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Zweifacher Weltmeister Kirui meldet sich zurück

Seit dem Abel Kirui, Weltmeister in den Jahren 2009 und 2011 vor zwei Jahren von einer längeren Verletzungspause zurückkehrte, jagte er dem eigenen Anspruch hinterher. Und der lautete, eine Botschaft auszusenden: „Ich bin wieder da!“ Nach einigen enttäuschenden Auftritten und…

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© Getty Images
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Seit dem Abel Kirui, Weltmeister in den Jahren 2009 und 2011 vor zwei Jahren von einer längeren Verletzungspause zurückkehrte, jagte er dem eigenen Anspruch hinterher. Und der lautete, eine Botschaft auszusenden: „Ich bin wieder da!“ Nach einigen enttäuschenden Auftritten und Rückschlägen haben viele den Kenianer, der zusätzlich zu seinen WM-Goldmedaillen auch eine Olympische Silbermedaille zu Hause hat, bereits abgeschrieben. Doch mit etwas Verzögerung – und dafür umso lauter – hallt die Botschaft Abel Kiruis nun durch die Marathon-Welt. Denn der Sieg beim Chicago Marathon 2016 ist einer, der überraschend kam, und einer, der in der Karriere des 34-Jährigen eine besonderen Platz einnimmt. Es ist sein erster Sieg seit der WM in Daegu und der erst zweite bei einem City-Marathon nach seinem Triumph beim Vienna City Marathon als junger Marathonläufer vor acht Jahren.

Hellseher-Fähigkeiten eines Freundes und taktische Disziplin

Es war eine andere Botschaft, die ebenfalls eine Rolle spielte. „Vor einigen Tagen bekam ich eine Nachricht von einem Freund, dass er geträumt habe, dass ich den Chicago Marathon gewonnen hätte. In der Schlussphase war es hart, aber ich habe stets gedacht, ,Auf gehts Kirui, go!’. Denn es war auch mein Traum, hier zu gewonnen. Und ich habe es geschafft, ihn zu realisieren“, so Kirui nach dem Rennen.
Ein weiterer Faktor war ein sicherlich weit bedeutender. Beim Chicago Marathon 2016 konnte der routinierte Kenianer, der noch nie eine Zeit unter 2:05 Stunden gelaufen ist – was heutzutage die Schwelle zur Weltklasse darstellt – seine Stärke in taktisch geprägten Rennen ausspielen, die ihm bereits diese großartigen Erfolge bei Meisterschaftsrennen beschert hatte. „Ich habe in letzter Zeit aufgrund einiger schlechter taktischer Entscheidungen viele Platzierungen verloren. Das wollte ich heute besser machen und habe mich dagegen entschieden zu attackieren, obwohl ein Teil meines Gehirns das wollte, weil ich mich wirklich gut gefühlt habe. Aber ich habe mich an meinen Plan gehalten.“ An der Entwicklung dieser Taktik soll übrigens nicht nur Coach Renato Canova, sondern auch Trainingskollegin Florence Kiplagat entscheidend beteiligt gewesen sein. Ein Grund, nach dem Rennen mit der überlegenen Siegerin des Damen-Rennens (siehe RunAustria-Bericht) anzustoßen.
„Der Zeitpunkt ist gekommen, zu feiern. Ich habe das Rennen heute richtig genossen“, strahlte der Kenianer nach dem Rennen. Den Eindruck einer Wiedergeburt konnte man dabei nicht ausblenden. Bereits der extrovertierte Jubel nach Durchbrechen des Zielbandes inklusive eines Tänzchens demonstrierte, welch Fels der Erleichterung vom Herzen des zweifachen Weltmeisters gefallen ist. Ob er allerdings seiner nächsten geplanten Herausforderung London Marathon mit den Stars Eliud Kipchoge, Kenenisa Bekele oder Wilson Kipsang gewachsen ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.
 

Chicago Marathon neu: nicht schnell, aber spannend

Zum zweiten Mal in Folge verzichtete der Veranstalter auf Unterstützung von Pacemakern. Die Tempojagden auf Weltklassezeiten und der Traum von Weltrekorden sind damit längst vergangen. Dass dabei zum zweiten Mal eine derartig weit von der Weltklasse entfernte Siegerzeit zustande kam, ist sicherlich nicht ideal. Denn 23 Jahre ist es her, dass ein Sieger beim zu den World Marathon Majors gehörenden Event langsamer gelaufen war als Abel Kirui mit seiner Zeit von 2:11:23 Stunden. Dennoch: Es gibt auch positive Aspekte. Wie im vergangenen Jahr entwickelte sich ein spannendes Rennen, das bis zur letzten Minute faszinierend blieb. Wer den zeitlichen Aspekt ausblendete, hatte Freude am Rennen. Das grandiose Finish zwischen Kirui und Titelverteidiger Dickson Chumba war das Sahnehäptchen.

Gemütlicher Beginn

Trotz der für Chicago ausgesprochen guten Marathon-Bedingungen – Temperaturen zwischen 11° und 13° C und nur leichter Wind, der vom Lake Michigan in die Metropole blies und damit überwiegend als Seitenwind auf der in Nord-Süd-Richtung ausgelegten Strecke auftrat – entschied sich das Elitefeld der Herren für einen gemütlichen Beginn. Dies hatte zur Folge, dass nach fünf Kilometer der schlussendlich auf Rang 21 ins Ziel kommende Schwede David Nilsson an der Spitze lag. Bei der Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:06:50 Stunden lagen noch 14 Läufer an der Spitze, nach 30 Kilometern umfasste die Spitzengruppe immer noch zwölf Läufer. Es wirkte so, als dienten die ersten beiden Drittel dieses Marathons als Muntermacher – schließlich ist die Startzeit beim Chicago Marathon mit 7:30 Uhr morgens außergewöhnlich früh angesetzt.

Lonyagata eröffnet das Finale

Erst kurz vor der 35-Kilometer-Marke eröffnete der Kenianer Paul Lonyagata mit einer Attacke das große Finale. Sofort gingen Abel Kirui und der favorisierte Dickson Chumba mit. Auch Gideon Kipketer, der die meiste Zeit an der Spitze verbracht hatte, konnte die Attacke parieren. Nun nahm das Rennen endlich Fahrt auf, die Spitze absolvierte den einzigen 5-Kilometer-Schnitt unter 15 Minuten und bald konnten erst Lonyagata und wenig später Kipketer nicht mehr mithalten. 500 Meter vor der Ziellinie am Columbus Drive löste sich Abel Kirui, der beim dritten Versuch erstmals einen Marathon auf amerikanischem Boden beendete, von seinem Rivalen und distanzierte den Titelverteidiger um drei Sekunden. Auch wenn Favorit Chumba sich im ersten Moment enttäuscht zeigte, gelang ihm der dritte Podestplatz in Folge in Chicago. Eine besondere Leistung, nach den Rängen drei und eins wurde es diesmal der „noch fehlende“ zweite Platz.
Die kenianische Überlegenheit komplettierten Kipketer, Lonyangata und Marathon-Debütant Stephen Sambu. Der in den USA lebende Kenianer hielt sich das gesamte Rennen vornehm zurück und konnte im Finale zusetzten. In einer Zeit von 2:13:35 Stunden und Platz fünf feierte er eine beachtliche Marathon-Premiere und platzierte sich noch vor dem einzigen Äthiopier im Spitzenfeld, Halbmarathon-WM Vierter Abayneh Ayele. Dessen Landsmann Tsegaye Kebede hatte als einziger Spitzenläufer an der Startlinie gefehlt.

Estrada bester US-Amerikaner

Nicht nur Sambu freute sich über ein gelungenes Debüt, auch Diego Estrada durfte jubeln, als er bei seinem zweiten Marathon das erste Mal die Ziellinie überquerte. Der in Mexiko geborene US-Amerikaner schaffte dabei das Kunststück, nach 2:13:56 Stunden als insgesamt Achter und damit schnellster US-Amerikaner ins Ziel zu kommen. Der in Kenia geborene Elkanah Kibet, im Vorjahr Siebter, erzielte die zweite amerikanische Top-Ten-Platzierung des Tages. Dagegen konnte Luke Puskedra nicht an seinen überraschenden Erfolg im Vorjahr anschließen. Bis Kilometer 30 war er noch vorne, dann brach er gemeinsam mit dem Kenianer Micah Kogo völlig ein und erreichte lediglich auf Rang 19 das Ziel. Neben den Afrikanern und den beiden US-Amerikaner platzierten sich mit Takuya Fukatsu, Halbzeitführender, und Koji Gokaya zwei Japaner unter den besten Zehn.
 

Ergebnis Chicago Marathon der Herren

1. Abel Kirui (KEN) 2:11:23 Stunden
2. Dickson Chumba (KEN) 2:11:26 Stunden
3. Gideon Kipketer (KEN) 2:12:20 Stunden
4. Paul Lonyagata (KEN) 2:13:17 Stunden
5. Stephen Sambu (KEN) 2:13:35 Stunden
6. Abayneh Ayele (ETH) 2:13:52 Stunden
7. Takuya Fukatsu (JPN) 2:13:53 Stunden
8. Diego Estrada (USA) 2:13:56 Stunden
9. Koji Gokaya (JPN) 2:14:34 Stunden
10. Elkanah Kibet (USA) 2:16:37 Stunden
11. Tim Young (USA) 2:16:43 Stunden
12. Andrew Epperson (USA) 2:16:54 Stunden
13. Scott Overall (GBR) 2:18:21 Stunden
14. Ryoichi Matsuo (JPN) 2:18:50 Stunden
15. Tony Migliozzi (USA) 2:19:39 Stunden
16. Tom Anderson (GBR) 2:19:52 Stunden
17. Daniel Wallis (NZL) 2:19:56 Stunden
18. Micah Kogo (KEN) 2:20:03 Stunden
19. Luke Puskedra (USA) 2:20:18 Stunden
20. Jonathan Mott (USA) 2:20:22 Stunden
Chicago Marathon

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