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WMTRC 25: Innerhofer führt ÖLV-Team zu Platz sechs

Dank guter Einzelleistungen von Manuel und Hans-Peter Innerhofer sowie Johannes Nussbaumer war Österreich beim Mountain Classic in Canfranc die sechst beste Nation.
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Nach dem hervorragenden fünften Platz von Anna Plattner im Short Trail (siehe RunUp.eu-Bericht) gelang dem österreichischen Nationalteam bei den World Mountain and Trail Running Championships in Canfranc am Schlusstag ein weiteres Top-Resultat. Manuel Innerhofer, als Bester in der Einzelwertung 15., sein Zwillingsbruder Hans-Peter und Johannes Nussbaumer brachten 70 Platzierungspunkte in die Wertung. Nur fünf Nationen, davon nur zwei europäische, konnten sich im 14,32 Kilometer langen Mountain Classic besser platzieren.

Österreichs Berglauf-Nationalteam hat sich beim Abschlussbewerb der Berglauf- und Trailrunning Weltmeisterschaften in Canfranc in der europäischen Spitze und erweiterten Weltspitze präsentiert. Als drittbeste europäische Mannschaft gelang in der Nationenwertung der starke sechste Platz. „Voll geil! Besonders wenn man sieht, welch starke Teams hinter uns gelandet sind“, freute sich Manuel Innerhofer.

Gemeint hat er damit Teams wie Großbritannien und Frankreich, traditionell in dieser Teildisziplin der Leichtathletik immer stark. Aber auch das deutsche Team und die in Canfranc bis dato so erfolgreiche Schweiz landete weit hinter dem rot-weiß-roten Team. Und Innerhofer vergaß nicht darauf hinzuweisen, dass der Großteil der Konkurrenz an der Weltspitze das Trailrunning als professionelle Athleten betreibt, während sein Bruder und er regulären Jobs nachgehen.

WMTRC 2025

Zweitbestes Resultat

Innerhofer war als 15. der Beste im rot-weiß-roten Nationaldress in der Einzelwertung. Es ist sein zweitbestes Resultat bei Weltmeisterschaften nach dem sechsten Platz in derselben Disziplin 2019 in Patagonien. Und für den 30-Jährigen nach zwei muskulären Verletzungen in der Wade in der ersten Saisonhälfte ein versöhnliches Ergebnis. „Ich bin voll zufrieden und stolz, dass ich noch einmal richtig gut in Form gekommen bin und heute eine starke Leistung zeigen konnte.“ Nach 1:06:04 Stunden erreichte er das Ziel vor dem Bahnhof in Canfranc – als fünftbester Europäer.

Stark im Anstieg

Manuel Innerhofer demonstrierte von Beginn an seinen Willen, in der Verfolgergruppe hinter den favorisierten Afrikanern ein aktives Rennen zu zeigen und hielt sich lange Zeit in der Nähe des ehemaligen Europameisters Cesare Maestri aus Italien und dem stärksten aus dem spanischen Team, Alejandro Garcia, auf – stets auf Positionen zwischen zwölf und 15. „Bergauf war ich heute richtig stark. Die erste Runde bin ich voll kontrolliert hinaufgelaufen, in der zweiten Runde konnte ich richtig puschen“, erzählte der 30-Jährige.

Dass er im finalen Downhill nicht zulegen konnte – normalerweise eine seiner Stärken – und sich mit etwas Seitenstechen plagte, lag daran, dass er mit viel Trainingsrückstand in die Saison gegangen ist und im Sommer weniger Downhilltraining als in anderen Jahren absolvierte.

Fit bergauf

Daraus ableitend stellt sich die Frage, warum der sechsfache Staatsmeister im Berglauf am Donnerstag im Uphill-Bewerb nicht eingesetzt wurde – von den sechs nominierten Männern durften in beiden Berglauf-Disziplinen je vier an den Start gehen. Hans-Peter Innerhofer und Johannes Nussbaumer, in beiden Disziplinen bei den diesjährigen Staatsmeisterschaften, freilich vor fast fünf Monaten, auf den Plätzen eins und zwei, absolvierten den Doppelstart.

Manuel Innerhofer ging auf die Frage nicht ein und sagte diplomatisch: „Alle meine Teamkollegen haben sich den Startplatz verdient. Sie haben einige starke Leistungen in der Saison erbracht, während ich verletzt war.“ Auf der anderen Seite sagte er im Gespräch mit RunUp.eu zu Wochenbeginn, er hätte überwiegend bergauf trainiert. Der Grund: Um keine weitere Verletzung zu riskieren, wollte er die Belastungen auf die Wade möglichst gering zu halten.

Innerhofer mit letzten Reserven

Wie erwartet kam der Mountain Classic von der Streckencharakteristik den sportlichen Fähigkeiten seines Zwillingsbruders eher entgegen als der Uphill-Kurs am Donnerstag. Auch Hans-Peter gelang im letzten Wettkampf einer für ihn langen und fordernden Trailrunningsaison eine gute Renneinteilung und folglich eine konstante Leistung über die gesamte Distanz knapp außerhalb der Top-20. Nach einer Zeit von 1:08:02 Stunden überquerte der amtierende Staatsmeister die Ziellinie als 26., drei Positionen und 23 Sekunden vor Johannes Nussbaumer. „Ich bin zufrieden und habe alles gegeben. Leider hatte ich in der Schlussphase etwas Schmerzen in den Beinen. Das ärgert mich ein bisschen, dass ich da nicht noch den ein oder anderen überholen konnte. Aber grundsätzlich ist das Ergebnis ok“, sagte der zweifache Staatsmeister in diesem Jahr.

Diese Einschätzung setzte der 30-Jährige in den Rahmen der Möglichkeiten. Ihm war bereits im Vorfeld der WM völlig klar, nicht mehr in der Superform des Frühlings und Frühsommers zu sein. Die lange Wettkampfsaison hatte viel Kraft gekostet, Innerhofer war auch beim UTMB vor vier Wochen am Start – über rund 60 Kilometer. „Das war für mich eine enorm lange Distanz, ich hab mich langsamer von der Belastung erholt als erhofft.“ Die zeitlichen Nähe dieser beiden Höhepunkte waren international mehreren Athletinnen und Athleten ein Dorn im Auge.

Aufholjagd von Nussbaumer

Nussbaumer, im Uphill-Bewerb am Donnerstag als 33. bester Österreicher, lag zur Halbzeit des Rennens noch auf Position 45 und fast eine Minute hinter Hans-Peter Innerhofer. Doch der Oberösterreicher arbeitete sich in der zweiten Bergauf-Passage um mehr als ein Dutzend Positionen im Feld nach vorne und führte seine Aufholjagd auch im Downhill fort. Der vierte Österreicher im Feld, Sebastian Falkensteiner (LC Oberpinzgau), beendete den Wettkampf in einer Zeit von 1:11:35 Stunden auf Platz 54 unter 142 gestarteten Athleten.

Österreich mitten unter Europas besten Teams

In der Nationenwertung waren lediglich die Teams aus Kenia, das vier Athleten unter die Top-Sechs der Einzelwertung bekam, Uganda, Italien, den USA und von Gastgeber Spanien besser platziert als das ÖLV-Team. „Hinblicklich der Europameisterschaften im nächsten Jahr in Slowenien ist das ein starkes Zeichen“, fand Hans-Peter Innerhofer.

In der Einzelwertung wurde Philemon Kiriago seiner Favoritenrolle gerecht. Der kenianische Silbermedaillengewinner von vor zwei Jahren in Innsbruck setzte sich in einem spannenden Schlagabtausch gegen Martin Kiprotich aus Uganda durch. Die Bronzemedaille sicherte sich Paul Machoka aus Kenia vor dem Schweizer Top-Bergläufer Dominik Rolli.

© ÖLV / Hannah Köstler

Muss bestätigte Performance von Donnerstag

Amelie Muss performte im Frauenrennen auf vergleichbare Art und Weise wie am Donnerstag im Uphill, wo sie als 44. ins Ziel gekommen ist. Im Mountain Classic verpasste sie eine Position in den Top-40 erst auf den allerletzten, flachen Metern in Canfranc, nachdem sie davor konstant einige Positionen gutmachen konnte. Die 21-jährige Oberösterreicherin erreichte die Ziellinie nach 1:21:55 Stunden Wettkampfzeit auf dem 41. Platz unter 112 klassierten Athletinnen.

In überlegener Manier jubelte Nina Engelhard drei Tage nach Gold im Uphill auch über den WM-Titel im Mountain Classic. Die 28-jährige Deutsche verwies in einer Zeit von 1:11:00 Stunden Ruth Gitonga aus Kenia und Oria Liaci aus der Schweiz um rund zwei Minuten auf die weiteren Medaillenplätze. Engelhard ist der Shootingstar der Szene – sie gewann bei den Europameisterschaften im letzten Jahr beide Berglauf-Rennen und nun auch auf globalem Niveau gegen die afrikanische und amerikanische Konkurrenz – letztere war in Canfranc nicht so stark wie bei den letzten Ausgaben.

In der Nationenwertung schafften es die Teams aus Kenia, den USA und der Schweiz auf die ersten drei Positionen.

Up & Down auf zwei Runden

Die 14,32 Kilometer lange Strecke mit Start und Ziel vor dem internationalen Bahnhof in Canfranc führte auf zwei nicht ganz identischen Runden auf den Osthang. Bei niedrigen einstelligen Temperaturen und anfänglich bedecktem Himmel sowie später etwas Sonnenschein erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine sehr gut und mit hohem Tempo zu belaufende sowie sehr zuschauerfreundlichen Strecke, sowohl auf den asphaltierten Passagen im Tal als auch auf den Trails. 767 Höhenmeter im Anstieg und Downhill standen auf dem Programm, der höchste Punkt, Cargates, in einer Höhe von 1.574 Metern über dem Meer war dabei zweimal zu passieren. Die U20-Bewerbe wurden auf der ersten der beiden Runden ausgetragen, auf 7,8 Kilometer waren 397 Höhenmeter zu absolvieren.

Ugandas Dominanz in der U20

Die Juniorenbewerbe wurden zur Show der Nachwuchsläufer aus Uganda. Titus Musau dominierte den Bewerb der Burschen in einer Zeit von 33:09 Minuten. Seine Landsleute Enos Chebet und Abraham Cherotich holten sich nach einem spannenden Duell die Silber- und Bronzemedaille, womit Uganda mit der Mindestpunktzahl von sechs die Nationenwertung für sich entschied.

Vor zwei Jahren in Innsbruck gelang letzteres deswegen nicht, weil nur zwei Sportler aus Uganda das Ziel erreichten. Damals gewannen die jungen Schweizer Gold. Matthieu Bührer und Loic Berger, immer noch in der Altersklasse U20 startberechtigt, absolvierten auch in Canfranc einen bärenstarken Wettkampf und übernahmen als Vierte und Fünfte die Rolle „Best of the Rest“. Lorick Buclin auf Position 25 rettete den Schweizern auf dramatische Art und Weise die Bronzemedaille in der Nationenwertung hinter Großbritannien, das zwei Läufer in die Top-Ten brachte. Mit 34 Punkten lagen die Eidgenossen am Ende einen einzigen Punkt vor den USA und Italien mit jeweils 35.

Gold für Julia Ehrle

Fabian Hennerbichler (TGW Zehnkampf Union) zeigte einen guten Wettkampf und hielt sich konstant im vorderen Mittelfeld auf. Er beendete den Wettkampf nach 37:02 Minuten auf dem 26. Platz. Sein Landsmann Fabian Koch (TS Innsbruck) kam auf Rang 65 ins Ziel, seine Endzeit lautete 40:31 Minuten.

Im Juniorinnenbewerb war Österreich nicht vertreten. Das deutsche Lauftalent Julia Ehrle, die ihre Stärke im Berglauf hat, holte sich wie schon bei den Off-Road-Europameisterschaften vor einem Jahr, als sie die Konkurrenz förmlich dominierte, die Goldmedaille im U20-Bewerb. Die 18-Jährige, in diesem Sommer Bronzemedaillengewinnerin bei den U20-Europameisterschaften in Tampere im 5.000m-Lauf auf der Bahn, verwies in einer Zeit von 38:47 Minuten Nancy Chepkwurui und Felister Chekwemoi aus Uganda auf die weiteren Plätze. Uganda sicherte sich Team-Gold vor Italien und Spanien.

Autor: RunUp
Bilder: © Österreichischer Leichtathletik-Verband

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