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Der Auftakttag der viertägigen World Mountain and Trail Running Championships ging ohne überraschende Ausreißer des österreichischen Teams über die Bühne. Das Quartett im Männerrennen, Johannes Nussbaumer, Maximilian Meusburger, Josef Bodner und Hans-Peter Innerhofer, sowie Einzelkämpferin Amelie Muss landeten im vorderen Mittelfeld des Rankings. Eine Galavorstellung führte Remi Bonnet zum WM-Titel vor den favorisierten Afrikanern. Bei den Frauen ist Europameisterin Nina Engelhard nun auch Weltmeisterin. Für die Schweiz ist es eine historische Premiere, für Deutschland der erste WM-Titel seit 40 Jahren.
Österreichs Nationalteam hat die Berglauf- und Trailrunning-Weltmeisterschaften 2025 in den spanischen Pyrenäen mit einer kompakten Teamleistung eröffnet. Unter 27 Nationen, die mindestens drei Athleten in der Ergebnisliste aufweisen konnten, deren Platzierungen für die Nationenwertung summiert wurden, führten 106 Platzierungspunkte das ÖLV-Team auf Position zwölf, 15 Punkte hinter dem zehntplatzierten kanadischen Team und als siebtbeste europäische Nation. In Konkurrenz zu den Weltbesten, darunter viele starke europäischen Teams, bildeten die Platzierungen realistische Erwartungen in dieser Disziplin ab, heimische Sensationen blieben mit den Rängen 33, 35, 38 und 43 bei den Männern sowie 44 bei den Frauen aus.
Die Basis für die Teamplatzierung legte ein kompaktes Auftreten des heimischen Teams mit drei Platzierungen in den Top-40. Bester Österreicher war Johannes Nussbaumer (EXCITINGFIT RUNNINGTEAM) auf Rang 33 mit einer Zeit von 42:53 Minuten. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Wettkampf. Ich konnte mir das Rennen gut einteilen. Mein persönliches Ziel war es, alles zu geben und gleichzeitig die Stimmung aufzusaugen. Beides ist mir sehr gut gelungen“, freute sich der im Salzkammergut geborene und in Innsbruck lebende Oberösterreicher nach seinem WM-Debüt.
Der 26-Jährige hat eine starke Trailrunningsaison hinter sich, die im Frühling mit einem Sieg beim UTMB-Qualifikationsevent in Istrien und zwei Staatsmeisterschaftssilbermedaillen begonnen und im Sommer mit Rang zwei beim Mozart 100 in Salzburg über die 45km-Distanz und weiteren Siegen ihre erfolgreiche Fortsetzung gefunden hat.

Der mit 20 Jahren jüngste Österreicher im Feld, Maximilian Meusburger (im Wald läuft’s), machte in der steilen Schlussphase noch einige Positionen gut und beendete seine Premiere in der Allgemeinen Klasse auf einem starken 35. Platz, zwölf Sekunden hinter Nussbaumer. „Die steilen Passagen taugen mir. Es war brutal hart, aber besonders am Ende ist es sehr gut gelaufen“, sagte der Vorarlberger.
Drei Positionen und zehn Sekunden hinter ihm beendete Josef Bodner (Union Raika Lienz) bei seiner Premiere im ÖLV-Dress den Wettkampf auf Position 38. Der Osttiroler zeigte sich mit seiner Leistung zufrieden. „Ich hätte es gerne ein bisschen steiler gehabt, das wäre mir mehr entgegengekommen“, so der 26-Jährige. Der Newcomer der heimischen Berglauf-Saison war im Juli bester Österreicher bei Österreichs wichtigstem Berglauf, dem Großglockner Mountain Run.


Staatsmeister Hans-Peter Innerhofer (LC Oberpinzgau) war bei der Zwischenzeit kurz nach Rennhälfte noch der am besten platzierte Österreicher. Der Salzburger plagte sich in der zweiten Rennhälfte mit Seitenstechen und rutschte noch um elf Positionen bis auf Platz 43 (43:47 Minuten) zurück. „Ein zähes Rennen“, befand er. „Wir haben uns alle gut durchgekämpft!“
Der 30-Jährige rückt bereits seinen Blick Richtung Sonntag, im Mountain Classic sieht er aufgrund der Wettkampfcharakteristik bessere Chancen für sich. Dann greifen auch Manuel Innerhofer und Sebastian Falkensteiner (beide LC Oberpinzgau) ins Wettkampfgeschehen ein, die heute zuschauen mussten. Pro Bewerb kann jede Nation maximal vier Starter stellen, der Österreichische Leichtathletik-Verband hat sechs Läufer für die Berglauf-Bewerbe nominiert. Hans-Peter Innerhofer und Johannes Nussbaumer laufen beide Rennen.
Die Oberösterreicherin Amelie Muss ging in Abwesenheit von Titelverteidigerin Andrea Mayr als österreichische Einzelkämpferin ins Rennen der Frauen. Recht früh entstanden durch eine schnelle Renngestaltung an der Spitze große Abstände im Feld. Die 22-Jährige, im Juli Vierte beim Großglockner Mountain Run, hielt sich während des gesamten Rennverlaufs im Mittelfeld auf und erreichte das Ziel nach einer Wettkampfzeit von 52:59 Minuten.

Auch Muss, bei den Staatsmeisterschaften im Mai Zweite hinter Serienchampion Mayr, hätte eine noch steilere Strecke bevorzugt. „Das Rennen war wahnsinnig schnell, vor allen Dingen beim Start, was sehr ungewohnt für mich ist. Am Schluss habe ich im Steilen noch einmal alles versucht, aber es war nicht leicht zu überholen“, kommentierte die Studentin an der Universität Salzburg. Für sie war es die Premiere im ÖLV-Dress: „Ein tolles Erlebnis, bei dem ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnte.“
132 Teilnehmer aus 47 Nationen bei den Männern und 107 Teilnehmerinnen aus 43 Nationen bei den Frauen nahmen die 6,4 Kilometer lange Strecke hinauf zum Pico Larraca in Angriff. Zwischen der Start- und der Ziellinie lag eine Höhendifferenz von 990 Metern. Nach einem flotten Beginn auf einer asphaltierten Straße führte eine Rechtskurve die Aktiven über die Brücke des noch jungen Rio Aragon und durch ein Schwarzkiefer-Waldstück bergauf. Der gut zu belaufende Kurs gilt nicht als superschwer, dennoch mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf recht kurzer Distanz eine große Anzahl von Höhenmetern im Anstieg überwinden.
Die zweite Streckenhälfte befand sich großteils überhalb der Waldgrenze. Der Kurs, der viele Kurven und Richtungswechsel mit sich brachte, wartete mit der steilsten Passage im letzten Hang auf. Nach dieser finalen Hochbelastung, die an den steilen Schlussanstieg vor zwei Jahren im Stubaital erinnerte, trennten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch rund 100 etwas flachere Meter von der Ziellinie.
An der Weltspitze wurde von Beginn des Anstiegs an ein anderes Tempo vorgelegt. Bereits in der Waldpassage auf der ersten Streckenhälfte lief sich Rémi Bonnet einen beeindruckenden Vorsprung auf die Konkurrenz heraus, den er bis zur Ziellinie locker verteidigte. „Ich fühle mich gut und bin sehr glücklich“, kommentierte der 30-Jährige. Bonnet, der zu den besten Skibergsteigern der Welt gehört, hatte den überwiegenden Teil der Trailrunningsaison nach einer Stressfraktur im Juni verpasst. „Das hier war mein Comeback, meine erste Gelegenheit in dieser Saison aufzuzeigen. Das war eine Extra-Motivation.“ Nach einer guten Vorbereitung habe er sich bestens gefühlt und von frischen Beinen profitieren können.
Rémi Bonnet ist nicht nur der erste Schweizer Berglauf-Weltmeister überhaupt. Er hat in Canfranc auch eine Durststrecke für Europa beendet und ist der erste europäische Weltmeister seit dem Italiener Marco De Gasperi, der den letzten seiner fünf Titel im Jahr 2007 gewonnen hat. In der Zwischenzeit ging zwölf Titel an afrikanische Mitgliedsverbände, drei an die USA und einer an Neuseeland.
Nach 37:50 Minuten hatte Bonnet die 6,4 Kilometer lange Strecke mit einer Höhendifferenz von 990 Metern absolviert, das entspricht einem beeindruckenden Tempo von 5:55 Minuten pro Kilometer. Der 30-jährige Westschweizer ist der erste Läufer aus der Alpenrepublik, der sich bei den Männern Berglauf-WM-Gold holen konnte. Bisher war die Bronzemedaille von Alexis Gex-Fabry im Jahr 2000 erstaunlicherweise die einzige Schweizer Medaille.
Bei den letzten Europameisterschaften präsentierte sich das Schweizer Team allerdings bereits Spitze und gewann mit Dominik Rolli 2022 zwei Medaillen, Roberto de Lorenzi wurde 2024 Europameister im Mountain Classic. Rolli kam dieses Mal als 20. ins Ziel und komplettierte als drittbester Schweizer nach Jonathan Schmid, der starker 13. wurde, die Silbermedaille für unseren Nachbarn in der Nationenwertung hinter Kenia und noch vor den USA.
An Bonnets Leistung erstaunt die Überlegenheit: 74 Sekunden legte er zwischen sich und Richard Omaya, der erstmals eine WM-Medaille gewann. Patrick Kipngeno, in dieser Disziplin Weltmeister 2021 und 2023, musste sich mit Platz drei und eineinhalb Minuten Rückstand auf Bonnet zufrieden geben. Beide Kenianer erkannten die Überlegenheit des Siegers an und zeigten sich zufrieden mit ihren Platzierungen.
Das im letzten Jahrzehnt dominierende ugandische Team ging leer aus. Eliud Cherops sechster Platz war das Höchste der Gefühle. Das starke US-Team wurde angeführt von Christian Allen, dem nur sechs Sekunden zu Edelmetall fehlte. Platz fünf erreichte Vize-Europameister Jacob Adkin aus Großbritannien, bester aus dem italienischen Team war der achtplatzierte Andrea Elia. Andrea Rostan, dem Außenseiterchancen auf eine Medaille zugesagt wurden, musste sich mit Platz 30 zufrieden geben. Ebenfalls chancenlos war Weltcup-Gesamtsieger Philemon Kiriago aus Kenia, im Stubaital vor zwei Jahren noch Medaillengewinner, auf Position 17. Er rettete jedoch immerhin Kenias Goldene in der Nationenwertung.
Bester aus dem deutschen Team war Tobias Ulbrich auf Rang 15, der in Österreich lebende Julius Ott wurde 25. Die Spanier konnten auf heimischem Terrain nicht in den Kampf um die Top-Ten eingreifen: Alain Santamaria kam als 14. ins Ziel, der ehemalige WM-Medaillengewinner Alejandro Garcia als deren Leitwolf nur auf Rang 29.
Das Startsignal zum Männerrennen erfolgte pünktlich um 10 Uhr bei empfindlich kühlen Temperatur im noch schattigen Tal. Gleichzeitig erstrahlte der Zielbereich im Sonnenschein unter einem wolkenlosen Himmel, allerdings machten Temperaturen um den Gefrierpunkt die Angelegenheit für Teilnehmer*innen und Zuschauer*innen, die im Spalier entlang der entscheidenden Steilpassage unterhalb des Gipfels für tolle Stimmung sorgten, zur Herausforderung. Einige Teilnehmer entschieden sich, nicht im Wettkampfdress, sondern mit einer Jacke darüber zu laufen. Das kenianische Team setzte auf langärmlige Dressen.
Im Jahr 1985, damals bei der WM-Premiere in Südtirol, hat Deutschland mit Olivia Grüner letztmals eine WM-Goldmedaille im Berglauf gewonnen. Nach ihrem grandiosen Auftritt bei den Off-Road Europameisterschaften 2024 in Annecy, wo sie beide Berglauf-Bewerbe für sich entscheiden konnte, triumphierte die 28-Jährige auch im Vertical bei den Weltmeisterschaften 2025. Engelhard, die im diesjährigen Sommer bei fürchterlichen und sommerunwürdigen Wetterbedingungen beim Pitz Alpine Glacier Trail in Tirol den 15km-Bewerb gewinnen konnte, setzte sich früh von Susanna Saapunki ab.
Das Duell der beiden Europäerinnen bestimmte den Wettkampfverlauf. Die Deutsche hatte im sehr steilen Schlussstück Probleme, den Laufschritt aufrecht zu erhalten. Doch die Finnin konnte nicht entscheidend näherrücken, so dass die aus Kassel stammende und an der Universität Konstanz studierende Engelhard nach 45:33 Minuten als Siegerin feststand. „Ich bin sprachlos“, erklärte sie, warum sie mit einem Kopfschütteln ins Ziel lief. „Ich konnte die anderen überhaupt nicht einschätzen.“ Die Strecke sei ihr auf den Leib geschneidert gewesen. „Zum Schluss war es total motivierend, dass das ganze Team da war und angefeuert hat.“
Die Skandinavierin, die nördlich des Polarkreises aufgewachsen ist und seit einigen Jahren in der Nähe des bekannten italienischen Skiorts Bormio mitten in den Alpen lebt, feierte mit der Silbermedaille in 45:59 Minuten wie Engelhard ihren bisher größten internationalen Erfolg. Die US-Amerikanerin Anna Gibson überholte auf der zweiten Streckenhälfte noch Martha Chemutai und sicherte sich in 46:07 Minuten die Bronzemedaille. Damit ging das Team aus Uganda am ersten Wettkampftag gänzlich leer aus, die schwachen Leistungen von Chemutais Teamkolleginnen reichten auch in der Teamwertung nur für Position acht.
Philaries Kisang, vor zwei Jahren noch die große Rivalin von Andrea Mayr im Stubaital, konnte als 14. nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Das galt auch für die britische Berglauf-Gesamtsiegerin Scout Adkin und die Schweizerin Maude Mathys, bereits fünfmal Europameisterin, die beide unmittelbar hinter der Kenianerin ins Ziel kamen.
In der Nationenwertung belegte die Schweiz mit drei Top-20-Platzierungen Platz fünf hinter Deutschland. Neben dem Sieg von Engelhard ging der starke neunte Platz von Marathonläuferin Laura Hottenrott, mehrfache Siegerin des Jungfrau Marathon, in die Wertung. Platz 36 von Madlen Kappeler als drittes Resultat reichte aber nicht für Edelmetall.
Gold gewann Italien, das in der Einzelwertung mit Francesca Ghelfi und Lucia Arnoldo auf den Rängen fünf und sieben gut performte, vor Frankreich, das mit Christel Dewalle und Nélie Clément ebenfalls zwei Top-Ten-Platzierungen erreichte, und Kanada.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Österreichischer Leichtathletik-Verband / Hannah Köstler