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Am Tag, als die Delegationen – und das waren beeindruckende 68 Nationalteams mit rund 1.300 Athletinnen und Athleten – ihre Koffer packten und Innsbruck nach knapp einer Woche im Berglauf- und Trailrunning-Fieber verließen, kam der Zeitpunkt für Lobeshymnen auf die Großveranstaltung. Diese WM werde allen für immer in Erinnerung bleiben, meint Alessio Punzi, Head of Running beim Leichtathletik-Weltverband (World Athletics): „Egal ob von Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern, Funktionärinnen und Funktionären: Wir bekommen nur positives Feedback zur ausgezeichneten Gesamtorganisation, den perfekten Bedingungen, zum Flair der Veranstaltung und den sensationellen Livestreams in sechs verschiedenen Sprachen.“ Nadeem Kahn, Präsident des Weltverbandes der Ultraläufer (IAU), sagte: „Diese WM kann man mit einem Wort beschreiben: Wow!“ WM-Organisationschef Alexander Pittl sprach von einem Erfolg auf ganzer Linie und hob die 25.000 Einsatzstunden der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der WM hervor: „Man kann sich vorstellen, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne deren Unterstützung gar nicht machbar wäre.“ 400 Volunteers waren im Einsatz, ein Viertel davon aus aller Welt.
„Tirol hat maßgeblich zur Bekanntheit der Trendsportart beigetragen und ist mit der WMTRC neben dem Radsport-Land zum Berglauf- und Trailrunning-Land geworden“, stellte Landeshauptmann Anton Mattle fest, der sich ausdrücklich bei der Bevölkerung und beim Organisationsteam inklusive aller Einsatzkräfte und Freiwilligen bedankte. Österreichs Sportminister Werner Kogler schwärmte: „Die Bilder, die via Livestream in die ganze Welt getragen wurden, waren herausragend und von großem Wert für Österreich.“ „Spannender Sport, eine begeisternde Atmosphäre und beste Organisation haben dieses rundum gelungene Lauffest ermöglicht. Innsbruck und Stubai haben sich von der besten Seite gezeigt“, ergänzte Karin Seiler, Geschäftsführerin von Tirol Werbung. Kogler hofft auf eine Wiederholung des Ereignisses in einigen Jahren. Dem Wunsch schloss sich Punzi an: „Tirol hat eindeutlich das Zeug dazu, solche Veranstaltungen durchzuführen. Wir hoffen, dass in Zukunft noch mehr Leichtathletik-Wettbewerbe und Laufveranstaltungen hier stattfinden können.
Die nächste WMTRC findet Ende September 2025 in Canfranc in den spanischen Pyrenäen statt. Bei der Schlussfeier am Samstagabend übergab Pittl dem künftigen Gastgeber die Fahne mit den Logos der beteiligten Verbände.

Dank großzügiger Unterstützung von Bund, Land Tirol, der Stadt Innsbruck sowie diverser Tourismusverbände war der finanzielle Rahmen für eine professionelle, kreative und innovative sowie starke Durchführung des Events frühzeitig gesichert. Eine OTS-Aussendung vom 6. Mai 2022, als Tirol als Ausrichter bekannt gegeben, wurde, kündigte ein Veranstaltungsbudget von knapp fünf Millionen Euro an. Eine Zahl, die auch World Athletics in seiner Kommunikation übernahm. Der Veranstalter war erfolgreich sehr bemüht, die geografischen Vorteile der nahen Verbindung des urbanen Stadtgebiets von Innsbruck mit Trailstrecken bis hinauf ins alpine Gelände auf über 2.000 Höhenmetern mit einem vielseitigen und attraktiven Rahmen- und Bewerbsprogramm zu verbinden, das sowohl die lokale Bevölkerung als auch das anreisende Publikum anzog. Die WM-Strecken überzeugten nicht nur durch die herrliche Kulisse der Stubaier Alpen und der Berge rund ums Innsbrucker Becken, sondern auch durch kreative Auswahl – nicht zuletzt der künstliche Citytrail beim Mountain Classic in den bekanntesten Gassen der Innsbrucker Altstadt.
Freilich gelang nicht alles. Die Laufwege beim Mountain Classic waren selbst für die Führenden nicht immer leicht findbar. Auch beim Trailrunning blieb ein hochkarätiges, falsches Abbiegen am Ende verhängnislos, die Streckenposten und Behörden konnten diese brenzligen Situationen gerade rücken. Der Wettergott hatte, nachdem er mit viel Schnee im Frühling einen Wettlauf mit der Zeit eröffnet und auch kurzfristige Improvisation eingefordert hatte, ein Einsehen mit den Veranstaltern und schenkte an drei der vier Wettkampftagen herrliches Wetter. Nur beim Short Trail am Donnerstag war es wechselhaft, aufgrund eines aufziehenden Gewitters mussten rund 50 Athletinnen und Athleten am Kreuzjoch aus dem Rennen genommen werden – die Sicherheit geht vor.
Ein Erfolg für den Veranstalter waren die Tausenden Zuschauerinnen und Zuschauer, die die Bewerbe verfolgten – einzelne fanden Wege ins unwegsame Gelände, um die Athletinnen und Athleten dort zu unterstützen. Beachtlich war dabei, wie viele internationale Flaggen und Farben auch im Publikum vertreten waren, besonders am Samstag in Innsbruck. Das Zuschauerspalier, das Andrea Mayr (SVS Leichtathletik) zum WM-Titel im Stubaital Richtung Elferhütte antrieb, war vielleicht der Stimmungshöhepunkt dieser WM. Diese Atmosphäre ist ein kräftiges Signal dafür, dass sich diese Sportarten, beide Teil der Disziplinenvielfalt der Olympischen Kernsportart Leichtathletik, einer beachtlichen Beliebtheit erfreuen. Sportliche Bewegung in der Natur – das harmoniert unabhängig der sportmedizinisch erwiesenen Sinnhaftigkeit in vielen Regionen der Welt bestens, besonders bei uns in Österreich.

In eine ganz neue Liga aufgestiegen ist die WMTRC 2023 in der medialen Begleitung der Eventtage. Nach den zaghaften Erstversuchen einer Live-Berichterstattung bei der Off-Road-EM im vergangenen Sommer auf den Kanarischen Inseln glänzte das Medienteam mit einer hervorragenden Live-Übertragung, die einzigartig in dieser Sportart war. Die Herausforderung, qualitative Live-Bilder im vielseitigen und großflächigen Wettkampfgelände zu produzieren, ist irre. Vielleicht wurde der Beruf „Kameraläufer“ in diesen Tagen geboren, ihr Einsatz, bei eigener sportlicher Höchstleistung, ruhige und authentische Action-Bilder zu liefern, war ein absolutes Highlight. Und führte das TV-Publikum mitten ins Geschehen, über Wurzeln und Steine, steil bergauf oder rasend bergab. Dazu der gezielte Einsatz von Kameraleuten und Drohnenbilder – wer wollte, konnte auch aus der Ferne nah dabei sein. Ganz besonders in Österreich, wo der ORF stundenlange Live-TV-Übertragungen ausstrahlte und damit selbst im Gastgeberland Sportinteressierten die Schönheit und Dramatik, aber auch die Emotionen und die Herausforderungen des Berglaufs und des Trailrunnings auf die Coach oder an den Bildschirm übermittelte.
Zu den Live-Übertragungen der Bewerbe gab es eine Palette von medialen Angeboten, die vor Ort produziert und vom Veranstalterteam und seinen Kanälen publiziert wurde.
Der Auftritt der österreichischen Athletinnen und Athleten bei ihren Heim-Weltmeisterschaften wurde überstrahlt von der Goldmedaille von Andrea Mayr am ersten Wettkampftag im Vertical im Stubaital. Es war ihre bereits siebte WM-Goldmedaille, aber die außergewöhnlichste. Wegen der herausragenden Stimmung durch das Zuschauerspalier von Tausenden Personen im Schlusshang, dank der Dramaturgie des Wettkampfs und aufgrund ihres Alters von 43 Jahren, das im „Normalfall“ solche Triumphe aus biologischen Gründen im Spitzensport ausschließt. Aber Andrea Mayr ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Athletin und nach dem Rekord-Titel längst die Berglauf-Legende schlechthin. Das hat man vor Ort erlebt, wie auch die Delegationen anderer Nationen ihr den Heim-Triumph von Herzen gönnten. Das italienische Team etwa feuerte sie beim Vorbeilaufen 200 Meter vor der Ziellinie so lautstark und motiviert an, als hätte sie ein azurblaues Trikot getragen.
Ihr Erfolg basierte auf einer herausragenden Vorbereitung und Willensstärke. Eine wichtige Zutat zum dramatischen Wettkampfablauf lieferte die Neuausrichtung der WM-Planer vor Ort. Ursprünglich, so erzählte Egon Theiner, Medien- und Kommunikationsleiter der WMTRC 2023, hätte der Vertical an der Bergstation enden sollen, aus logistischer Sicht eine durchaus verständliche Planung. Erst in der zweiten Idee entstand das letzte Teilstück vertikal über den Skihang mit den steilen Passagen im Finale, die die Rennen sportlich unheimlich aufwerteten. Zwei starke Interessenten hätten zur letztendlichen Streckenwahl geführt, so Theiner: Der Tourismusverband im Stubaital wollte das Ziel an der Elferhütte aufgrund der spektakulären Panoramabilder mit den Berghängen im Hintergrund und den Blick talauswärts Richtung Innsbruck. Und der ÖLV äußerte den Wunsch der steileren Strecke – im Bewusstsein, dass das die Chancen Mayrs erhöhen würde. Mit dem Feuerwerk an Emotionen erfolgte die Belohnung – auch für die Organisatoren.
Auch abseits Mayrs Goldlauf verlief die WM für die Lokalmatadoren nicht so schlecht. Zwar fehlte ein zweites Spitzenergebnis, auch, weil Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) in seiner stärkeren Disziplin, dem Mountain Classic aufgrund einer Kopfverletzung nach Kollision mit einem Verkehrsschild nicht zu Ende laufen konnte. Aber es gelangen einige Positionen im vorderen Mittelfeld mit ordentlichen Resultaten in den Teamwertungen. Laut Informationen des ÖLV lag das österreichische Team bis zum Schlusstag in einem Vergleichspunktesystem zur Einordnung der Abschneiden der Nationen auf Position sechs, erst die Tatsache, dass Österreich am Schlusstag in drei der vier Bewerbe keine Teams stellte, ließ Österreich auf Platz neun abrutschen. Ohne die österreichischen Leistungen zu schmälern, die sicherlich auch nicht rundum gelangen: Das alles ist auch ein Zeichen, dass die Dichte an der Weltspitze an Nationen in beiden Disziplinen, sowohl im Berglauf trotz der aufstrebenden afrikanischen Nationen in den letzten Jahren, und in der Trendsportart Trailrunning noch ausbaufähig ist.
Im Medaillenspiegel platzierte sich übrigens die in den Trailrunning-Disziplinen dominierenden Franzosen noch vor der ostafrikanischen Läuferhochburg Kenia. Interessant ist, dass es bei den Frauen keinen einzigen afrikanischen Sieg bei dieser WM (ausgenommen Teamwertungen im Berglauf) gab.