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Es ragt immer heraus, wenn bei einem internationalen Straßenlauf ein Europäer als Sieger von der Spitze der Rangliste winkt. Es ist irgendwie ungewohnt, weil dafür, selbst wenn nicht die absolute Elite aus Ostafrika an der Startlinie steht, eine Ausnahmeleistung notwendig ist. Und die gab es von Yemaneberhan Crippa beim Napoli City Halbmarathon am gestrigen Vormittag: 59:26 Minuten, beim ersten zu Ende gelaufenen Halbmarathon seiner Karriere. Das bedeutet: 41 Sekunden schneller als der italienische Rekord von Eyob Faniel aus dem Vorjahr und Rang zwei in der ewigen europäischen Bestenliste hinter Julien Wanders, der an diesem Tag das Tempo des Italieners nicht gehen konnte, aber vor – man höre und staune – Mo Farah. Nebenbei noch: ein Streckenrekord um 38 Sekunden.
Crippa ist die Auseinandersetzung mit Rivalen aus den ostafrikanischen Laufhochburgen gewohnt, schließlich trainiert er oft in Kenia, aber auch aus Wettkämpfen. Daher verliefen die Olympischen Spiele für seine Ansprüche mit Rang elf über 10.000m und dem Vorlauf-Aus über die halbe Distanz enttäuschend, 2019 war er noch WM-Achter über die längere Strecke. „Für mich hat der heutige Tag einen unheimlichen Wert. Nach einem schwierigen Jahr 2021 hatte ich heute die richtige Grundaggressivität, aber auch die richtige Posivität für so ein Rennen“, wird Crippa auf der Website des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL) zitiert, dachte aber im Moment seines Triumphes nicht nur an sich: „Es ist unser Moment, ein Moment für die italienische Leichtathletik. Feiern wir ihn!“ Crippa ist nun der siebte europäische Läufer, der einen Halbmarathon in weniger als eine Stunde absolviert hat. „Ich hätte mir selbst nicht gedacht, dass ich so schnell sein könnte. Aber bei Kilometer 15 habe ich verstanden, dass meine Leistung mich heute unter eine Stunde führt.“
Der 25-Jährige profitierte von knapp sechs Wochen Training in der kenianischen Höhe. Seinen nächsten Halbmarathon will er im Herbst angehen, dazwischen hat er mit den Weltmeisterschaften von Eugene und den Europameisterschaften von München, wo er ein heißer Medaillenkandidat auf beiden Langstrecken sein wird, zwei große Ziele, für die er sich in der Höhe des marokkanischen Atlasgebirge vorbereiten will. Crippa, ein gebürtiger Äthiopier, der im Alter von fünf Jahren von einer Mailänder Paar gemeinsam mit fünf Geschwistern adoptiert wurde, hält nun die italienischen Rekorde im 3.000m-, 5.000m-, 10.000m-Lauf, dem Halbmarathon und im 5km-Straßenlauf.
Dass seine Traumleistung ihn auch noch zum Triumph beim Halbmarathon am Vesuv führte, war das Sahnehäubchen auf der Torte. Etwa zur Halbzeit fand Crippa Anschluss an die Spitze und im Finale hatte er die stärkeren Beine als die Kenianer Joshua Kiplangat (59:28) und Debütant Josphat Kipkemboi (59:33), die knapp hinter dem großen Sieger des Tages ins Ziel liefen.
Julien Wanders, der in Neapel eine Standortbestimmung für sein geplantes Marathon-Debüt im Frühling absolvierte, kam als Sechster in einer Zeit von 1:00:28 Stunden ins Ziel. Sein Landsmann Morgan Le Guen (1:01:53) und der Deutsche Filimon Abraham (1:02:35) freuten sich über persönliche Bestleistungen auf den Positionen elf und 14. Zwischen den beiden landete der zweitschnellste Italiener, mit Yohanes Chiappinelli ein Debütant und wie Crippa EM-Medaillengewinner von Berlin 2018 (3.000m-Hindernislauf).
Das Rennen der Frauen entschied die Kenianerin Gladys Chepkirui in einer Zeit von 1:08:09 Stunden deutlich für sich. Hinter der Äthiopierin Ftaw Zeray freute sich die Neo-Italienerin Sofiia Yaremchuk über eine persönliche Bestleistung von 1:10:13 Stunden. „Ich habe mich in Iten sehr gut vorbereitet“, wird sie von der italienischen Laufzeitschrift „Correre“ zitiert. „Diesen Erfolg widme ich der Ukraine und meiner Heimatstadt Lwiw.“ Noch im Zielraum hüllte sich die 27-jährige Besitzerin einer Doppelstaatsbürgerschaft in eine Nationalflagge ihres Geburtslands.
Nicht an ihre besten Zeiten heranlaufen konnte Rabea Schöneborn, die in einer Zeit von 1:13:10 Stunden als Vierte ins Ziel kam. Rund 2.350 Läuferinnen und Läufer absolvierten den Napoli City Marathon, davon rund 2.150 die Halbmarathon-Distanz.
Männer
Frauen
* neuer italienischer Landesrekord
** neuer Streckenrekord
*** neue persönliche Bestleistung
**** Halbmarathon-Debüt