand sie.
Schneller als Büchel in ihrem Halbfinallauf mit der schnellsten Siegerzeit von Caster Semenya in 1:58,90 Minuten war neben der endschnellen Europameisterin im 1.500m-Lauf auch die US-Amerikanerin Charlene Lipsey, die den Aufstieg über die Zeitregel schaffte. Weil Lynsey Sharp im Zweikampf mit Lipsey den linken Arm ausfuhr, wurde sie vom Wettkampfgericht postwendend disqualifiziert. Ihre Zeit hätte für den Aufstieg über die Zeitregel gereicht, der britische Verband protestierte umgehend. Und tatsächlich nahm das Wettkampfgericht gut zwei Stunden nach den Halbfinalläufen über 800m die Entscheidung zurück und rehabilitierte die Schottin, die nun die britischen Flaggen im Finale aufrecht halten wird. Wohl eine richtige Maßnahme, denn Sharp hatte sich in einer harmlosen Szene maximal selbst behindert bzw. wurde eher von Charlene Lipsey nach außen gedrängt. Die in Frankreich lebende Yarigo durfte sich nur kurz über eine sensationelle Finalqualifikation freuen.

Martinez kratzte am Finale

Der dritte Halbfinallauf mit Francine Niyonsaba und Margaret Wambui war der klar langsamste. Die beiden favorisierten Läuferinnen setzten sich im entscheidenden Moment an die Spitze und verteidigten diese Positionen mit ihren breiten Körpern bis zum Ziel. Die ehemalige WM-Medaillengewinnerin Brenda Martinez, die im Vorlauf beinahe rausgeflogen war, zeigte sich gut erholt und gab auf der Innenbahn alles, kam aber weder an Niyonsaba (2:01,11 Minuten) noch an Wambui (2:01,19 Minuten) vorbei. Damit ist Martinez die einzige US-Amerikanerin, die das achtköpfige Finalfeld nicht erreichte.
Keine Chance hatte erwartungsgemäß die Deutsche Christina Hering, die sich während des gesamten Rennens am Ende der Gruppe aufhielt und schlussendlich noch die Südafrikanerin Gena Löfstrand überholte. Da auch Shelayna Oskan-Clarke klar scheiterte, findet das Finale ohne britische Beteiligung statt – sofern das Wettkampfgericht seine Entscheidung nicht noch ändert.
 
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