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Wunderkind Lutkenhaus besteht auch gegen Wanyonyi

Der 17-jährige Hallen-Weltmeister Cooper Lutkenhaus aus den USA besiegte Freiluft-Weltmeister und Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi in einem hochklassigen Duell in Oslo.
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Diamond-League-Meetings sind da, um für größte Leichtathletik-Nächte zu sorgen. Das Bislett Stadion und die gleichnamigen Bislett Games in Oslo sind so eine traditionelle Leichtathletik-Nacht für Besonderes. Cooper Lutkenhaus stach beim gestrigen Meeting in der norwegischen Hauptstadt die beiden letzten Weltmeister, Emmanuel Wanyonyi und Marco Arop, aus. Eine Hundertstelsekunde gab den Ausschlag zugunsten des US-Youngsters, doch das war nicht der engste Zieleinlauf des Abends auf den Laufdistanzen.

Als „Superman in Spikes“ bezeichnete Robert Johnson, Gründer der bekannten US-amerikanischen Laufplattform „Let’sRun.com“, gestern den neuen Shootingstar der 800m-Szene. Das Diamond-League-Meeting in Oslo war die endgültige Meisterprüfung für Cooper Lutkenhaus. Vier der Top-Sieben der aktuellen Weltrangliste standen gemeinsam mit ihm an der Startlinie, sie alle sahen seine Rücklichter.

Was am bedeutendsten ist: Der 17-Jährige gewann sein erstes direktes Aufeinandertreffen gegen den Besten der Szene, Emmanuel Wanyonyi, Olympiasieger von Paris 2024 und Weltmeister von Tokio 2025. Und das in eindrucksvoller Manier! Denn er attackierte den Kenianer erfolgreich vor der letzten Kurve und widerstand dem Konter mit letzter Kraft mit den allerletzten Schritte.

Bislett Games 2026

Im Hechtflug zum größten Sieg

Mit letzter Kraft stürzte Cooper Lutkenhaus über die Ziellinie und rettete die Winzigkeit von 0,01 Sekunden Vorsprung. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 1:42,08 Minuten schob er sich auf Rang drei der ewigen US-Bestenliste hinter Bryce Hoppel und Josh Hoey und verbesserte seinen US-Juniorenrekord um zwei Zehntelsekunden.

„Ich habe Wanyonyi an meiner Schulter gespürt. Ich wollte unbedingt gewinnen, deswegen bin ich ins Ziel gehechtet. Einen Olympiasieger zu besiegten ist wirklich etwas Gewaltiges, das mir sehr viel bedeutet!“, jubelte das Ausnahmetalent. Sein unterlegener Kontrahent streute ihm Rosen: „Dieser Junge ist in Top-Form. Eigentlich ist es unglaublich, dass man als Olympiasieger alles geben muss, um einen 17-jährigen Jungen zu besiegen.“

Potenzial für einen neuen Superstar

Der von Trainer Chris Capeau betreute Cooper Lutkenhaus ist eine heiße Aktie im Mittelstreckenlauf. Als 16-Jähriger schaffte der aus Justin im Dunstkreis der texanischen Metropole Dallas stammende Athlet im letzten Jahr überraschend die WM-Qualifikation als Zweiter bei den nationalen Vorausscheidungen. Gegen Ende der Saison ging ihm etwas die Luft aus, in Tokio konnte er seine Leistung nicht bringen.

Doch er unterzeichnete am Ende der Saison einen Profivertrag mit Nike und startete so mit neuen Möglichkeiten in die neue Saison, in der er übrigens noch ungeschlagen ist. Inklusive eines neuen Junioren-Weltrekords in der Halle, den Hallen-WM-Titel sowie zwei Erfolge in der Diamond League. Er ist der jüngste Leichtathlet, der je in der Diamond League als Wettkampfsieger gekrönt wurde.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Hochspannender Wettkampf

An einem stimmungsvollen Abend mit wechselhaften Wetterbedingungen schienen ein paar Sonnenstrahlen auf das 800m-Feld der Männer. Patryk Sieradzki, einer der bekanntesten 800m-Tempomacher, legte eine erste Runde in 49,8 Sekunden vor. Wanyonyi ging den Wettkampf wie gewohnt von vorne an und setzte sich in seinen Windschatten, nach 50,2 Sekunden ging er in die zweite Runde. Drei Zehntelsekunden später folgte der US-Amerikaner, erst dann Arop, der sich bereits am Sonntag hinter Lutkenhaus bei dessen Diamond-League-Premierensieg anstellen hatte müssen (siehe RunUp.eu-Bericht).

Wanyonyi staunte dann nicht schlecht, als Lutkenhaus mit dem schnellsten 100m-Split seiner zweiten Runde am Ende der Gegengerade außen in Führung stürmte und als Erster die letzte Kurve durchlief. Der kenianische Star folgte und versuchte auf den letzten Metern den Konter. Wanyonyi hatte mit einem Split von 12,7 Sekunden zwar den mit Abstand schnellsten, letzten 100m-Teilabschnitt – doch es reichte haarscharf nicht mehr, Lutkenhaus mit den letzten Atemzügen des Wettkampfs zu überholen.

Trotz Saisonbestleistung von 1:42,09 Minuten: „Nach dem er mich überholt hatte, begann mein Wettkampf neu. Ich habe voll gepuscht und alles gegeben!“ Der 22-jährige Wanyonyi wird die Niederlage emotional auch deshalb gut verschmerzen können, weil er vor wenigen Tagen erstmals Vater geworden ist. Seine Tochter heißt Noela.

Applaus für einen Norweger

Mit einem Respektabstand von über einer Sekunde komplettierte Marco Arop in 1:43,33 Minuten die Top-Drei. Dahinter stürmte der Norweger Tobias Grönstad mit einer Bestzeit um 0,8 Sekunden auf Platz vier. Mit der Leistung von 1:43,61 Minuten liegt der 23-Jährige in den norwegischen Bestenliste nur mehr hinter Vebjörn Rodal, 1996 Olympiasieger in Atlanta.

Die Liste der Athleten, die der Lokalmatador hinter sich ließ, ist durchaus prominent: Australiens Rekordhalter Peter Bol, der zweifache Hallen-WM-Silbermedaillengewinner Eliott Crestan aus Belgien, Europameister Gabriel Tual aus Frankreich und den Spanier Mohamed Attaoui, Fünfter bei den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften.

Die weiteren Laufbewerbe

Bei der Neuauflage des Duells zwischen Yared Nuguse und Cameron Myers drei Tage nach dem 1.500m-Duell in Stockholm war der Amerikaner bei der traditionsreichen Dream Mile in Oslo neuerlich der Schnellere der beiden im Direktvergleich mit dem australischen Youngster. Den beiden konnte aber Timothy Cheruiyot aus Kenia in die Suppe spucken. Der Weltmeister von 2019 wurde in einer Zeit von 3:48,21 Minuten zeitgleich mit Nuguse gewertet, lag im Fotofinish aber fünf Tausendstelsekunden voran und feierte seinen ersten Sieg in der wichtigsten Meetingserie der Welt seit fast fünf Jahren. Nuguse wurde im Stadion für wenige Sekunden als ursprünglicher Sieger ausgerufen, ehe sich das Ranking auf der Anzeigetafel noch änderte.

Myers erzielte eine Zeit von 3:48,35 Minuten. In Abwesenheit des norwegischen Stars Jakob Ingebrigtsen, der sich noch von einer Operation an der Achillessehne erholt, hatte Local Hero Narve Gilje Nordas als 13. genauso wenig eine Chance wie 1.500m-Weltmeister Isaac Nader als Zwölfter, der auf der Zielgerade komplett einbrach. Bester Europäer war der fünftplatzierte Brite Jake Wightman in 3:49,36 Minuten. Der Deutsche Robert Farken, der in der dritten Runde vor Nader das Feld in die Schlussrunde führte, blieb als Zehnter knapp unter 3:50 Minuten.

© Thomas Windestam for Diamond League AG

Im 3.000m-Lauf der Frauen erzielte Freweyni Hailu eine Weltjahresbestleistung von 8:24,22 Minuten und führte einen äthiopischen Vierfachsieg an. Es war der bereits zweite Diamond-League-Saisonsieg für die 25-Jährige nach jenem im 1.500m-Lauf in Rabat Ende Mai. Aus europäischer Sicht überzeugten die Holländerin Maureen Koster sowie die beiden Britinnen Megan Keith und Innes FitzGerald mit Saisonbestleistungen auf den Rängen fünf, sieben und neun – im Falle von Keith sogar eine persönliche Bestleistung.

Eine Weltjahresbestleistung erzielte auch Addisu Yihune aus Äthiopien im 5.000m-Lauf der Männer in einer Zeit von 12:47,62 Minuten. Der 23-Jährige verwies Birhanu Balew auf den zweiten Platz, der in 12:47,73 Minuten einen neuen Asienrekord aufstellte. Der Schwede Andreas Almgren komplettierte in 12:48,61 Minuten die Top-Drei. Ky Robertson lief auf Platz acht zum zweiten Kontinentalrekord des Wettkampfs, ein neuer ozeanischer in 12:50,82 Minuten. Der Schweizer Dominic Lobalu wurde in 13:08,78 Minuten 13. für Yihune war es nach Xiamen bereits der zweite Saisonsieg in der diesjährigen Diamond League, mit dem er die Führung in der Diamond-League-Qualifikationswertung ausbaute.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Thomas Windestam for Diamond League AG / Marta Gorczynska for Diamond League AG

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