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WMTRC 2025: Anna Plattner im Short Trail starke Fünfte

Anna Plattner hat im Short Trail der WMTRC 2025 in Canfranc für einen historischen Erfolg für Österreich gesorgt. Die Tirolerin wurde hervorragende Fünfte.
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Anna Plattner (LG Decker Itter) hat am zweiten Wettkampftag der World Mountain and Trail Running Championships in Canfranc in den spanischen Pyrenäen für eine historische Leistung gesorgt. Die 32-jährige Tirolerin beendete den Short Trail nach einer Wettkampfdistanz von 44,5 Kilometern und 3.657 zu bewältigenden Höhenmetern am Freitag in einer Zeit von 5:45:40 Stunden auf dem starken fünften Platz direkt vor der Titelverteidigerin Clementine Geoffray. Das ist die historisch beste österreichische Platzierung bei Trailrunning-Weltmeisterschaften, sowohl Frauen als auch Männer.

Bei schönstem Wetter und vor der herrlichen Kulisse der spanischen Pyrenäen, aber bei empfindlich kühlen Temperaturen beim Startschuss um 8 Uhr morgens im Tal und auf den Bergen, starteten 162 Läuferinnen aus 53 Nationen in den Short Trail der Frauen. Plattner lag über gesamte Wettkampfzeit in den Top-Fünf und feierte mit dieser Platzierung ihren größten internationalen Erfolg ihrer Karriere. Die beiden weiteren Österreicherinnen Isabell Speer (LAC Salzburg) und Nora Havlinova (DSG Wien) belegten die Plätze 39 in einer Zeit von 6:23:37 Stunden bzw. 92 in einer Zeit von 7:34:09 Stunden. In der Nationenwertung, die von Schweden, Spanien und Frankreich angeführt wurde, belegte das rot-weiß-rote Team mit einer Gesamtzeit von 19:43:26 Stunden Rang zwölf unter mehr als doppelt so vielen klassierten Nationen.

Quereinsteigerin mit Liebe zu den Bergen

Anna Plattner hat ihre Wurzeln im Radsport und wurde Anfangs des Jahrzehnts zweimal Österreichische Meisterin im Bergradfahren. 2023 richtete ihr Verein in Itter die Staatsmeisterschaften im Berglauf aus. In ihrem allerersten Berglauf holte sie auf Anhieb die Silbermedaille hinter Serienstaatsmeisterin Andrea Mayr. Obwohl die WMTRC vor ihrer Haustür wenige Wochen später noch ohne sie über die Bühne ging, war die Liebe für das Laufen in den Bergen entfacht.

Seit Sommer 2023 konzentriert sich die aus Hall in Tirol stammende Athletin verstärkt auf das Trailrunning und fand ihre Stärken in steilen Anstiegen und technisch schwierigen Downhills. Im Sommer 2025 holte sie mit Siegen beim Gletscher Trail in Obergurgl (42,3 Kilometer, 2.740m Höhendifferenz) sowie beim KAT 100 in Fieberbrunn (50,3 Kilometer, 3.270 Höhenmeter) auf heimischen Trailrunning-Strecken Siege und Selbstvertrauen für die WM in den Pyrenäen.

Auf Medaillenkurs im ersten Renndrittel

Anna Plattner eröffnete den Wettkampf offensiv und zeigte ihre Klasse im ersten und gleichzeitig schwierigsten Anstieg hinauf zum Pico La Moleta. Dort musste das Feld gleich nach wenigen Kilometern eine unerwartete Herausforderung bewältigen. Ein Wespenschwarm attackierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, etliche auch chancenreiche Sportlerinnen und Sportler mussten sich im Laufe des Rennens wegen Stichen medizinisch versorgen lassen oder gar den Wettkampf beenden.

Die Österreicherin kam unversehrt durch und erreichte den Gipfel nach 1:12:52 Stunden. Zu diesem Zeitpunkt lag sie drei Minuten hinter der überlegenen neuen Weltmeisterin Tove Alexandersson aus Schweden auf dem zweiten Platz knapp vor Teresa Hrochova aus Tschechien, Neunte bei den Marathon-Europameisterschaften im April, und Caroline Kimutai aus Kenia, die später ausstieg. Im folgenden Downhill kam Bewegung in die Positionierung hinter der Skandinavierin. Die Britin Naomi Lang arbeitete sich bis zur zweiten Zwischenzeit bei Kilometer 16,4 auf die zweite Position vor und machte in dieser Sektion fünf Minuten Zeit auf Plattner gut, die als Dritte die Zeitnehmungsmatte passierte.

Hinauf zum zweiten Gipfel des Tages, dem Pico Larraca, verlor die 32-jährige Tirolerin ihre Position unter den Top-Drei an die Spanierin Sara Alonso, die sich bergauf auf den zweiten Platz vor Lang schob. Ab diesem Zeitpunkt rückten die Medaillenränge für Österreichs Beste außer Reichweite, Plattner hielt sich aber weiterhin hervorragend im Wettkampf und lief das historische Top-Resultat nach Hause. Im technisch schwierigen Downhill hinunter nach Canfranc rückte sie der Norwegerin Ida Robsahm noch einmal deutlich näher und verteidigte gleichzeitig Position fünf gegen die Französin Clementine Geoffray. Geoffray war vor zwei Jahren in Innsbruck/Stubai die Weltmeisterin in dieser Disziplin.

© ÖLV / Hannah Köstler

Weltmeisterin in Dominanz

Gold ging in überdimensionierter Überlegenheit an Tove Alexandersson in einer Zeit von 5:04:20 Stunden. Die in Tirol lebende Schwedin hatte nach einer fünfstündigen Trailrunning-Show über eine halbe Stunde Vorsprung auf Sara Alonso und Naomi Lang, die die weiteren Medaillen holten. Bei den Männern triumphierte Fréderic Tranchand aus Frankreich in einer Zeit von 4:42:10 Stunden vor dem spanischen Trio Manuel Merillas, Andreu Blanes und Alain Santamaria. Letzterer war bereits im Uphill-Bewerb tags zuvor am Start und als 14. bester Spanier. Der Gastgeber freute sich über Team-Gold vor Frankreich und Italien.

Die neue Weltmeisterin lebt seit 2022 in Imst in Tirol und gewann bei der WMTRC 2023 in Innsbruck die Silbermedaille im Mountain Classic. Die Skandinavierin war in jungen Jahren eine erfolgreiche Orientierungsläuferin und holte WM-Goldmedaillen im Juniorenbereich und später bei den Erwachsenen. 2014 gewann sie den Gesamtweltcup, im Winter feierte sie Erfolge als Ski-Orientierungsläuferin und Skibergsteigerin. Nun ist sie die erste schwedische Trailrunning-Weltmeisterin.

WMTRC 2025

Klarer Streckenrekord

Die 33-Jährige ging als Favoritin ins Rennen, nachdem sie auf dieser Strecke vor einigen Wochen einen neuen Streckenrekord aufgestellt hatte – trotz Sturz. Diesen verbesserte sie am Freitag gleich um über eine halbe Stunde. „Ich hatte ein sehr gutes Rennen und habe die Strecke sehr genossen“, kommentierte die Schwedin.

Männer-Sieger Tranchand freute sich sehr emotional: „Es ist ein großartiges Gefühl. Ich habe das gesamte Rennen sehr genossen und bin trotzdem aggressiv gelaufen, ohne zu übertreiben. Ich habe es geschafft, eine starke Pace bis zum Schluss zu laufen, auch ein paar Krämpfe konnten mich nicht mehr aufhalten.“ Wie Alexandersson hat der 37-jährige Franzose seine Wurzeln im Orientierungslauf, erst seit einigen Jahren widmet er sich hauptsächlich dem Trailrunning. Für Silbermedaillengewinner Merillas war der Wettkampf etwas ganz besonders: Er lebt seit sechs Jahren in der Gegend und kannte die WM-Strecke daher aus dem Eff-Eff.

Eine Strecke voller Herausforderungen

Die 44,5 Kilometer lange WM-Strecke ist dieselbe, die bei der seit 2007 jährlich ausgetragenen Trailrunning-Veranstaltung „CanfrancCanfranc“ als Marathon-Distanz angeboten wird. Bei diesem Event ist dieser Bewerb gemeinsam mit dem 100km-Ultra das Aushängeschild. Auf dem Programm standen 3.657 Höhenmeter im Anstieg und Downhill zwischen Start und Ziel, beides direkt vor dem ikonischen Bahnhof des spanischen Bergdörfchens.

Gleich nach dem Start mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den schwierigsten Anstieg bewältigen. Binnen sechs Kilometer wurden auf dem Weg zum Gipfel des Pico La Moneta fast 1.500 Höhenmeter überwunden. Damit war der höchste Punkt der Strecke erreicht, 2.572 Meter über dem Meeresspiegel, es folgte ein technisch schwieriger Downhill. Der zweite Anstieg hinauf auf den Pico Larraca war quasi identisch mit der Streckenführung des gestrigen Uphill-Bewerbs. Wo gestern die Ziellinie war, wartete heute, kurz vor Halbzeit der Distanz, eine Verpflegungsstation auf die Aktiven.

Auch die beiden weiteren Anstiege führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf über 2.000m Meereshöhe. Die Strecke passierte ein Skigebiet und ein Langlauf- und Biathlonzentrum, auf der zweiten Hälfte wurde für einen Abstecher die Grenze nach Frankreich überquert. Wieder zurück auf spanischem Staatsgebiet stand als letzte Herausforderung der finale Downhill auf dem Programm. 122 Kurven waren auch dem technisch schwierigen Stück vom Wandergebiet Collado Estiviellas zur Ziellinie zurückzulegen.

WM-Comeback von Angermund

Weltmeister im Short Trail war vor zwei Jahren bei den Titelkämpfen in Tirol und vor vier Jahren bei jenen in Thailand der norwegische Star der Szene, Stian Angermund. Auch 2025 war der Skandinavier im Rennen und lief bis kurz vor Schluss um eine Medaille mit, ehe er abrupt viel Zeit einbüßte und das Handtuch schmiss. Der glänzende Lack des (ehemaligen) Stars der Szene hat in der Zwischenzeit einige Kratzer abbekommen. Nach seinem Sieg beim 55km-Rennen des Ultra-Trail du Mont Blanc im Jahr 2023 wurde in seiner Urinprobe die verbotene Substanz Chlortalidon, ein Diuretikum, das als Maskierungsmittel verwendet werden kann, entdeckt.

Zwar konnte im Rahmen der Ermittlungen kein absichtliches Doping nachgewiesen werden und der Athlet bestritt dies stets, selbst Wissenschaftler und Gutachter bezweifelten Doping, da die entdeckte Substanz im Körper eine lange Abbau- und damit Nachweisphase aufweist. Dennoch wurde er durch die französische Anti-Doping-Agentur (AFLD) für 16 Monate gesperrt. Der 39-Jährige ist einen Vergleich mit der AFLD eingegangen, um mit Beginn der Saison 2025 wieder startberechtigt zu sein und gleichzeitig die finanziell aufwändige Berufung vor dem höchsten Sportgericht zu vermeiden. Öffentlich beschwerte er sich lautstark und beklagte, dass sein Ruf, ein sauberer Athlet zu sein, ungerechtfertigt beschädigt sei. Außerdem haben ihm einige Sponsoren den Rücken zugekehrt.

WM-Titel für Walmsley

Am Samstag stand der Long Trail über eine Distanz von 81,2 Kilometer auf dem Programm, 5.413 Höhenmeter und mehrere Gipfel im spanisch-französischen Grenzgebiet waren zu überwinden. Der französische Titelverteidiger Benjamin Roubiol, US-Star Jim Walmsley und der Schwede Petter Engdahl bildeten am ersten langen Anstieg hinauf zum Pico La Moleta eine dreiköpfige Spitzengruppe. Später stieß Roubiols Landsmann Louison Cioffet dazu, während der Skandinavier zurückfiel und am Ende Sechster wurde.

Die Entscheidung an der Spitze fiel zwischen den Kontrollpunkten bei Kilometer 46,8 und Kilometer 60. Walmsley setzte sich vorentscheidend von seinen Kontrahenten ab und lief in einer Zeit von 8:35:11 Stunden zur Goldmedaille. Es ist das bereits zweite US-Gold bei der dritten Auflage in dieser Disziplin, der dieses Mal achtplatzierte Adam Peterman hatte vor vier Jahren in Thailand gewonnen. Roubiol, der Weltmeister von Innsbruck/Stubai, sicherte sich in einer Zeit von 8:46:05 Stunden zeitgleich mit seinem Landsmann die Silbermedaille. Die beiden Franzosen hatten am Ende elf bzw. 15 Minuten Vorsprung auf Cristian Minoggio aus Italien und Peter Frano aus der Slowakei, vor zwei Jahren noch WM-Bronzemedaillengewinner.

Österreicher nicht im Spitzenfeld

Der italienische UTMB-Sieger Francesco Puppi versuchte das Doppel zwischen UMTB und Long Trail bei den Weltmeisterschaften, was ihm als Neunter nicht gelang. Die beiden wichtigsten Saisonrennen waren in diesem Jahr lediglich durch vier Wochen getrennt, was in der Szene für etwas Unmut gesorgt hat. Daher entschieden sich viele aufgrund der hohen Belastungen eines Wettkampfs über diese Distanz entweder für einen Start in Chamonix Ende August oder in Canfranc Ende September.

Österreichs drei Teilnehmer am Long Trail der Männer, Christian Stern (SV Raiba Stubai), Alexander Hutter (TeamF7) und Mathias Deutschbauer (team2012.at), spielten nur eine untergeordnete Rolle. Stern beendete den Wettkampf in einer Zeit von 10:21:03 Stunden auf Rang 43, Hutter in 10:23:55 Stunden auf Rang 48, Deutschbauer in 10:45:00 Stunden auf Rang 59. Damit ergab sich Rang elf in der Nationenwertung.

© ÖLV / Hannah Köstler

Walmsley, der 2020 an den US Olympic Marathon-Trials in Atlanta teilgenommen hat, gehört im Ultralauf schon seit vielen Jahren zur absoluten Weltklasse. Der in der Wüstenmetropole Phoenix geborene Athlet war 2019 bereits Weltmeister bei der Langdistanz-Berglauf-WM. 2023 triumphierte er als erster Amerikaner überhaupt beim UTMB, dem wichtigsten Ultratrail der Welt, wo er einen Streckenrekord aufstellte. Mehrfach gewann er den Western States 100, einen berühmten Ultralauf in den USA.

Überlegener Triumph für Schide

Auch der Frauen-Bewerb endete mit einem US-amerikanischen Sieg. Katie Schide dominierte den Wettkampf und legte gleich im leicht bergabführenden, vier Kilometer langen Startstück auf asphaltierter Straße ein hohes Tempo vor und feierte einen Start-Ziel-Sieg, bei dem sie bei allen Zwischenzeiten als alleinig Führende durchging. Im Ziel hatte sie nach einer Wettkampfzeit von 9:57:59 Stunden 25 Minuten Vorsprung auf Sunmaya Budha aus Nepal, zwischenzeitlich war der Abstand noch größer.

Die Silbermedaille der 27-Jährigen ist ein historisches Ereignis für den Sport im kleinen Land im Himalaya-Gebirge. Die Bronzemedaille gewann die Italienerin Fabiola Conti, die sich zu Rennmitte ein Duell mit Budha lieferte, im letzten Drittel aber deren Tempo nicht mehr mitgehen konnte. Mit einer Endzeit von 32:36:17 Stunden führte sie ihr Team zur Goldmedaille in der Nationenwertung vor der USA und Frankreich.

Schide gelang 2024 das Kunststück, in einer Saison sowohl den Western States 100 als auch den UTMB für sich zu entscheiden. Beim legendären Ultralauf am Mont Blanc schaffte sie dabei, bei ihrem dritten Triumph, in einer Zeit von 22:09:31 Stunden einen neuen Streckenrekord. Schide lebt seit fast einem Jahrzehnt in Europa, zuerst in der Schweiz, wo sie an der ETH in Zürich studierte, nun in Frankreich.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Hannah Köstler

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